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Stormarner Tageblatt

17. Oktober 2017 | 03:05 Uhr

Hammoor : „Südumgehung sofort“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Anlieger der Gemeinde Hammoor sind genervt von Durchgangsverkehr und Planungsstillstand und fordern eine schnelle Lösung

13000 Fahrzeuge passieren täglich die Gemeinde, darunter sind sechs Prozent Schwerlastverkehr. Nach den Prognosen werden diese Zahlen noch deutlich ansteigen. Wieder einmal unterstreichen Bürger aus Hammoor ihre Forderung nach einer Ortsumgehung. „Südumgehung sofort“ – ist auf mehreren Schildern am Straßenrand zu lesen. Seit über 30 Jahren wird über eine Entlastung vom Durchgangsverkehr diskutiert.

Vieles spricht für eine Südumgehung. Eine Verbindung von der Ahrensburger Straße zum Hammoorer Weg wäre nur etwa einen Kilometer lang. Unterlagen für die Planung sind schon vorhanden, denn die Südvariante wurde schon untersucht. Und die betroffenen Landwirte sind bereit, Flächen für den Stra-ßenbau zu verkaufen.

All das gilt nicht für die Nordvariante. Insbesondere die Landwirte dort sind nicht zum Verkauf ihrer Flächen bereit. Ihre Interessen seien von den Planern kaum berücksichtigt, so Wolfgang Krecker: „Das Enteignungsverfahren würde weitere Jahre dauern“, sagt Wolfgang Krecker von der Initiative „Sichere Straßen Hammoor“. Er setzt sich seit drei Jahrzehnten für eine Umgehung ein. Drei Initiativen sind sich darin einig, dass eine Südumgehung die beste Lösung ist. „Der Flächenverbrauch wäre hier am geringsten, zum Teil sind sie schon im Landes- oder Kreisbesitz“, sagt er.

Die Planungen für die südliche Lösu  ng waren bereits weit vorangeschritten, als der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) sie vor zwei Jahren stoppte. Begründung: Sie könnten vor Gericht keinen Bestand haben.

Das Dorf ist gespalten in dieser Frage. Während die Initiativen und die CDU klar für eine Südumgehung sind, tritt die Allgemeine Wählergemeinschaft Hammoor (AWH) für die nördliche Lösung ein. Ein Argument dafür ist, dass die Gemeinde Hammoor so deutlich mehr vom Durchgangsverkehr entlastet werde. Das hat ein Verkehrsgutachten des LBV aus dem Jahr 2015 ergeben. Danach würde die Nordtrasse deutlich mehr Verkehr aufnehmen, auch weil sie 800 Meter kürzer wäre.

Nach der Prognose würde die Straße im Norden bis zum Jahr 2030 dann 15 000 Fahrzeuge aufnehmen, nur 2000 würden die Ortsdurchfahrt passieren. Bei der Südvariante wären es weiterhin noch 8500.

Die Befürworter der Südumgehung bezweifeln diese Zahlen. Auch eine Mehrheit der Einwohner hat sich für die südliche Umgehung ausgesprochen.

Die AWH besitzt derzeit die absolute Mehrheit in der Gemeindevertretung. Doch das könnte sich mit der Kommunalwahl im kommenden Jahr ändern. Auch Hammoors Bürgermeister Helmut Drenkhahn will nicht wieder antreten. Er hatte sich in der Diskussion für befangen erklärt, denn eine Südtrasse würde quasi vor seiner Haustür verlaufen.

Der LBV hat unterdessen signalisiert, dass jetzt ergebnisoffen geplant wird. Auch die Südvariante könnte also noch kommen. Die Variante 1.4a ist bereits durchgeplant, bei ihr ist auch keine zweite Querung über die Grootbek erforderlich. Denkbar ist auch die Planung durch die Gemeinde selbst, so wie Bargteheide seine Westumgehung plant. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung wäre nicht zwingend erforderlich, der LBV wäre einverstanden.
Ein Hindernis für die Südvariante könnte ein neues Baugebiet werden, das die Gemeinde im Süden plant. Aus Kiel wurde deshalb schon angefragt, ob damit eine Verhinderungsplanung beabsichtigt sei.

Viel Unruhe haben auch die Pflöcke ausgelöst, die jetzt für Bodenuntersuchungen bei einer Nordvariante eingeschlagen wurden. „Niemand wusste davon, die Volksseele hat gekocht“, sagt Krecker. Denn dass hier einmal eine Straße gebaut werde, sei unwahrscheinlich. Er setzt auf die Wahlen im kommenden Jahr, bei denen sich ein Generationswechsel unter den Kommunalpolitikern abzeichnet. „Die Stimmung im Dorf ist sehr polarisiert, manche haben auch resigniert.“

Die Wahlen würden die Verhältnisse durcheinander wirbeln. Es würden Jüngere ins Spiel kommen und die Eskalation beenden, hofft Krecker: „Durch Konfrontation kann es keine Lösung geben.“ Er ist auch optimistisch, dass es jetzt endlich vorangeht: „Die Planungen stehen und die Kosten dafür sind eingestellt.“

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