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Stormarner Tageblatt

11. Dezember 2017 | 16:47 Uhr

Südliche Sonne weicht dem Winter ...

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Abenteuer, Erlebnisse, Impressionen – Gabriele und Wolf Leichsenring aus Bad Oldesloe sind mit einem Wohnmobil in Nordamerika unterwegs

shz.de von
erstellt am 14.Dez.2013 | 00:34 Uhr

Gabriele und Wolf Leichsenring aus Bad Oldesloe sind mit einem Wohnmobil monatelang in Nordamerika unterwegs und berichten aus der Ferne. Heute Folge 11.


Nach gut zwei Tagen Fahrt und 1000 Meilen quer durch Arkansas, Mississippi, Alabama und Georgia sind wir wieder an der Atlantikküste angekommen. Savannah, die historische Stadt mit Südstaatenausstrahlung in der nördlichen Atlantikecke hieß unser Ziel. Auf der vorgelagerten Tybee Island bewahrheitet sich der „Sonnige Süden“ mit milden Temperaturen um die 20 C. Ein Sonnenbad am fast menschenleeren Strand oder in den Dünen mit auf den Atlantik lässt die Jahreszeit vergessen. Realistischer hört sich die Wettermeldung aus New York City über den ersten Schneefall an. Es gibt stets Orte, zu denen man gern immer wieder zurückkehrt, wie von einem Magneten angezogen. Einer dieser Orte heißt Charleston, die Hauptstadt von South Carolina. Ein kurzes Bild dieser „Historical Town“ haben war 2011 in unserem Buch „Atlantik – Pazifik – Atlantik“ gezeichnet. Eine weitere auch auf dieser Reise in 2013 für uns unumgängliche Besichtigung führte u.a. in das „Old Slave Mart Museum“. Dabei steht der Besucher auf authentischem Grund und Boden des früheren Sklavenmarktes, wo man die Schicksalsberichte der Afro-Amerikaner lesen kann, die unter unmenschlichen Bedingungen auf den Baumwollfeldern arbeiteen mussten.


Die grüne Hölle
Jedenfalls bezeichnen die Bootsführer in den „Cypress Gardens“ so ihren Park im Sumpfgebiet South Carolinas nahe Moncks Corner. Hauptsächlich bevölkert von Alligatoren und Schildkröten bietet das weitläufige Gelände viele Wildlife-Beobachtungsmöglichkeiten. Lautlos und gemächlich gleiten Kanus (als geführte oder eigene Tour möglich) durch diese Wasserwelt der gigantischen Zypressen. Die Schildkröten sonnen sich gern in der warmen Herbstsonne. Alligatoren zeigen sich nur, wenn sie Hunger oder gute Laune haben. Außer der Bootsfahrt lohnen Wanderungen auf den zahlreichen Wanderwegen quer durch die Swamps.

Licht der Freiheit
Einen Hoffnungsgedanken auf ein besseres Leben hier im freien Amerika trugen die ersten Siedler in sich, als sie gegen Ende des 16. Jahrhunderts, also noch vor den Pilgrimfathers, an der Küste bei den Hatteras Inseln anlandeten. Doch die Geschichte entwickelte sich anders. Als ihr Organisator, Sir Walter Raleigh, der sich zwischenzeitlich in die Heimat nach England absetzt hatte, zwei Jahre später zurückkehrte, fand er seine Gründungskolonie nicht mehr wieder. Seither spricht man von „The Lost Colony“. Diese Episode ist so bedeutend, dass auch ein entsprechendes „Symphonic Outdoor Drama“ kreiert wurde, welches jeden Sommer Zuschauern in Massen anzieht. Natürlich spielt darin auch die Geburt des „ersten englischen Kindes auf amerikanischem Boden“ eine gewichtige Rolle.

Dem Forscher, Poeten und Soldaten Raleigh ist ein National Historic Site gewidmet. Gleich nebenan umschwirren die Düfte der „Elizabethan Gardens“ den Spaziergänger. Dieser Botanische Garten in strengen, formalen Stil der englischen Gärten soll der damaligen Königin Elizabeth I. als Ort der Erholung und Entspannung gedient haben.


Freedmen’s Colony
Rund 300 Jahre später, zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges, wurde diese Bezeichnung Symbol eines „von der Sklaverei befreiten Lebens“. Aus der Knechtschaft entlassene oder entflohene Sklaven versuchten sich in diesen Nordzipfel North Carolinas durchzuschlagen. Gefahr drohte ihnen dabei nicht nur von den Sklavenfängern der Südstaaten, sondern sie mussten auch den Alligator River lebend durchqueren.

Wo sich Land und Meer vermischen, wo man mit Schneeschiebern den Dünensand täglich von den Straßen räumen muss, um diese passierbar zu halten, wo Sturmfluten die Eilande einfach wegwischen und wo deshalb die Häuser auf Stelzen gebaut sind, da kann es sich nur um „Hatteras National Seashore“ handeln. 200 km lang sind diese „Outer Banks“, aber oftmals weniger als einen Kilometer breit. In einem Bogen die North Carolina Küste schützend treiben Wind und Wellen diese sandige Hügellandschaft immer weiter gen Küste, so dass die Lebensdauer der dortigen Binnengewässer und Sunde nicht mal 300 Jahre beträgt.

Der Küstenstreifen hat sich auch einen Namen erworben als „Friedhof des Atlantiks“ erworben. Rund 600 Schiffshavarien wurden in den letzten 400 Jahren gezählt, darunter auch die eines deutschen U-Bootes aus dem zweiten Weltkrieg, die U-85.


Strandleben
In Virginia tummeln sich die Temperaturen immer noch in sommerlichen 25 Grad, kein Wunder, dass noch recht reges Strandleben herrscht, obwohl die Saison längst vorüber ist, viele Geschäfte, Restaurants und Hotels geschlosse sind. Bei dem Strandleben mutet die weihnachtlichem Dekoration komisch an. Die gesamte drei Meilen lange Strandpromenade von Virginia Beach ist zugepflastert mit Leuchtfiguren, hier ein Reh, dort ein Tannenbaumwald, und Santa Claus auf dem Schlitten. Das späte Comeback des Sommers soll allerdings nicht der Normalfall sein, versicherte man uns. Eigentlich würde es Regen, Stürme und Temperaturen kurz über dem Gefrierpunkt geben. Wir genießen die Ausnahme.

Richmond
Unaufhörlich führt der Weg weiter gen Norden. Richmond, die State Capital haben wir nicht nur positiv erlebt. Die Verkehrsbedingungen sind oft eine Zumutung. Wo gebaut wird und gesperrt ist, bleibt der auswärtige Autofahrer suchend zurück. Die Umleitungen führen ins Leere oder buchstäblich in eine Sackgasse. Da kam sich auch das Navi recht hilflos vor.

Von den lohnenswerten Besuchs- und Besichtigungszielen waren mindestens zwei, das State Capitol und das „American Civil War Center“ so gut wie nicht erreichbar oder geschlossen. Das „Edgar Allen Poe Museum“ bietet aber viel Interessantes und Wissenswertes über das Leben und literarische Schaffen dieses Poeten.
„Tolerance Through Education“ lautet das Motto des „Virginia Holocaust Museum and Memorial“. Es hat sich zum Ziel gesetzt, Intoleranz, Antisemitismus, Rassismus, Vorurteile, Furcht und Hass durch Wissen, Verständnis, Leidenschaft, Mitgefühl und Akzeptanz zu bekämpfen. Ohne Effekthascherei wird die Verfolgung der europäischen Juden aufgezeigt. Von den Anfängen bis zur Gründung des Staates Israels kann der Besucher die Entwicklung mitverfolgen, auch in ihrer Bitternis und Grausamkeit. Dabei scheut man sich auch nicht, den Besucher durch eine „Gaskammer“ zu führen, vorher wird ganz „die Kleidung“ abgelegt.


Drei Mal Washington
Da ist zunächst der berühmteste, George Washington, erster Präsident des unabhängigen Amerikas. Unweit der Hauptstadt, nahe Fredericksburg, sollte man einen Besuch der Stätten seiner Kindheit sowie seines Geburtsortes nicht auslassen. Mary Ball Washington, seine Stiefmutter, machte sich einen Namen als Opponentin zur Politik ihres Sohnes George. Nichtsdestotrotz wird ihr Name hoch in Ehren gehalten, durch ein eigenes Museum, Straßenname und Erinnerungsstele.

Washington Nr. 3 ist eng verknüpft mit dem Thema Sklaverei. Booker T. Washington, als Sklave auf einer Plantage geboren, schaffte es bis zum Prasidentenberater unter Theodore Roosevelt. Berühmt ist eine seiner Reden unter der „Emancipation Oak“ in Hampton, jener Eiche, unter der Abraham Lincoln 1863 seine „Emancipation Proclamation“ veröffentlichte. Heute „National Historic Landmark“ symbolisierte sie im amerikanischen Bürgerkrieg einen Zufluchtsort für geflohene Sklaven.


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