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Bundestagswahl : Storjohann gewinnt Direktmandat

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Bis Redaktionsschluss lag der CDU-Mann 13 Prozent vor SPD-Kandidat Franz Thönnes, doch auch der zieht über die Liste wieder in den Bundestag ein. Kritik an FDP, Afd „Übergangserscheinung“.

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erstellt am 23.Sep.2013 | 13:00 Uhr

Die Wahlschlacht um Stormarn-Mitte wird im Kreis Segeberg geschlagen. Die Antwort auf die Frage, wo das Direktmandat vergeben wird, kommt bei CDU-Kandidat Gero Storjohann wie aus der Pistole geschossen: „In Norderstedt, das ist meine Hochburg. 72 000 Wähler, ein Drittel des Wahlkreises ...“ Doch ausgerechnet dort sah es kurz vor Redaktionsschluss knapp aus: 42,3 Prozent für Storjohann und 37,6 für seinen Herausforderer Franz Thönnes (SPD). Über den ganzen Wahlkreis gesehen, steht der Christdemokrat deutlich besser da: 47,6 Prozent zu 33,6. Beiden Kandidaten haben gehörig zugelegt. Kein Wunder, hat schließlich die FDP zwölf Prozent verloren, die Grünen immerhin vier, die Linke auch minus vier.

Beim Blick auf den Fernsehschirm mit den Hochrechnungen der Sender ist für Segebergs Landrätin Jutta Hartwieg klar, dass nichts klar ist. „Das Volk fragt sich, von wem es demnächst regiert wird“, stellt sie fest. Franz Thönnes hat da schon eine Interpretation des Ergebnisses parat: „Es sind zwei schwarz-gelbe Regierungen abgewählt worden. Die SPD hat kräftig zugelegt, aber es hätte kräftiger sein können. Wir haben jedenfalls nicht die Aufgabe übertragen bekommen, eine Regierung zu bilden. Frau Merkel ist jetzt am Zuge.“

Die FDP draußen, die Eurokritiker von der AfD vermutlich auch nicht drin. Das riecht nach großer Koalition. „Das kenne ich ja nun schon und da habe ich ja auch schon mitgearbeitet“, erinnert Thönnes an seine Zeit als Staatssekretär im Sozialministerium. „Und ja sogar ganz gut gearbeitet“, lobt ihn auch Gero Storjohann.

Angesichts des knappen Wahlausgangs enthält sich Christdemokrat Storjohann noch einer Analyse. Nur so viel ist für ihn klar: Eine Koalition mit der AfD lehnt er ab. „Dafür trennt uns doch zu viel“, findet er: „Die haben am rechten Bereich gesammelt, bei den Unzufriedenen und Eurokritischen. Erstmals ist es gelungen, das zu bündeln, sonst waren die immer zersplittert. Aber das ist eine Übergangserscheinung.“

Beim Thema FDP liegen die beiden Kandidaten gar nicht weit auseinander. „Die FDP ist für ihre Klientelpolitik abgestraft worden“, freut sich der SPDler. Auch vom CDU-Mann kommt leise Kritik: „Die haben strategische Fehler gemacht, wir hätten uns besser präsentieren können, aber sie haben so manches Mal Nein gesagt.“

Steigende Mieten, knapper Wohnraum, Mini-Rente und Dumpinglöhne – das waren die Themen, auf die Thönnes während seines achtwöchigen Wahlkampfs angesprochen wurde. Gero Storjohann sieht das anders: „Es gab keine Themen. Es geht nachher nur noch um Plakate und Kugelschreiber.“

Eine kleine Schmonzette hielt der Wahlkampf dann doch bereit: Das Plakat von Gero Storjohann mit dem iPad ... der Anschluss zeigt klar nach oben, gehört der nicht nach unten? Storjohann schmunzelt: „Mein erster Satz an Fotos war anders. Ich wollte nichts in der Hand haben. Das passte aber überhaupt nicht.“ Also wurde neue Aufnahmen gemacht – mit iPad: „Die Fotografin kannte sich da auch nicht so mit aus.“ Deshalb kam der Anschluss nach oben – und es hagelt Kritik von Storjohanns Kindern. „Die Kids haben darüber geredet“, erzählt er: „Aber dem Wahlergebnis ist es egal.“ Der Christdemokrat ist sich sicher und verrät mit einen Grinsen im Gesicht: „Wenn ich die Wahl verloren hätte, wäre es der Stöpsel gewesen.“

 

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