zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

17. Dezember 2017 | 13:43 Uhr

Bargteheide : Streit um die Fahrrad-Stellplätze

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Bahnhofs-Käufer Stephan Gloge und die Stadt liegen im Clinch: Was sind die 160 qm wert und wer bezahlt dafür?

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2014 | 00:15 Uhr

Es gibt Streit um den Bargteheider Bahnhof. Es geht um die Nutzung des Fahrradstellplatzes auf der Südseite. „Ich sehe nicht ein, dass ich für diese nur öffentlich genutzte Fläche Grundsteuer und Straßenreinigungsgebühr bezahlen soll“, sagt Stephan Gloge, der den Bahnhof vor zwei Jahren erworben hat. Allerdings nicht die 160 Quadratmeter mit den Fahrradstellplätzen. Die sind noch im Besitz der DB, und die Stadt ein Vorkaufsrecht gegenüber der Bahn geltend gemacht.

„Wir wollen lediglich sicherstellen, dass die Fläche für Fahrradständer genutzt werden kann“, sagt Bürgermeister Dr. Henning Görtz. Sie sei im B-Plan seit Jahrzehnten als öffentliche Verkehrsfläche festgesetzt und kein Bauland. Entsprechend gering sei der Preis bewertet.

Die Stadt habe ihm einen Euro je 160 Quadratmeter angeboten, empört sich Gloge und spricht des-halb von Enteignung. Er beruft sich auf den Gutachterausschuss des Kreises, der für Innenstadtlage in Bargteheide 250 bis 300 Euro pro Quadratmeter angebe.

„Wir haben uns exakt an die Bewertung des Gutachterausschusses gehalten“, sagt allerdings auch Görtz. Die Stadt habe Gloge ein Angebot gemacht, das erheblich über dem Grundstückswert liege. Wenn man den Fahrradständer so sichern könne, „müssen wir das Vorkaufsrecht nicht ausüben“, so Görtz.

Gloge hat das Verwaltungs- und das Landgericht angerufen, weil er bezweifelt, dass ein „ein zwingendes öffentliches Interesse“ vorliegt, um das Vorkaufsrecht auszuüben. Zweiter gerichtlicher Streitpunkt ist die Grundsteuer. Die Zahlung für 2013 hat Gloge verweigert, weil der Kauf Ende März formell besiegelt wurde und„im Gesetz steht, dass das Eigentum bereits seit dem 1. Januar eines Jahres bestehen muss.“ Die Stadt ließ die Forderung vollstrecken. „Der Beamte ist auf ein von mir vermietetes Grundstück eingedrungen“, kritisiert Gloge, der sich unter Druck gesetzt fühlt: „Die Stadt will den Ausgang des Rechtsstreits nicht abwarten, ich soll einknicken.“

Die Bahnkunden mit Rad nutzen die Ständer gratis. Gloge ist darauf angewiesen, dass seine Investition sich rentiert, zumal der Denkmalschutz ihm enge Grenzen setzt. Sieben Wohnungen gibt es im Bahnhof, eine mit 110 Quadratmetern ist noch frei. Zu den Gleisen hin wurden jetzt Schallschutzfenster verbaut. „Als nächstes muss das Dach saniert werden. Das kostet so viel wie ein Einfamilienhaus.“

Als Bahnhof hat das denkmalgeschützten bald ausgedient. „Mit dem Bau der S 4 wird ein neuer Bahnhof weiter südlich entstehen“, sagt Gloge. Bis dahin beherbergt der Altbau einen Raum für den Fahrdienstleiter, der auch die Schranke zum Mittel-Bahnsteig bedient. „Die Technik wird beim Bau der S 4 digitalisiert“, sagt Gloge, „dann wird der Bahnhof nicht mehr von der Bahn genutzt.“ Deshalb habe die DB ihm das Gebäude überhaupt verkauft. Er wolle das Gebäude erhalten, man dürfe ihn aber nicht wirtschaftlich lahmlegen. Gloge: „Denkmalschutz ist auch ein öffentliches Interesse.“ Direkt unter dem Fahrradstellplatz befindet sich noch eine Skurrilität: Ein Atomschutzbunker aus den 80er Jahren. Vier Eisenbahner sollten dort unten einen Atomschlag überstehen und den Verkehr aufrecht erhalten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen