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Stormarner Tageblatt

19. November 2017 | 21:00 Uhr

Nach der Wahl : Stormarn: Mehr Gewicht in Kiel

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

In Hamberge und Hammor sollte sich auszahlen, dass der Kreis mit sechs Abgeordneten und einem Minister vertreten ist.

von
erstellt am 05.Jul.2017 | 06:00 Uhr

Im neuen Landtag und der Landesregierung ist Stormarn so gut vertreten wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Es ist nicht nur die Zahl von sechs Abgeordnete, sondern auch ihre Funktionen, die auf mehr Stormarner Gewicht in Kiel hoffen lassen. Tobias Koch aus Ahrensburg ist neuer Vorsitzender der CDU-Fraktion, Martin Habersaat (SPD) aus Reinbek und Anita Klahn (FPD) aus Bad Oldesloer sind stellvertretende Vorsitzende in ihren Fraktionen. Grüne Abgeordnete aus Stormarn gibt es nicht, aber die Landesvorsitzende Ruth Kastner aus Bargteheide gehört dem Koalitionsausschuss an. Und mit dem Ahrensburger FDP-Mann Bernd Buchholz als Wirtschaftsminister ist Stormarn auch in der Regierung vertreten.

„Das lässt natürlich insbesondere für Themen hoffen, die uns am Herzen liegen, zum Beispiel die Verkehrsentwicklung“, sagt Tobias Koch, der seine Ämter als Stadtverordneter und Fraktionsvorsitzender in Ahrensburg aufgegeben hat, um sich voll auf seine neue Aufgabe in Kiel zu konzentrieren.

„Ich freue mich natürlich, dass Stormarn so prominent im Landtag und auch in der Regierung vertreten ist. Unsere Themen hatten wir schon vor der Wahl deutlich gemacht, waren mit all den Personen im Dialog und haben überall offene Ohren gefunden. Deshalb erwarte ich, dass nun auch tatsächlich etwas für Stormarn getan wird“, sagt Landrat Henning Görtz.

„Ich habe die Erwartung, dass die neue Regierung, vor allem CDU und FDP, das anpacken, was sie versprochen haben und die Projekte auch umgesetzt werden. Wir brauchen eine funktionierende Infrastruktur“, sagt Detlev Hinselman, Geschäftsführer der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS).

Ganz oben auf Görtz’ Kieler Liste steht der Lärmschutz für Hamberge, der „zeitgleich mit dem E-Highway gebaut werden muss.“ Der Zeitplan ist eng. Bis Ende nächsten Jahres sollen die rechten Fahrspuren auf rund sechs Kilometern zwischen Reinfeld und Lübeck Stromleitungen bekommen. Bis zu fünf E-Lastwagen mit Stromabnehmern sollen dann zwischen Reinfeld und dem Lübecker Hafen pendeln. Die Kosten von rund 14 Millionen Euro trägt der Bund, Partner ist die Reinfelder Spedition Bode.

Die Gemeindevertretung Hamberge will, dass der drei Meter hohe Sandwall Richtung Lübeck zeitgleich mit dem E-Highway auf einem Kilometer mit Wänden auf fünf bis sechs Meter aufgestockt wird. Auf den sechsspurigen Ausbau Ende der 80er Jahre geht der Rechtsanspruch der Gemeinde auf Lärmschutz zurück, und eine Anschlussstelle Hamberge war Bestandteil des Planfeststellungsbeschlusses für das Autobahnkreuz. Nun droht der Rechtsanspruch allerdings auszulaufen, wenn Hamberge nicht wegen Untätigkeit juristisch gegen das Land vorgeht.

Eine Klage, die den E-Highway verzögern könnte, will der Landrat ebenso vermeiden wie der neue Minister. „Mein Stand ist, dass Lärmschutz nur zusammen mit dem Bau der A1-Auffahrt sinnvoll ist, weil man sonst wieder Teile abreißen müsste“, sagt Bernd Buchholz, betont aber auch: „Die Zusage für Lärmschutz steht. Wir werden uns intensiv mit dem Thema beschäftigen und ich werde mich auch mit dem Landrat und Hamberges Bürgermeister zusammensetzen, um zu erörtern, was möglich und realisierbar ist und wie schnell das gehen kann.“

Noch schwieriger als Hamberge könnte eine Lösung in Hammoor sein. Die in Entwurf des Landes aufgezeigten Windeignungegebiete würden den Bau des Autohofs und ein Gewerbegebiet zwischen A  1 und A  21 verhindern. Während der Autohof im Bundesinteresse ist, und es eine Zusage der vorherigen Regierung sowie einen Aufstellungsbeschluss für einen B-Plan gibt, liegen für die Fläche zwischen den Autobahnen nicht mehr als Absichtserklärungen vor – auch weil sich der Bau der Ortsgumgehung immer wieder verzögert hat.

„Ich bin zunächst mal froh, dass die Gemeinde die Position für ein Gewerbegebiet vertritt, sagt WAS-Chef Hinselmann nach dem Beschluss der Vertretung. Sowohl die Gemeinde als auch Kreis und WAS sprechen sich in ihren Stellungnahmen für ein Gewerbegebiet aus. Hinselmann: „In Kiel müssen diese Punkte noch mal gewichtet werden. Ich setze darauf, dass die neue Regierung sich die Zeit nimmt, die Argumente gründlich zu bewerten.“

Davon geht auch Bernd Buchholz aus, auch wenn er „natürlich nichts versprechen kann“. Allerdings sei im Koalitionsvertrag festgehalten, „dass zusätzliche Gewerbegebiete im Hamburger Umland, vor allem in Stormarn, ein ganz wichtiges Thema sind.“ In der Vergangenheit seien die Vorgaben der Landesplanung nicht immer flexibel genug gewesen, auch nicht für Gemeinden abseits der Entwicklungsachsen“, so Buchholz, dessen Ziel ist: „Wir müssen zu einer erleichterten Ausweisung von Gewerbegebieten kommen. Stormarn braucht nach dem Gutachten für die Metropolregion 60 Hektar zusätzliche Gewerbeflächen. Wenn sich die mehr als 20 Hektar zwischen A1 und A21 nicht realisieren ließen, müsste man die Flächen woanders im Kreis suchen. Das wird schwierig, deshalb sollten wir alles für diesen Standort tun.“

Davon, dass die neue Regierung die Landesplanung wieder von der Staatskanzlei zurück ins Innenministerium geholt hat, erhofft sich auch Hinselmann einen positiven Effekt: „Ich verbinde damit, dass die neue Regierung anders mit der Landesplanung umgeht, man mehr auf den Hamburger Rand eingeht und Entwicklungen zulässt, die sich sich zwingend anbieten. Das betrifft nicht nur Gewerbe, sondern auch Wohnen und Verkehr.“

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