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Großensee : Streit um Kassenöffnung am Freibad Südstrand

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Es geht ums Geld: Gemeinde Großensee liegt im Streit mit dem Pächter am Freibad Südstrand.

Schon längst war es ein Geheimtipp, dass ab etwa 18.30 Uhr die Kasse am Naturfreibad Südstrand geschlossen hatte. Doch damit ist seit dem 29. Juli Schluss. Wie zu erfahren war, soll der Pächter Felix Schickler die vereinbarten Kassenöffnungszeiten nicht eingehalten haben. So wurde der Sprung ins kühle Wasser bei bisher freiem Eintritt besonders gerne auch in den noch sehr warmen Abendstunden genutzt.

Erfolglos sei der Pächter auf die Vertragbedingungen hingewiesen worden, wie von der Gemeinde zu erfahren war. Der Gemeindebeschluss vom März 2014 sieht folgende Kassenöffnungszeiten vor: 1. Mai bis 10. Juli und 25. August bis 14. September montags bis donnerstags von 10 Uhr bis 18.30 Uhr, freitags von 10 Uhr bis 21 Uhr, sonnabends von 9 Uhr bis 21 Uhr, sonntags von 9 Uhr bis 18.30 Uhr. Vom 11. Juli bis 24. August ist die Kasse täglich von 9 Uhr bis 21 Uhr zu öffnen.

Felix Schickler – er ist auch Pächter der benachbarten Gaststätte „Strandtheke“ – sieht seine Vertragsbedingungen jedoch anders. „Statt von 10 Uhr bis 18.30 Uhr, so wurde es in den letzten Jahren einvernehmlich gehandhabt, soll nun von 9 Uhr bis 21 Uhr Eintrittsgeld genommen werden – also 12 Stunden lang. In der Tat steht im Vertrag, dass die Gemeinde jährlich die Öffnungszeiten dem Betreiber mitteilt. Das betraf in der Vergangenheit aber die wetterabhängige Saisoneröffnung. Von unerwartet neuen Betriebszeiten innerhalb der Saison war nie die Rede“, erklärt Schickler in einer umfassenden Darstellung, in der er erhebliche Differenzen bei der Bewirtschaftung zwischen ihm und der Gemeinde deutlich macht. „Dieser 'Trick' scheint beabsichtigt, um die Südstrand GmbH vor wirtschaftliche Probleme zu stellen“, sagt er. Inzwischen beschäftigen sich Anwälte mit dem Fall.

Diese Sachlage sieht die Gemeinde Großensee anders und handelt konkret. Damit ihr keine finanziellen Nachteile entstehen, sieht sie sich gezwungen, die fehlenden Kassenöffnungszeiten mit ehrenamtlichen Helfern und geringfügig Beschäftigten auszugleichen. Etwa 150 Gäste kommen bei gutem Wetter noch nach 19 Uhr sogar ziemlich zielstrebig im Glauben, keinen Eintritt zahlen zu müssen. Ein Zustrom, den auch der Bürgermeister bestätigte, als er sich vor Ort ein Bild machen wollte.

Wie stark dieser kostenlose Vorteil des Freibads scheinbar schon über einen langen Zeitraum genutzt wurde, zeigte sich an den überraschten Badegästen, die plötzlich vor der mobilen Kasse standen. Einige hatten gar kein Geld dabei, andere empörten sich und machten deutlich, dass sie abends nie bezahlen mussten.

„Wer sind Sie überhaupt“, fragte ein Gast ausgerechnet Bürgermeister Karsten Lindemann-Eggers, der eines Abends mit einem Mitglied aus der Gemeindevertretung an einem provisorisch eingerichteten Kassentisch Eintritt kassierte. Es ging sogar so weit, dass ein Badegast anfragte, „ob die Gemeinde so pleite sei, dass sie ihren Bürgern den letzten Cent abnehmen müsste“.

Dass die Gemeinde durch das Freibad erhebliche Kosten hat, wird schnell vergessen. Dabei verfolgt sie doch nur ihren Beschluss, der noch bei der Vorpächterin Brigitte Thumann von 1995 bis 2010 eingehalten wurde. „Das kann ich nur bestätigen. Es wurde bei ihr immer bis 21 Uhr kassiert“, sagte Burghard Brümmer aus Brunsbek, der mit seiner Frau seit 30 Jahren zu den Dauergästen gehört und ebenso überrascht war, dass an diesem Abend außerhalb des Kassenhäuschens (dieses war vom Pächter verschlossen) an einem Provisorium mit Tisch, Kasse und Stuhl sogar der Bürgermeister mit dem Gemeindevertreter Uwe Espersen anzutreffen war. Diese mussten sich bei nahezu jedem Gast rechtfertigen, dass schon lange vor der Badesaison diese Kassenöffnungszeiten festgelegt wurden.



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