Hammoor : Stunde der Wahrheit naht

Zwei nördliche und zwei südliche Ortsumfahrungen wurden genauer untersucht. Es dürfte auf die Varianten 2.2 hinauslaufen.
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Zwei nördliche und zwei südliche Ortsumfahrungen wurden genauer untersucht. Es dürfte auf die Varianten 2.2 hinauslaufen.

Landesamt für Straßenbau stellt am Mittwoch die Vorzugsvariante für die jahrzehntelang diskutierte Ortsumgehung vor.

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26. Mai 2018, 06:00 Uhr

Die Weichen für den Bau der Ortsumgehung sind gestellt, Ob es rechts oder links herum geht, erfahren die Hammoorer am Mittwoch, 30. Mai. Für 19 Uhr lädt der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr ins Mehrzweckhaus ein, um die Variante vorzustellen, die tatsächlich umgesetzt werden soll. Das Heft des Handelns hatte die Gemeinde bereits aus der Hand gegeben: Die jahrzehntelange Diskussion und Odyssee um die Umgehungsstraße hat den Ort entzweit: Gegner und Befürworter von nördlicher oder südlicher Umfahrung stehen sich unversöhnlich gegenüber.

Vor mehr als zehn Jahren war die Südtrasse eigentlich in trockenen Tüchern. Allerdings wurden die Planunterlagen nicht rechtzeitig fertig, so dass eine erneute Umweltverträglichkeitsprüfung fällig wurde. Bevor die fertig war, strich das Land erstmal alle Straßenneubauten. Zwar kam die Ortsumgehung Hammoor als einziges Projekt wieder hinein, aber auch das nutzte nichts. Vor drei Jahren wurde die Südumgehung vom Ministerium abgesagt, weil man mit der Trasse aus Umweltgründen keine Chance vor Gericht hätte.

Nun wurde der Weg über eine Planfeststellung beschritten, bei der keine Beschlüsse der Vertretung mehr notwendig sind, sondern die Gemeinde nur noch als Träger öffentlicher Belange an dem Verfahren beteiligt ist. Da die Nordtrasse 2.2 laut Gutachtern nicht nur die kürzeste und kostengünstige Ortsumgehung sowie auch artenschutzfachlich beste Lösung ist, dürfte sie am Mittwoch mit hoher Wahrscheinlichkeit als Vorzugsvariante präsentiert werden. Britta Lüth vom Straßenbauamt wird vortragen, für Fragen stehen sie, ihre Kollegin Silke Stender sowie die Gutachter für Umwelt und Agrar zur Verfügung. Die Moderation übernimmt erneut Thomas Waldner.

Dass es auf die Nordtrasse hinausläuft überrascht den stellvertretenden Bürgermeister Horst Lassen (CDU) nicht. „Das nutzt vor allem Bargteheide“ kritisiert Lassen. Nicht nur weil der Wind vor allem aus Nordosten weht, sondern auch, weil er zunehmenden Verkehr von und nach Ahrensburg befürchtet. Lassen bezweifelt auch die Kostenberechnungen, nach denen die Nordstrecke mit 6,8, Millionen Euro eine Millionen billiger als die Südtrasse und auch in der Unterhaltung deutlich günstiger sein soll. Eine nördliche Verbindung werde aufgrund der Höhenunterschiede teurer werden, so Lassen. Zudem würde im Süden die K 106 mitgerechnet, die sei aber schon vorhanden.

Laut Unterlagen ist die Südtrasse 3,34 Kilometer, die Nordtrasse nur 2,1 Kilometer lang. Allerdings widerspricht Britta Lüth Lassens Sichtweise: „Wir rechnen die Kreisstraße nicht mit, aber selbst bei der Variante mit der kürzesten Neubaustrecke sind das noch 1,9 Kilometer“, also kaum weniger als die komplette Nordvariante 2.2.

Die in Hammoor gelaufene Bürgerbeteiligung nennt Wolfgang Krecker von der „Initiative „Sichere Straßen Hammoor“ eine „komplette Augenwischerei“. Vorschläge und Anregungen seien nicht berücksichtigt worden, der Moderator habe bei den runden Tischen lediglich Aussagen protokolliert, aber nicht darauf gedrängt, dass die auch bearbeitet werden. Im Gegensatz zu einer Südumfahrung würde eine nördliche Umgehung die Entwicklungsmöglichkeiten Hammoors stark einschränken.

„Die Ortsumgehung ist seit Jahrzehnten das Topthema in Hammoor und hat den Ort gespalten. Wir brauchen eine Lösung, die gerichtsfest ist, und die werden wir am Mittwoch hoffentlich präsentiert bekommen“, sagt Andreas Jendrejewski. Der Vorsitzende der Wählergemeinschaft AWH, der am 14. Juni zum Bürgermeister gewählt werden dürfte, hofft, dass eine Variante vorgestellt wird, auf die alle warten: „Vermutlich wird sich aber die eine Hälfte des Dorfes freuen.“

Zu der anderen gehören nicht nur die Landwirte, von denen bei einer Nordtrasse mindestens drei Betriebe in ihrer Existenz gefährdet wären. Sie haben bereits deutlich gemacht, ihre Land nicht verkaufen zu wollen, und seien bereit, vor Gericht zu gehen, so Lassen: „Das wird Klage ohne Ende geben.“

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