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Hamberge : Sturm Sebastian verhindert Glocken-Lifting

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Wegen des heftigen Winds musste die Instandsetzung verschoben werden. Elektriker konnten lediglich neue Kabel verlegen. Die jetzige Sanierung sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt Pastor Graf.

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2017 | 06:00 Uhr

Der Weg hoch oben auf den Turm der Hamberger Kirche ist beschwerlich, steil und auch nicht ganz ungefährlich. Von der Empore gelangt man über eine Stahltreppe auf den Zwischenboden, dann gibt es nur eine sehr steile, sehr wackelige Leiter bis zu den beiden Glocken. Für die Handwerker ist dies jedoch kein Hindernis, denn sie kennen historische Gebäude und ihre Tücken. An diesem Tag jedoch muss auch der Monteur, der die Glocke instandsetzen soll, passen. Denn es bläst ein kalter, böiger Wind, der Regen peitscht durch die offenen Schallluken. Ein Orkan ist angekündigt. Da muss er das Vorhaben auf den nächsten Tag verschieben. Nur die beiden Elektriker bleiben vor Ort, sie verlegen neue Kabel.

Pastor Erhard Graf bespricht das weitere Vorgehen mit ihnen. Binnen weniger Tage wollen die Handwerker bereits fertig sein. Graf: „Wir können froh sein, wenn die Sanierungssumme nicht 5000 Euro übersteigt.“


Glocke mit Tradition
Der Kirchengemeinderat hat nach den umfangreichen Sanierungsarbeiten im Inneren der im 14. Jahrhundert erbauten Backsteinkirche beschlossen, die Stundenglocke zu sanieren. Denn seit vielen Jahren schlägt diese aufgrund eines defekten Motors nicht mehr. Installiert wurde sie mit einer weiteren Glocke nach dem Brand im Jahre 1957. Ein Feuer zerstörte den gesamten Kirchturm, bereits 1959 konnte ein neuer, moderner Turm eingeweiht werden – und mit ihm die Glocken. Seitdem wurde nichts mehr am Turm gemacht. „Nach 60 Jahren ist es ganz klar, dass wir hier sanieren müssen“, sagt der Pastor. Aber alles in kleinen Schritten, denn die Kirchengemeinde hat wenig Geld.

Erst durch einen Grundstücksverkauf in Klein Wesenberg war wieder etwas Geld vorhanden, um die idyllisch auf einer Anhöhe gelegenen Kirche weiter auf Vordermann zu bringen. „Die Stundenglocke hat Tradition in den Dörfern“, erzählt Graf. Sie schlug um 7 Uhr, mittags und um 18 Uhr. Die Bauern auf den umliegenden Feldern orientierten sich an ihr. Das soll nach der Reparatur auch wieder so werden. Ein neuer Motor und eine neue elektronische Steuerung werden eingebaut. „Das Läuten um 12 Uhr wird in der evangelischen Kirche traditionell als Geläut für den Frieden bezeichnet“, so Graf.

Doch die Sanierung der Glocken – die zweite soll eventuell im nächsten Jahr saniert werden – ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. So sieht es Pastor Graf, denn es gibt vor allem im Außenbereich noch dringenden Sanierungsbedarf. Nach dem Turmbrand habe man eine Mauer zwischen Friedhof und Kircheneingang gesetzt und so einen kleinen, geschützten Vorplatz geschaffen. Gut gedacht, aber leider schlecht ausgeführt, meint der Pastor und zeigt auf den mindestens zwei Mal nachgepflasterten und reparierten Vorplatz sowie auf die sich langsam auflösende Mauer. Bei starkem Regen rutscht das Erdreich vom am Abhang liegenden Friedhof auf die Mauer und den Kirchturm zu, verursacht dort starke Wasserschäden, die im Turminneren bereits deutlich zu sehen sind. Sogar ein Fenster in einem Zwischenraum zerbarst und musste aufgrund des immerwährenden Drucks erneuert werden.

„60 Jahre Erosion und Wasser haben ihre Schäden hinterlassen, der Vorplatz ist dermaßen abgesackt, dass er eigentlich sofort erneuert werden müsste“, so Graf. Das bedeute aber auch ein neues Entwässerungssystem. Das wiederum habe zur Folge, dass auch das Entrée der Kirche komplett saniert werden müsse. Auch der Gehweg zur schmucken Kirche hinauf ist krumm und schief – wahrscheinlich durch die Spuren von Traktoren, mit denen die Menschen ihre alten Grabsteine vom Friedhof holten.


Obolus der Dörfer
Früher, erklärt Graf, habe es keine gepflasterten Wege und Mauern gegeben, so dass das Wasser ungehindert habe abfließen können. Alle Dörfer des Kirchspiels Klein Wesenberg hätten ihren Obolus zur Kirchensanierung vor Ort beigesteuert, in Hamberge sei dies bisher nicht der Fall gewesen. Der Friedhof sei Gemeindesache. Wenn man 2018 mit den Außenarbeiten am Friedhof beginne, werde man dies Hamberge in Rechnung stellen müssen.



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