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Stormarner Tageblatt

21. Oktober 2017 | 15:03 Uhr

Stormarner Tafeln sind am Limit

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Jubiläumsjahr: „Laden ohne Kasse“ in Ahrensburg am 21. November 1995 gegründet / Heute gibt es fünf Ausgabestellen

Vor 20 Jahren, genau am 21. November 1995, wurde im Ahrensburger Awo-Haus in der Manhagener Allee der erste „Laden ohne Kasse“ der Ahrensburger Tafel e.V. / Essen für Bedürftige eröffnet, den Heike Astemer 15 Jahre lang leitete. Sieben Wochen zuvor, am 4. Oktober 1995, war der gemeinnützige Verein unter dem ursprünglichen Namen „Stormarner Tafel e.V.“, gegründet worden. Im Mai 2001 erfolgte dessen Umbenennung. Das „20-Jährige“ wurde bereits im Oktober im Rahmen eines Jubiläumsempfangs mit 120 geladenen Gästen gefeiert.

Die Ahrensburger Tafel hat inzwischen fünf Ausgabestellen: Nach Ahrensburg folgten Bargteheide (März 1996), Bad Oldesloe (Dezember 1996), Trittau (November 1997) – diese beiden Letztgenannten sind seit 18 bzw. 15 Jahren eigenständige Tafel-Vereine –, Hamburg-Rahlstedt/Großlohe (März 1998) sowie zuletzt Ammersbek-Hoisbüttel (Oktober 2014) und Großhansdorf (Dezember 2014). Sie ist eine der ältesten deutschen Tafeln und zudem eine der großen unter den inzwischen 923 Tafel-Vereinen – unter ihnen 56 in Schleswig-Holstein und von diesen sechs im Kreis Stormarn.

Der anhaltende Flüchtlingsansturm verlangt auch den Tafeln einiges ab. Frank Hildebrandt (Flintbek), Vorsitzender des Landesverbandes der Tafeln in Schleswig-Holstein/Hamburg, brachte es auf den Punkt: „Da rollt etwas auch auf unsere Tafeln zu, und wir wissen noch nicht, wie und ob man alles bewältigen kann. Die Kapazitäten sind langsam erschöpft. Es kommen immer mehr Menschen, aber die Spendenmenge bleibt bestenfalls gleich. Sehr viele unserer ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, durchweg älteren Jahrgangs, sind überlastet und arbeiten längst am Limit.“ Erste Tafeln, auch in Schleswig-Holstein, hätten bereits einen Aufnahmestopp ausgesprochen, der nicht nur für Flüchtlinge gelte. Im Kreis Stormarn brauchte man bisher noch nicht zu dieser Notmaßnahme zu greifen.

Der Bundesvorsitzende des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V., Jochen Brühl (Essen), bemerkte, dass der Anteil an Kriegsflüchtlingen und Asylsuchenden unter den mehr als 1,5 Millionen Tafelkunden inzwischen bereits auf rund 200  000 Personen angewachsen sei. Vor einem Jahr habe dieser Anteil noch bei knapp der Hälfte gelegen. „Es ist eine große Herausforderung für unsere an der Belastungsgrenze tätigen rund 60  000 Tafel-Mitarbeiter, als Ehrenamtliche mit traumatisierten Flüchtlingen in Kontakt zu kommen, die Geschichten zu hören, oftmals auch nicht die Kultur oder Sprache zu kennen.“

Bei einzelnen Tafeln, so in Nordrhein-Westfalen, sei es bereits zu Verteilungskämpfen unter Kriegsflüchtlingen wegen nicht ausreichender Ware gekommen. Mit Blick auf vereinzelt bereits registrierte Konflikte mit den Stammkunden sagte der Bundesvorsitzende: „Es gibt keinen Anspruch auf Leistung bei der Tafel, weil es eine Freiwilligenhilfe ist. Deshalb sagen wir: Wir stehen grundsätzlich allen Menschen offen, die bedürftig sind.“ Bühl fordert die Bundesregierung auf, den Tafeln zur Entlastung der ehrenamtlichen Mitarbeiter, „die mittlerweile am Rande ihrer Kräfte sind“, projektbezogen Finanzierungshilfen zu gewährlisten, um Dolmetscher, Flüchtlingsbetreuer oder Integrationshelfer beschäftigen zu können. Gleichermaßen fordert er Schulungen für Ehrenamtliche, um auf die Herausforderungen besser vorbereitet zu sein.

Der 1. Vorsitzende der Ahrensburger Tafel, Johannes Kelp, stellt zur Lage in den Stormarner Tafeln fest: „Der starke Zustrom der Kriegsflüchtlinge bringt auch die Ahrensburger Tafel in allen ihren Ausgabestellen mehr und mehr an die Grenzen der Kapazität und der Belastung der Mitarbeiter.

Die Ahrensburger Tafel mit ihren 102 Ehrenamtlichen versorgt jede Woche gut 2500 bedürftige Personen in fast 800 Haushalten. Zusätzlich werden 11 soziale Einrichtungen in Ahrensburg, Bargteheide, Hamburg-Rahlstedt, HH-Meiendorf und HH-Volksdorf beliefert, etwa: Frauenhaus Ahrensburg, Jugendtreff Am Hagen und Rogate-Kirche in HH-Meiendorf. Insgesamt gibt es pro Woche in Stormarn 5300 Kunden.











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