Streit um Holzbau auf dem Friedhof

Welchen Beitrag müssen die Gemeinden Lütjensee, Großensee, Grönwohld für den Friedhofs Lütjensee leisten?
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Welchen Beitrag müssen die Gemeinden Lütjensee, Großensee, Grönwohld für den Friedhofs Lütjensee leisten?

Seit drei Jahren liegen Lütjensee, Großensee, Grönwohld bei den Kosten mit der Kirchengemeinde über Kreuz

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05. Januar 2018, 12:33 Uhr

Im neuen Jahr wird der Friedhof in Lütjensee ein halbes Jahrhundert alt. Zum Feiern ist der Kirche und den Gemeinden aber gerade nicht zumute. Das Betriebsgebäude für die Friedhofsgärtner – ein ebenfalls 50 Jahre alter Holzbau – entspricht nicht mehr den Vorschriften der Berufsgenossenschaft. Seit drei Jahren liegen Lütjensee, Großensee, Grönwohld bei den Kosten mit der Kirchengemeinde über Kreuz.

Auf 85 0000 Euro belief sich das Angebot einer Lütjenseer Firma für einen größeren Holz-Neubau mit Duschen, das die Kirche eingeholt hatte. Weil das vor drei Jahren war, geht Pastor Jörg S. Denecke mittlerweile von über 90 000 Euro aus. Der 2,5 Hektar große, parkähnliche Friedhof arbeitet zwar kostendeckend, Rücklagen für einen Ersatzbau waren in der Vergangenheit aber nie gebildet worden. Was noch auf der hohen Kante war, wurde für die Beschaffung eines Treckers und die Neuanlage des Kompostplatzes benötigt.

„Wir würden uns ja an einem Neubau beteiligen, wenn wir noch Geld in der eine Rücklage hätten“, sagt der Pastor und verweist auf Paragraph 22 des Landesgesetzes über das Friedhofswesen. Eine Gemeinde muss, auch Konfessionslosen oder Andersgläubigen die Bestattung ermöglichen. „In diesen Fällen hat sich die Gemeinde an den Kosten des Friedhofs zu beteiligen, die nicht durch Gebühren oder Benutzungsentgelte gedeckt werden können“, heißt es in Absatz 2.

Nicht nur der Pastor und die Kirchenkreisverwaltung lesen daraus ab, dass die politischen Gemeinden damit verpflichtet seien, 100 Prozent der Kosten zu tragen. Auch die Lütjenseer SPD sieht das so und hatte beantragt, 50 000 Euro mit Sperrvermerk bereitzustellen. Lütjensee hat mit 3400 Einwohnern so viele wie Großensee und Grönwohld steht damit für die Hälfte der Kosten.

Mehrheitlich beschlossen wurde allerdings der Haushaltsansatz von Bürgermeisterin Stenzler (CDU), die eine 75-prozentige Beteiligung – 37 000 Euro mit Sperrvermerk– vorgeschlagen hatte. „Wir wollen die kommunalen Aufgaben übernehmen, wenn es solche sind, aber wir haben auch die Pflicht zur Prüfung“, sagt Bürgermeisterin Ulrike Stentzler auf Nachfrage.

„Es grenzt schon an Ironie, wenn das christliche im Parteinamen bemüht wird und anschließend ein viel zu niedriger Betrag zur wohlwollenden Unterstützung bereitgestellt wird“, kommentiert das der SPD-Fraktionsvorsitzende und Kreistagskandidat Durmis Özen. Ebenso wie die Feuerwehr bei der Brandbekämpfung übernehme die Kirchengemeinde die kommunale Verpflichtung, für eine würdige Begräbnisstätte für alle Bürger zu sorgen, führt Özen aus. Zudem weist die SPD auf das Kirchenrecht hin, nachdem Friedhofs-Defizite nicht aus Kirchensteuermittel ausgeglichen werden dürfen.

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