Sumpfgas: "Vorsichtige Entwarnung"

Die gefährdeten Flächen ziehen sich  vor allem durch die Täler im  Ahrensburger Stadtgebiet.
Die gefährdeten Flächen ziehen sich vor allem durch die Täler im Ahrensburger Stadtgebiet.

Vorsichtige Entwarnung: Bei Methan-Messungen in Ahrensburg wurden in gefährdeten Gebieten keine auffälligen Werte des Gases gefunden.

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16. Januar 2009, 10:11 Uhr

Ahrensburg | Bis zu 73,5 Volumen-Prozent Methan, bis zu 18,8 Prozent Kohlendioxid: Diese Messwerte sorgten im Herbst 2007 für explosive Stimmung. Gefunden wurde das "Sumpfgas" auf dem Gelände des Tennis- und Hockeyclubs (THC). Aus den Plätzen sollte Bauland werden, mit dem Geld wollte der Club nach Beimoor-Süd umziehen. Daraus wurde nichts nach dem Bodengutachten.

Nicht eine alte Deponie, wie zunächst vermutet, sondern Torf- unter Lehmschichten brachten das Sumpfgas hervor: Das leicht entzündliche Gemisch entsteht, wenn organische Stoffe unter Luftabschluss verrotten. Da der Bereich Fannyhöh nicht der einzige ist, wo in Ahrensburg auf Torfböden gebaut wurde, gab die Stadt ein Gutachten in Auftrag: Es sollten potenziell gefährdete Gebiete herausgefunden werden.

Ulrike Wößner vom Büro für Geologie und Umwelt stellte die Ergebnisse jetzt im Umwelt- sowie im Bau- und Planungsausschuss vor. Die Gutachter haben eine Vielzahl von Quellen ausgewertet: Historische und neue Lagepläne und Karten, Luftbilder, Schichtenverzeichnisse sowie Bohrpunkkarten mit insgesamt 1300 so genannten Aufschlüssen. Frage: Wo befinden sich organogene Ablagerungen und wo wurde auf diesen Schichten gebaut, so dass Sumpfgas entstehen kann.

In der Übersichtskarte ist klar zu erkennen, dass sich die potenziell gefährdeten Bereiche auf die Talniederungen konzentrieren. 16 Flächen haben die Gutachter mit der höchsten Priorität versehen: Dort sind Torf ablagerungen durch Bohrungen nachgewiesen, und dort wurde gebaut. Weitere 19 kleinere, bebaute Flächen wurden in die Priorität II eingestuft, weil dort der Nachweis organogener Stoffe nicht durch Bohrungen belegt ist.

Gefährdung bedeutet aber noch nicht unbedingt Gefahr: In 14 Bereichen mit der Priorität I hat es bereits Messungen in Schächten der Stadt gegeben - und nirgends wurde Methan gefunden. Eine Gefährdung der Bevölkerung liege nach derzeitigen Stand nicht vor, so Ulrike Wößner.

Trotzdem wird es auf allen Flächen der Prioritäten I und II weitere Luftmessungen geben . "Wir müssen zunächst herausfinden, wie viele Grundstücke es sind und ob sie bebaut sind. Dann werden wir die Besitzer zu Infoveranstaltungen einladen", so Bürgermeisterin Ursula Pepper.

Die Gutachter empfehlen Gasmessungen in Gebäuden und auf Privatgrundstücken. Was das kostet, wer das bezahlt und wie das funktionieren kann, sind Themen, mit denen sich der Bau- und Planungsausschuss bereits in der nächsten Woche befassen wird. Sehr wahrscheinlich ist auch, dass Bauherren, die ein Grundstück in betroffenen Bereichen haben, bei Bauanträgen künftig auch Methangas-Messwerte mitliefern müssen

Die Ergebnisse, Übersichts- und Detailkarten sind unter Aktuelles im Rathaus (Zimmer 301) sowie auf der Internetseite der Stadt (www. ahrensburg.de) zu finden. Für Fragen hat die Stadtverwaltung eine Sondertelefonnummer eingerichtet: 04102/77 414.


Gefährdete Bereiche
[] In die Priorität I wurden folgende Flächen eingeordnet: Klärwerk, Jungborn, Am Tiergarten (Fa. Schacht), Ostring/Am Weinberg (Rettungszentrum), Fannyhöh, Parkaue, Sommerpark, Ahrensfelder Weg (U-Bahnstation und schule), Hagener Allee (nördlich Kuhlenmorweg), Bogenstraße 41, Hamburger Straße /Friedhof, südwestlicher Ortseingang), Hinterm Vogelherd, Vogelsang sowie Amrumstieg/Niebüllweg.
[] In die Priorität II wurden eingeordnet: Mühlenredder/Am Tiergarten, Gronepark, altes Schützenhaus, Parkallee, Am Aalfang, Vierbergen, Starweg/Hagener Allee, Am neuen Teich, Am Lindenhof, Bornkampsweg und Staatsgut in Wulfsdorf, Pionierweg/Siedlung am Hagen, sowie Dorfstraße und Teichweg in Ahrensfelde.
[] Die Prioriät III haben zwei kleinere Flächen: Am schwarzen Moor/Pionierweg und Hagener Allee/Siedlung am Hagen.

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