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Stormarner Tageblatt

19. August 2017 | 22:44 Uhr

Bad Oldesloe : Stormarner nicht so oft krank

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Kreis erreichte in einer Umfrage der DAK den niedrigsten Wert bei Krankheitstagen. Berufstätige Eltern haben nicht mehr Stress, wünschen sich aber mehr Unterstützung.

Bundes- und landesweit ist die Zahl der Krankentage im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Das gilt auch für den Kreis. Stormarn erreicht mit 3,6 Prozent jedoch den niedrigsten Wert in Schleswig-Holstein. Dabei steht das nördlichste Bundesland selbst mit 3,9 Prozent auch etwas besser da als der Bundesdurchschnitt von 4,0 Prozent.

Hauptursache für Arbeitsunfähigkeit waren wiederum Erkrankungen im Muskel-Skelett-System (22,3 Prozent). Den stärksten Anstieg gab es bei Krankheiten im Atmungsystem (16,7 Prozent). Er ist allerdings leicht zu erklären: Im vergangenen Jahr hatte es eine Erkältungs- und Grippewelle gegeben.

Beunruhigender ist für DAK-Sprecher Hans-Werner Harmuth der kontinuierliche Anstieg bei den psychischen Erkrankungen wie Depressionen. Seit dem Jahr 2000 haben sie sich verdoppelt. Die Fehltage stiegen um 89 Prozent auf 223 je 100 Versicherte. Außerdem: Psychische Erkrankungen sind meistens langwierig. Fast die Hälfte aller Fehltage (44,8 Prozent) wird von nur 3,7 Prozent der Erkrankten verursacht. „Ein kleiner Teil der Bevölkerung verursacht wahnsinnig viele Krankentage“, so Harmuth.

Ob tatsächlich die seelischen Erkrankungen so stark zugenommen haben oder ob die Ärzte heute anders diagnostizieren, ist für Harmuth eine offene Frage. Das Burnout-Syndrom ist zwar nur ein kleiner und spezifischer Teil der Depressionen, bei der DAK wollte man aber der Frage nachgehen, ob die Altersgruppe der 25- bis 40-Jährigen und dabei vor allem die berufstätigen Eltern unter besonderem Stress stehen.

In der Wissenschaft hat sich der Begriff „Rush-Hour des Lebens“ gebildet, „weil zwischen 30 und 40 alles passieren muss: Heiraten, Kinder kriegen und sich im Job etablieren – all das sollen Männer und Frauen schaffen“, so Harmuth.

Die Vermutung, dass diese selbstgesetzten Erwartungen zu mehr Stress, höherer Belastung und zu mehr Erkrankungen führen, spiegelt sich in der Umfrage allerdings nicht wider. Bei den Krankentagen liegen die 25- bis 39-Jährigen nur minimal schlechter als Jüngere. Dass Eltern (58,3 Prozent) mehr als andere Berufstätige (45,6) das Gefühl haben, nicht genug Zeit für sich zu haben und ihre Partnerschaft zu vernachlässigen (44,8 zu 26,1 Prozent), verwundert nicht. Dass mehr als doppelt so viele Kinderlose (17,5 Prozent) wie Eltern (7,5) meinen, den Arbeitsanforderungen nicht gerecht zu werden, ist schon schwieriger zu erklären.

Und warum 41,9 der Kinderlosen, aber nur 29,4 Prozent der Eltern ankreuzten, „dass die Balance zwischen meiner Arbeit und meinem Privatleben nicht stimmt“, erschließt sich auch Harmuth nicht. Was auch für die Antworten zu Rauchen und Alkohol gilt. Nur 31,2 der Kinderlosen, aber 55,1 Prozent der Eltern rauchen. Und die sprechen auch wesentlich stärker dem Alkohol zu (70,1 Prozent) als Kinderlose (43,5 Prozent). Dafür behaupten mehr Eltern, dass sie sich gesund ernähren, während Kinderlose stärker darauf achten, dass sie ausreichend Schlaf/Erholung bekommen.

Eindeutiger sind die Antworten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Teilzeit bieten viele Firmen an, bei Gleitzeit klaffen Wunsch (68 Prozent) und Wirklichkeit (34 %) stark auseinander, ebenso bei Home-Office. Mehr als die Hälfte der Eltern wünschen sich auch eine Betriebs-Kita und eine Notfallbetreuung, was nur ganz wenige Firmen anbieten.

„Stormarn hat da Modellcharakter. Über die Stiftung „Beruf und Familie“ bieten das schon 40 Unternehmen an“, sagt Nils Thoralf Jarck von der IHK. Und demnächst wird in Glinde auch die erste Betriebskrippe eröffnet. Die hatten sich in der Umfrage 47 Prozent der Eltern gewünscht, kein Unternehmen bot sie an. „Das ist ein klares Zeichen an die Unternehmen, dass sie noch etwas tun müssen“, sagt Harmuth. Für Jarck kann sich das durchaus rechnen: „Ich weiß jetzt schon von Bewerbern, die sich für die Firma entschieden haben, weil sie die Krippe anbieten.“

 

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erstellt am 29.Okt.2014 | 06:00 Uhr

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