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Stormarner Tageblatt

14. Dezember 2017 | 07:42 Uhr

Szenen auf der Bahnhofstoilette

vom

Sexueller Missbrauch: 62-jähriger Russland-Deutscher aus Oldesloe zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt

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erstellt am 10.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Ahrensburg/ Bad Oldesloe | "Ich kann nicht gut lesen", entschuldigt sich der Angeklagte zu Beginn der Verhandlung. Zum ersten Termin war er nicht erschienen, jetzt hat ihn die Polizei abgeholt und ins Amtsgericht Ahrensburg vorgeführt. Der 62-Jährige aus Bad Oldesloe ist des sexuellen Missbrauchs angeklagt. Er habe einen zur Tatzeit 17-Jährigen mit geistiger Behinderung am Geschlechtsteil angefasst und ihn genötigt, das Gleiche auch bei ihm zu tun. So gelangten beide zur Befriedigung. Dafür wurde der Angeklagte jetzt zu acht Monaten Haft verurteilt. Die Strafe wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, auch die Gerichtskosten muss der 62-Jährige tragen.

Richter Dr. Friedrich Kies sah es als erwiesen an, dass das Opfer sich nicht gegen die Zudringlichkeit wehren konnte. Dass das Opfer zu keinem eigenen Willensentschluss fähig sei, habe auch das Gutachten des Sachverständigen erwiesen. "Der Geschädigte war erkennbar nicht in der Lage, Widerstand zu leisten", so Kies. Diese Tatsache habe der Angeklagte gewusst und billigend in Kauf genommen. Das Opfer sei zwar von Zeugen mehrfach beim Onanieren auf dem Bahnhofs-WC beobachtet worden. Auch der Angeklagte habe das gesehen und dieses Wissen für seine späteren Handlungen ausgenutzt. Bei seiner Vernehmung durch die Kriminalpolizei habe er das später auch zugegeben.

Weil kein erkennbarer Schaden entstanden sei und der nicht vorbestrafte Angeklagte sich im Gerichtssaal entschuldigte, verhängte das Gericht nur etwas mehr als die Mindeststrafe. Denn der Strafrahmen reicht bei diesem Delikt bis zu zehn Jahren Haft. Die Tat geschah an einem Nachmittag im Juli 2011 in der Bahnhofstoilette von Bad Oldesloe. Bekannt geworden war sie aber erst durch einen zweiten, wesentlich schlimmeren Missbrauchsfall, bei dem der behinderte 17-Jährige - ebenfalls in diesem Bahnhofsklo - vergewaltigt worden war. Daraufhin ging seine Mutter mit ihm zur Polizei, und dort sagte der 17-Jährige über das wechselseitige Onanieren mit dem Angeklagten aus.

Der Täter ist ein Spätaussiedler aus Russland, der vor 13 Jahren nach Deutschland kam. "Ich komme aus einem deutschen Dorf, meine Muttersprache ist Plattdeutsch", sagte er aus. Deutsch lesen und schreiben könne er aber nicht. In Russland habe er als Melker auf einer Kolchose gearbeitet, in Deutschland konnte er nur noch zeitweise in Beschäftigungsmaßnahmen arbeiten.

"Während seiner Vernehmung hat er zunächst alles abgestritten", sagte eine Kriminalbeamtin aus. Dann sei eine Speichelprobe genommen worden, um die DNA des Angeklagten zu bestimmen. "Dabei hat er dann gesagt, er mache das nie wieder und hat ein Geständnis abgelegt", berichtete die Beamtin.

Die größte Sorge des 62-Jährigen ist, dass seine Frau von dieser Tat erfährt. Während seiner Vernehmung zur Sache wurde die Öffentlichkeit vom Gericht ausgeschlossen. "Schicken sie mich jetzt zurück nach Russland?", fragte er zum Schluss ängstlich. "Sie sind deutscher Staatsbürger", beruhigte ihn der Richter.

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