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Stormarner Tageblatt

12. Dezember 2017 | 19:47 Uhr

Stormarn: Arzt vergeblich gesucht

vom

Seit mehr als vier Jahren sucht der Kreis einen Psychiatrie-Facharzt / Auch andere Arzt-Stellen können nicht besetzt werden

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2013 | 04:59 Uhr

Bad Oldesloe | Weil Ärzte fehlen, kann der Kreis Stormarn die Rufbereitschaft kaum noch sicherstellen. "Ich werde der Politik nach der Sommerpause vorschlagen, die Rufbereitschaft anders zu organisieren", sagt Andreas Musiol.

Der Fachdienstleiter im Kreisgesundheitsamt weiß sich keinen anderen Rat mehr. Vor mehr als vier Jahren war der Facharzt für Psychiatrie in den Ruhestand gegangen. Die Stelle konnte seitdem nicht wieder besetzt werden. Musiol: "Das hat fatale Auswirkungen. Es ist fast unmöglich, den Notdienst noch sicherzustellen."

Laut Gesetz muss der Kreis Tag und Nacht dafür sorgen, dass Menschen mit psychischen Problemen entweder an die richtige Stelle vermittelt oder eingewiesen werden. "Die Rufbereitschaft machen grundsätzlich alle Ärzte, aber der Psychiater ist natürlich der, der am meisten gefragt ist, und auch die Supervision anbietet. Und ich brauche ihn natürlich für die Begutachtung", so Musiol.

Zurzeit gibt es eine Ärztin, die "es ganz toll macht, aber keine Fachärztin ist", sowie zwei weitere, die dafür qualifiziert werden. Weil das neben dem normalen Dienst geschieht, dauert es aber zwei Jahre. Und während der Fortbildungszeiten fehlen die Ärzte natürlich im normalen Alltag, so dass die Bereitschaft auf noch weniger Schultern verteilt werden muss.

"Als ich hier anfing, waren es neun Ärzte, jetzt sind es noch fünf - von denen vier in Teilzeit sind", sagt Musiol. Obwohl der Kreis sogar schon einen Headhunter einschaltete, konnten die vakanten Stellen nicht besetzt werden. "Es haben sich diverse Ärzte vorgestellt, aber alle sind wieder abgesprungen. Es scheiterte am Rufdienst und an finanziellen Dingen", so der Fachdienstleiter.

In Verwaltungen werden Ärzte nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVÖD) bezahlt. Weil das auch in der höchsten Stufe weniger ist als in Krankenhäusern, hatten die öffentlich Arbeitgeber bereits Zuschläge akzeptiert, aber das scheint nicht zu reichen. Andreas Musiol hatte "mehrfach den Fall, dass jemand, der eigentlich kommen wollte, absagte, weil ihm sein Haus nun doch bessere Konditionen anbot".

Die Rufbereitschaft ist die zweite Hürde, zumal sich der Kreis um Wiedereinsteigerinnen bemüht, die nur halbtags arbeiten und mit ihrer Zeit planen wollen. 483 Erstkontakte und 702 Klienten weist die Statistik 2012 auf. Obwohl die Anfragen zunächst bei Verwaltungs mitarbeiterinnen landen, die entscheiden, ob eine ärztliche Begutachtung überhaupt notwendig ist, gibt es fast 400 so genannte Krisen-Interventionen pro Jahr.

Die Hälfte dieser Fälle, von denen ein Viertel nachts aufläuft, führen zu einer Zwangseinweisung. Auch wen die Rufbereitschaft keine Anwesenheitspflicht voraussetzt, kann es sein, dass man "manchmal zwei mal die Nacht losfährt", so Musiol.

Auch wenn das längst nicht jede Nacht so sein muss, schreckt es Interessenten ab, die sich auf den Job auch bewerben, weil er im normalen Dienst familienfreundliche Arbeitszeiten bietet. Anders als in Krankenhäusern, wo die Ärzteschaft häufiger mal Überlastung anprangert, "Deshalb irritiert es mich auch, dass wir niemanden finden", sagt Musiol.

Oder es noch nicht mal Anfragen gibt. Seit Jahren sucht der Kreis Stormarn auch eine Halbtags-Ärztin für den Infektionsschutz. Andreas Musiol: "Das ist mittlerweile ein interessantes Berufsfeld mit Beratungen und Begehungen in Praxen und Krankenhäusern. Aber wir bekommen nicht mal eine Bewerbung."

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