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Stormarner Tageblatt

20. August 2017 | 15:53 Uhr

Stricken – damals und heute

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

„Bestrickend“ ist die neue Sonderausstellung im Bargteheider Museum. Denn hier dreht sich jetzt alles ums Thema Stricken. Schneiderin Marianne Zerbst hat dazu eine fundierte Schau zusammengetragen, die bereits im Dorfmuseum Hoisdorf zu sehen war. Gezeigt werden historische Stücke und aktuelle Strickmode, aber auch Geschichte und frühe Techniken dieser Handwerkskunst werden dokumentiert. Zwei Strickmaschinen wurden für die Ausstellung aus dem Hoisdorfer Museum ausgeliehen. Hier hat die Mechanisierung schon früh eingesetzt.

„Der englische Pfarrer William Lee hat schon zu Zeiten der Königin Elizabeth I. im 16. Jahrhundert eine Strickmaschine entwickelt“, sagt Marianne Zerbst. Sie arbeitete schon drei Mal schneller als geübte menschliche Hände und wurde später noch verbessert. Doch die Monarchin verweigerte ein Patent darauf, sie befürchtete als Folge wachsende Arbeitslosigkeit unter den Strickern. Sie verfügte auch, dass alle Bürger an Feiertagen eine handgestrickte Mütze tragen sollte.

Lee wanderte nach Frankreich aus, wo die ersten Strick-Manufakturen entstanden. Mit der Emigration vieler Hugenotten kam diese Kunst auch nach Preußen. „Dass nur die Frauen strickten, ist ein Klischee“, sagt Marianne Zerbst. In der Lüneburger Heide haben viele landlose „Häuslinge“ den Winter über gestrickt. „Vor allem Strümpfe fürs Militär.“ Generationen habe das Handwerk Arbeit und Brot verschafft, so Zerbst. Strickwaren wurden schon in ägyptischen Gräbern gefunden. „Wie alle Textiltechniken ist das Stricken aus dem Mittelmeerraum zu uns gekommen.“ Allmählich hätten sich regionale und persönliche Ausprägungen entwickelt. „Jede Familie hatte schließlich ihr eigenes Muster.“ So konnten auch Schiffbrüchige oft nach längerer Zeit noch identifiziert werden.

„Selbst stricke ich nicht“, sagt Marianne Zerbst. Aber als Zuständige für die Textilausstellung in Hoisdorf und als Schneiderin kennt sie sich bestens mit der Materie aus. Nach ihrer Erfahrung ist stricken heute populärer denn je. Allerdings wird die Technik in Familien nicht mehr weitergegeben, sie werden heute in Volkshochschulen vermittelt. „Die alten Handwerkstraditionen wie Schmied, Möbeltischler oder Schneider sind abgebrochen und gehen verloren.“

 


In der Ausstellung sind auch Wollkreationen von Jutta Bücker zu sehen, die ihre Entwürfe bereits in zwei Strickbüchern präsentiert hat. Eröffnung ist diesen Sonntag ab 15 Uhr. Danach kann die Ausstellung im Bargteheider Museum an der Hamburger Straße sonntags in der Zeit von 16 bis 18 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.






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