Bargteheide : Talentschmiede im Umbruch

Caroline Dibbern (v.l.) mit Schauspieltalenten.
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Caroline Dibbern (v.l.) mit Schauspieltalenten.

Caroline Dibbern und Angela Kroß verlassen die Bargteheider Theaterwerkstatt. Dort stehen Vorstandswahlen an

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31. Januar 2018, 06:00 Uhr

Ausverkaufte Weihnachtsmärchen, die Förderung unzähliger Talente vom aufstrebenden Theaterschauspieler bis zu Filmstar David Kross – die Theaterschule im Kleinen Theater Bargteheide war viele Jahre lang ein Herzstück der Stormarner Kulturszene.

Gegründet wurde sie einst von der 2013 überraschend verstorbenen Kirsten Martensen, die es sich auf die Fahnen geschrieben hatte, qualitativ hochwertiges Kinder- und Jugendtheater in Bargteheide mit eigenen Talenten auf die Beine zu stellen. Mit dem finalen Rückzug der Firma KM-Management im Jahr 2016 und der Übernahme der Verwaltung des Hauses durch den neu gegründeten Trägerverein „Kleines Theater“ veränderte sich der Status der Schauspielschule. Sie wurde ausgegliedert als Theaterwerkstattverein. Zwei Saisons lang führte das neue Team mit dem Vorsitzenden Jan Roßmanek unter Begleitung von Martensens Tochter Caroline Dibbern die Arbeit im Sinne der Gründerin fort. Doch nun machen die sich fortsetzenden Umwälzungen auch vor der Theaterwerkstatt nicht Halt. Fakt ist – und das wurde laut mehrerer Beteiligter immer klarer: Das Gefühl der alten Zeiten ließ sich aktuell in der Struktur nicht dauerhaft wiederherstellen. Caroline Dibbern hat daher beschlossen, das Haus „schweren Herzens“ zu verlassen. „Ich werde nun neue Wege gehen. Ich hänge sehr am Kleinen Theater und hoffe, dass ich da eines Tages auch wieder arbeiten und Stücke auf die Bühne bringen kann. Aktuell ist es mir nicht möglich“, erklärt Dibbern sichtlich bewegt. Im Marstall Ahrensburg und im Oldesloer Kultur- und Bildungszentrum habe sie bereits offene Türen vorgefunden. Mit Dibbern geht auch eine jahrelange Mitstreiterin: Angela Kroß. „Ich habe mich sowohl aus dem Trägerverein als auch aus der Theaterwerkstatt zurückgezogen. Es war insgesamt nicht mehr die Atmosphäre, in der ich ehrenamtlich tätig sein möchte“, so Kroß. „Ich wünsche dem Theater wirklich alles Gute. Jeder muss überlegen, wo er sich ehrenamtlich einbringt. Mir macht es Spaß, mit Caro zu arbeiten – mit den jungen Talenten“, erklärt sie. „Für mich kann ein kreativer Ort nicht wie eine Behörde geleitet werden. Aber das ist eine subjektive Einschätzung. Ich werde mich in meiner Freizeit immer da einbringen, wo ich zu hundert Prozent hinterstehe“, sagt sie.

Roßmanek kündigt derweil weitere Veränderungen in der Theaterwerkstatt an. Es fehle mit dem Abgang von Dibbern auf dieser künstlerischen Position natürlich zunächst eine Nachfolge. Außerdem gehe er davon aus, dass es nach zwei anstrengenden Jahren „mehrere personelle Wechsel im Vorstand geben wird“. Über seine persönliche Zukunft im Verein wolle er sich erst auf der Mitgliederversammlung Ende Februar äußern. „Wir ziehen dann Bilanz und werden gemeinsam schauen, wie es weitergeht. Dafür ist eine Mitgliederversammlung ja da. Ich denke, es werden sich Lösungen finden, so dass der Verein eine Zukunft haben kann“, so Roßmanek.

Nachdem sich der Kulturing Bargteheide nach 50 Jahren aufgelöst hatte und auch Kinopächter Hans-Peter Jansen zuletzt seine Zukunft in Bargteheide offen ließ, betont Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht, dass sie die Entwicklungen im Blick behalte. „Es ist ein Prozess voller Veränderungen. Man muss neuen Strukturen eine Chance geben, aber wir müssen uns fragen, ob sich alles so entwickelt, wie wir es uns für die Kulturschaffenden und die Besucher vorstellen“, so Kruse-Gobrecht. Die Beteiligten müssten dazu an einen Tisch. Eventuell müssten gemeinsam Entscheidungen überdacht oder neue Ideen entwickelt werden. Das Ziel sei es, den Kulturstandort so stark zu gestalten, wie er war.

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