Bad Oldesloe : Suppe gegen kalte Wohnung

Martin Seraphin von der Nachbarschaftsinitiative „Plan B“ teilt die Suppe aus. Er ist selbst betroffen.  Fotos: Olbertz
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Martin Seraphin von der Nachbarschaftsinitiative „Plan B“ teilt die Suppe aus. Er ist selbst betroffen. Fotos: Olbertz

Teilweise haben die Mieter in den Hochhäusern am Hölk und Poggenbreeden seit Wochen keine Heizung und kein warmes Wasser. Ihnen wurde jetzt heiße Suppe serviert. Handwerker sollen unterwegs sein.

Andreas Olbertz. von
16. Januar 2018, 06:00 Uhr

„Heiße Suppe gegen kalte Blocks“ steht auf dem Banner, das im schneidend kalten Wind flattert. Nach und nach kommen Bewohner aus den beiden Hölk-Hochhäusern, um sich einen Teller mit warmem Hühner-Nudeltopf abzuholen – einige der Menschen dort haben schon seit Wochen weder Heizung noch warmes Wasser. Weil es immer wieder zu Rohrbrüchen komme, berichtet Quartiersmanagerin Maria Herrmann, müssen Heiz- und Wasserstränge in den Blocks abgesperrt werden. Ein Strang sind jeweils zwölf übereinander liegende Wohnungen. In dem einen Hochhaus sollen es zwei Stränge sein, im anderen drei: 60 Wohnungen und ein Vielfaches an Betroffenen.

„Da kümmert sich keiner“, schimpft Günter Wost. Seit zehn Tagen friert er in seiner Wohnung im dritten Stock. „Die alte Verwaltung hat hingeschmissen“, weiß er zu berichten.

Beata Nowacka nimmt das Elend gelassen. Seit einem Jahr wohnt sie in den Blocks, ist zu Jahresbeginn von oben nach unten gezogen. „Mal hatten wir in der alten Wohnung warmes Wasser“, erzählt sie, „mal nicht. Ein Zimmer war kalt, die anderen so heiß, dass man es nicht aushalten konnte.“ In der neuen Wohnung seien zwar zwei Zimmer kalt, aber es gebe verlässlich warmes Wasser. Beata Nowacka: „Der eine kalte Raum ist das Kinderzimmer für meine Tochter, aber das können wir bewältigen.“ Mehr Sorgen bereitet ihr Schimmel. Die Nachbarwohnung sei dermaßen verschimmelt, dass sie nicht vermietet werden könne. Sie befürchtet, dass der Schimmel auch auf ihre Wohnung übergreift.

„Was macht man gegen Kälte? Da hilft erst mal eine heiße Suppe“, schildert die Quartiersmanagerin, wie sie auf die Idee für die Aktion kam. Erasco in Lübeck spendete spontan fast 70 Kilo Hühner-Nudeltopf, der Betreuungszug des ASB sorgte mit einem Hockerkocher und einem großen Topf dafür, dass die Konserven erhitzt werden konnten, stellte Teller, Besteck und Servietten zur Verfügung.

Martin Seraphin, der sich in der Nachbarschaftsinitiative „Plan B“ engagiert, teilt die deftigen Mahlzeiten aus. Er ist auch Betroffener. Seit Weihnachten ist seine Wohnung schon von der Wärmeversorgung abgeschnitten. „Ich habe mir einen Gasofen aufgestellt“, schildert er. Zum Duschen müsse er allerdings zu seinen Eltern nach Reinfeld fahren.

Maria Herrmann weiß, dass die heiße Suppe nur eine symbolische Geste ist. „Das sind menschenunwürdige Zustände und mir fehlt ein Signal von der Verwaltung: Wir tun was.“ Aber es scheint Bewegung in die Angelegenheit gekommen zu sein.

Verwalter der Blocks ist seit diesem Jahr die „Adler Wohnen Service GmbH“. Regionalleiter Frank Koch in Wilhelmshaven versicherte gestern Nachmittag auf Nachfrage: „Meine Kollegen sind unterwegs. Wir werden die nächsten drei Tage dort arbeiten.“ Als Sofortmaßnahme seien 30 Heizlüfter geordert, die an Mieter ausgeteilt werden sollen. Eine Oldesloer Heizungsfirma sei beauftragt und habe sich zuversichtlich gezeigt, alle Rohrbrüche bis Freitag beheben zu können. Frank Koch: „Aber wenn die Mieter uns nicht rein lassen und wir zwei Tage Aufwand haben, um uns mit der Polizei Zutritt zu verschaffen ...“

Bürgermeister Jörg Lembke sieht seitens der Stadt aktuell keinen Handlungsbedarf. Wie er erklärt, habe es mit dem Jahreswechsel einen Eigentümerwechsel gegeben und in diesem Zuge auch gleich einen neuen Verwalter. „Dass der alte da nicht mehr groß investieren wollte, ist zwar schlecht, aber ein Stück weit auch verständlich“, so Lembke. Er sei Anfang des Jahres über Probleme informiert worden, habe mit dem Eigentümer Kontakt aufgenommen und dieser habe „wirklich schnell“ reagiert. Lembke: „Man kann nicht sagen, dass die nicht bereit sind, was zu tun. Das kann natürlich mal ein paar Tage dauern.“ Es handele sich ja schließlich auch um „kein einfaches Objekt“. Die Zustände in den Hochhäusern seien jedenfalls nicht annähernd so schlimm, dass eine Evakuierung und anschließende Notunterbringung der Bewohner, beispielsweise in einer Turnhalle, in Erwägung gezogen werden müsste.

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