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Stormarner Tageblatt

19. Oktober 2017 | 20:41 Uhr

Stormarn hat sein Buch gewählt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Entscheidung ist gefallen: „Amon – Mein Großvater hätte mich erschossen“ wird 2015 im Mittelpunkt vieler Veranstaltungen stehen

Die Stormarner haben entschieden: Das Buch „Amon – Mein Großvater hätte mich erschossen“ von Jennifer Teege und Nikola Sellmair wird im nächsten Jahr im Mittelpunkt möglichst vieler verschiedener Veranstaltungen stehen. Es soll zu Lesungen, Aktionen und Workshops anregen und Menschen zusammenbringen.

Vom 27. April bis zum 17. Mai wird das Buch das Bindeglied für die Stormarner sein. Die Arbeitsgemeinschaft „Stormarn kulturell stärken“, die das Literaturprojekt in Kooperation mit dem Rowohlt-Verlag ins Leben gerufen hat, beginnt nun mit den Planungen für den Veranstaltungsreigen und ruft alle Menschen im Kreis Stormarn dazu auf, daran mitzuwirken.

Schon nach den ersten zwei Wochen der Abstimmung lag das Werk von Jennifer Teege und Nikola Sellmair an der Spitze und hat seinen Platz gehalten.

Jennifer Teege, geboren 1970, ist das Kind von Monika Göth und eines Nigerianers. Als Baby wird sie ins Kinderheim gegeben, später adoptiert. Als 38-Jährige entdeckt sie in einer Bibliothek rein zufällig ein Buch, das ihre Mutter zeigt, und sie erfährt, dass sie die Enkelin des KZ-Kommandanten Amon Göth ist, bekannt aus Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“. Amon Göth, von seiner Frau vergöttert, lebte auf dem Gelände des Konzentrationslagers, hatte seinen Hund auf Menschen abgerichtet, erschoss wahllos Juden. Jennifer Teege, seine Enkelin, hat in Israel studiert, spricht hebräisch und hat viele jüdische Freunde. Und sie ist mit der Familiengeschichte, die sich nun plötzlich vor ihr auftut, maßlos überfordert. Zunächst begibt sie sich in psychologische Behandlung, dann beginnt sie, dem Leben ihres Großvaters nachzuspüren.

Das Buch spiegelt nicht nur die Geschichte des Nazi-Regimes, sondern dreht sich um die Bedeutung der Familie. Entstanden ist ein Buch, das Spuren hinterlässt, nachdenklich macht, mitfühlen lässt, und das Mut machen soll. Und es wirft die Frage auf: Was macht eine Familie aus?

Bei der Auftaktveranstaltung stellten die Lesepaten Ursula Pepper, ehemalige Ahrensburger Bürgermeisterin, und Annika Leske, Mitglied der Gruppe MuT, das Buch vor. Die Gruppe MuT ist unter dem Dach der Bürgerinitiative gegen Rechts in Glinde entstanden. Der Aktionskreis will nun die Veranstaltungen gegen Rechtsradikalismus auf eine breitere Basis stellen - sicherlich ein großes Thema im nächsten Frühjahr bei der Auseinandersetzung mit dem Buch von Jennifer Teege, mit der die MuT-ler bereits Kontakt hatten.

Jetzt sind die Stormarner ein weiteres Mal aufgerufen, sich einzubringen. Wer möchte Lesungen halten, Gesprächsrunden eröffnen, Aktionen ins Leben rufen? Wer will das Thema auf den Punkt bringen, es zerpflücken oder darüber gemeinsam mit anderen schreiben? Wer möchte in Familiengeschichten eintauchen oder sie hervorzaubern? Alle, die dabei sein möchten, sollten sich an Kulturreferentin Tanja Lütje von der Arbeitsgemeinschaft „Stormarn liest ein Buch“ wenden. Das gilt natürlich auch für die Jugendbücher von Nils Mohl, die von der Arbeitsgemeinschaft ausgewählt wurden. „Es war einmal Indianerland“ und „Mogel“ laden alle Jugendlichen ab 14 Jahren ein, sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen, in der Schule, im privaten Kreis oder öffentlich.

Jennifer Teege und Nils Mohl, gebürtiger Hamburger, haben sich schon im Vorfeld bereit erklärt, Lesungen zu halten.



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