Bad Oldesloe : Stormarn: Sechs Flächen geeignet

Die Botschaft von Thomas Losse-Müller gleich zu Beginn
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Die Botschaft von Thomas Losse-Müller gleich zu Beginn

Beteiligungsverfahren zur Windenergie-Planung: Die Regionalveranstaltung fand jetzt in der Oldesloer Stormarnhalle statt. Der Andrang war groß.

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31. März 2017, 06:00 Uhr

„Nichts ist in Stein gemeißelt“ war die erste Botschaft von Staatssekretär Thomas Losse-Müller, dem Chef der Kieler Staatskanzlei, bei der Regional-Veranstaltung zur Windenergieplanung in Bad Oldesloe. Die Aussage stimmt zwar generell, aber Losse-Müller und Energiestaatssekretärin Ingrid Nestle ließen auch keinen Zweifel daran, dass unter dem Strich zwei Prozent des Landes für Windräder zur Verfügung stehen sollen oder müssen.

Die Teilfortschreibung der Windenergieplanung war nach einem Urteil des Oberlandesgerichts notwendig geworden und ist eine Negativplanung: Grundsätzlich können (mit Einzelgenehmigung) fast überall Windräder gebaut werden, da der Gesetzgeber sie privilegiert hat. Wenn man das ausschließen wolle, hatte das Gericht vorgegeben, müsse es belastbare Kriterien geben.

Das ist die eine Seite, die andere ist der gewollte Ausbau der Windenergie. Zehn Gigawatt Leistung sollen im Land installiert werden, 2025 sollen die Windräder im Land jährlich 37 Terawattstunden Strom erzeugen. Dafür braucht man durch Repowering und stärkere sowie höhere Anlagen zwar nur knapp 20 Prozent mehr Windräder, aber um 3600 Anlagen aufzustellen, bräuchte man eben auch zwei Prozent der Landesfläche.

Die kommen raus, wenn man mit Abständen von 400 Metern zu Splittersiedlungen und 800 Metern zu Dörfern plant und einige andere Kritierien wie Natur- und Denkmalschutz berücksichtigt. Theoretisch wären 5,2 Prozent der Landesflächen geeignet, nach den harten und weichen Kriterien und einer Abwägung bleiben dann jene zwei Prozent übrig. Wären die festgelegten Abstände 500 und 1000 Meter, könnten fast keine Windräder mehr gebaut werden.

De facto werden es zunächst wohl auch mehr als zwei Prozent der Flächen sein, weil 1300 Windräder dort stehen, wo sie künftig nicht mehr stehen dürfen. Sie haben aber Bestandsschutz. Damit alte Anlagen schneller abgebaut werden, sind einige der neuen Flächen ausschließlich für Repowering vorgesehen. Das heißt, dort darf man nur ein Windrad aufstellen, wenn woanders eines demontiert wird.

In der Stormarnhalle ging es um den Planungsraum III, die Kreise Segeberg, Stormarn, Herzogtum Lauenburg und Ostholstein sowie die Stadt Lübeck. Im Beteiligungsverfahren können bis Ende Juni Anmerkungen, Kritik und Hinweise gegeben werden. Unter bolapla-sh.de stehen Planentwürfe, Karten und Datenblätter sowie die Präsentationen aus der Veranstaltung zur Verfügung.

„Wir müssen jedem Hinweis nachgehen“, betonte Losse-Müller, „wir haben ja nicht den Stand aller Planungen überall.“ Bis zu sechs Monate dauern die Prüfung und die Bewertung der Eingaben, die ebenfalls im Internet veröffentlicht werden. Frühestens zum Jahresende könnte also der überarbeitete Planentwurf vorliegen, der dann in eine zweite Beteiligungsrunde gehen muss.

In der Diskussion ging es um die Sinnhaftigkeit der Energiewende und den Windkraft-Ausbau schlechthin, um – vor allem gesundheitliche – Beeinträchtigungen durch die Anlagen und die Kriterien der Abwägung wie eine zu harte oder zu weiche Beurteilung des Natur- und Vogelschutzes.

Wenn die Vorrangflächen dann festgelegt sind, dürfen dort nur Windkraftanlagen gebaut werden. Weder Kreis, Gemeinde oder der Eigentümer können daran etwas ändern. In Stormarn stehen sechs Flächen bei Brunsbek, Hammoor, Heilshoop sowie einmal östlich und zweimal südlich Lasbek-Dorf für Windräder im Entwurf. Landesweit sind es 354 Vorranggebiete.


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