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Stormarner Tageblatt

17. Oktober 2017 | 03:11 Uhr

Wasserkraft : Strom aus Trave elektrisiert

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

An der Sühlener Mühle soll ein Energierotor in der Trave Strom erzeugen. Das bereitet Anglern, Kanuten und Politikern Probleme.

von
erstellt am 18.Feb.2016 | 06:00 Uhr

Das Verfahren zieht sich seit Anfang 2014 hin, in der Politik ist es erst jetzt angekommen. Die ehemalige Zettlersche Mühle, in der heute zwölf Menschen leben, soll mit Strom aus Wasserkraft versorgt werden. In der dort schnell fließenden Trave soll ein langsam drehender Generator auf einer neun mal 3,80 großen, schwimmenden Ponton-Konstruktion 165  000 Kilowattstunden im Jahr erzeugen.

Der Öko-Strom erregt allerdings die Gemüter nicht nur der Naturschützer. „Ich begreife nicht, wie das genehmigt werden konnte“, sagte Volker Hahn, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Trave im Kreisumweltausschuss. Die Trave dort sei ein Hauptlaichgebiet auch für Lachse. Die würden dann nicht mehr durchkommen: „Die Anlage ist ja so breit wie der Fluss“, so Hahn.

Dass kein Durchkommen mehr ist, befürchtet auch Lothar Krebs, Kanu-Verleiher in der Region: „Es geht dort nach einer Kurve ziemlich flott auf diese Anlage zu. Wie wird sichergestellt, dass die Kanuten dort gefahrlos passieren können?“

„Es ist eine Mindestdurchfahrtbreite von 1,10 Metern vorgesehen“, erläuterte Dr. Thomas Haarhoff, Leiter der Wasserbehörde. Eine Antwort, die weder Lothar Krebs noch die Politiker beruhigte. „Wir nehmen richtig Geld in die Hand, um Stormarn touristisch attraktiver zu machen, und dann erfahren wir erst im Nachhinein von solchen Projekten“, ärgerte sich Wolfgang Gerstand: „Und zu dem Tagesordnungspunkt gibt es weder Unterlagen noch Zeichnungen. Wir wissen nichts. Das ist nicht in Ordnung.“

„Das ist richtig in die Hose gegangen“, vermutete auch Friedrich-Eugen Bukow (SPD), und sein Fraktionskollege Frank Schmalowsky hegte Zweifel an der Sinnhaftigkeit. „Ich bin entsetzt, dass ausgerechnet dort so eine Anlage gebaut werden muss“, sagt Manuela Dämmrich von den Grünen.

Eigentlich hatte Sven Bolt aus der Zettlerschen Mühle den Energierotor auch an die Stelle des einstigen Mühlrads direkt am Haus setzen wollen. Dort floss früher die Trave lang, der heutige Verlauf ist die damalige Umleitung. Dafür gab es aber keine Genehmigung. Also musste es in die Trave, und zwar auf die östliche Seite, weil die zum Grundstück gehört und der Erlenbruchwald auf der Segeberger Seite ebenfalls geschützt ist.

Das meiste hätten die Kreispolitiker bereits im Sommer 2014 erfahren können. Da hatte Sven Bolt zu einem Ortstermin eingeladen, bei dem zur Demonstration ein Prototyp des Energierotors in die Trave gelassen wurde. „Wir hatten über die Kreisverwaltung eingeladen, aber leider ist niemand gekommen“, sagt der 39-Jährige. Politiker aus Travenbrück sowie Vertreter des Amts Oldesloe-Land waren vor Ort.

Die Sache der Politik ist das Wasserkraftwerk ohnehin nicht. „Das ist keine Selbstverwaltungsangelegenheit“, stellte Dr. Haarhoff klar. Man habe geprüft, ob die Anlage einen erheblichen Eingriff darstelle und eine Verschlechterung zur Folge habe. Das sei nicht der Fall, und deshalb sei sie zu genehmigen, so Haarhoff. Dafür waren nicht nur Pläne, sondern auch ein Gutachten notwendig. „Uns wurde bestätigt, dass es sich um eine fischfreundliche Anlage handelt“, sagt Sven Bolt. So martialisch die Stahlträger auch wirken, die Stahlrohre sind nicht im Flussbett eingelassen, sondern stehen auf Sockeln. Halt bekommen sie über die an Land verankerten Träger. An den Rohren fährt der Ponton rauf und runter. Bei extremen Niedrig- oder Hochwasser wird die Konstruktion aus der Trave gehoben.

Der Energierotor funktioniert anders als eine konventionelle Turbine. Es handelt sich um einen Langsamläufer, durch den das Wasser hindurchfließt. Die Rotorblätter klappen auf dem Rückweg hoch, um dem Wasser keinen Widerstand entgegen zu setzen. Der Raum zwischen den Rotorblättern ist groß genug für einen ausgewachsenen Lachs. Der würde aufgrund des Rechens aber gar nicht erst in die Anlage hineinschwimmen. Die Hauptströmung geht westlich vorbei, und Füße an der Konstruktion sorgen dafür, dass auch unterhalb genug Platz bleibt.

Bleiben die Sorgen der Wassersportler. Mit dem Deutschen Kanuverband wurden die Pläne für den Energierotor besprochen. An der Anlage wird es ein dickes Hanfseil geben, von dem man sich führen lassen kann. Lothar Krebs spricht für den Bundesverband Kanu, der die Interessen der Vermieter und Hersteller vertritt. „Wir würden auch einen Ein- und Ausstieg für ungeübte Kanuten zur Verfügung stellen“, sagt Bolt. Genehmigt ist der allerdings noch nicht.

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