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Stormarner Tageblatt

17. August 2017 | 04:07 Uhr

Sternstunde des Naturfilms im Oho-Kino

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Diesen Sonnabend, 11 Uhr, können Stormarner wieder gratis ins Lichtspieltheater und für den sh:z-Publikumspreis ihren Favoriten wählen

Spatzen, die in einer Ampel direkt über dem Broadway in New York leben und Pferdeäpfel als tierische Müsliriegel zu schätzen wissen. Eine Haselmaus, die ihr Domizil auf einem Golfplatz aufgeschlagen hat und ihren engen Terminkalender doch noch organisiert bekommt. Und das „Wilde Baltikum“ – ein Paradies für seltene Tiere und gleichzeitig Brutstätte für tierische Konflikte sowie Eiland für Natur pur. Diese drei Streifen laufen im Rahmen des 8. Green-Screen-Festivals und sind an diesem Sonnabend in Bad Oldesloe zu sehen.

Unsere Leser sind ab 11 Uhr im Oho-Kino dabei und können ihren persönlichen Favoriten wählen. Das Voting fließt in die landesweite Abstimmung mit ein. Denn in insgesamt 15 Städten Schleswig-Holsteins werden Naturfilme für den sh:z-Publikumspreis gezeigt. Im Oho-Kino an der Hamburger Straße 13 liegen wieder Stimmzettel aus, die ausgefüllt in eine Box kommen. Wie schon in den vergangenen Jahren laufen die „Perlen des Naturfilms“ kostenlos. Die drei Filme sind jeweils knapp 45 Minuten lang und für Kinder ab sechs Jahren geeignet. Zwischen den Vorführungen gibt es kleine Pausen.

Kommen Sie nach dem Shopping oder Wochenmarkt-Besuch kurzerhand im Oho-Kino vorbei. Genießen Sie eindrucksvolle Bilder, tierische Momente und kuriose Geschichten. Tauchen Sie ein in Welten, die kaum jemand so gesehen hat – bei freiem Eintritt!

Film 1 – Planet der Spatzen

Seine kesse Art macht ihn zum Sinnbild für kleine Frechheiten, sein niedliches Äußeres macht ihn zu einem der Lieblings-Kosenamen der Deutschen – der Spatz, genauer gesagt der Hausspatz, ist absoluter Sympathieträger der uns täglich begegnenden Tiere. Und obwohl er uns immer zu umgeben scheint, ist seine Art bedroht. Der Naturfilm „Planet der Spatzen“ von Regisseur und Kameramann Kurt Mayer zeigt, zu welch Lebens- und Überlebenskünstlern Spatzen in ihrer von Menschen vorgegebenen Welt werden.

Der Film beginnt mit dem Blick auf den Basar Chan el Chalili in Kairo. Für die Spatzen ist er ein Schlaraffenland, ebenso aber ein Baumarkt und vor allem: ein Heiratsmarkt. Die Weibchen wählen sich ihre Partner aus, keinesfalls aber nach Imponiergehabe, sondern vor allem nach einem Kriterium: dem Brutplatz. Sicher muss er sein, im Bau allerdings bitte noch nicht zu weit vorangeschritten. Denn hier wollen die Spatzendamen mit entscheiden, der Innenausbau ist gemeinsame Sache. Die besten Plätze sind schnell vergeben und angesichts der zahlreichen Feinde in Form streunender Katzen gelten die Minarette der Stadt als die „Penthäuser“ für Spatzen.

Luftige Höhen sind die Spatzen einer Stadt besonders gewohnt: New York. Doch angesichts der überwiegend modernen und glatten Fassaden gelten die wenigsten Wolkenkratzer als geeignete Nistplätze. Stattdessen haben sich die Spatzen der Stadt andere charakteristische Orte ausgesucht, nämlich Ampelmasten. Diese sind in New York zu mehreren Seiten offen und so ideale und vor allem gegen Feinde sichere Lebensräume. Kurt Mayer beobachtet ein Spatzenpaar an einer der teuersten Adressen der Stadt, in einer Ampel direkt über dem Broadway.

Kurt Mayer führt seine Reise um den Globus fort – von den in Peking nach einer bewussten Ausrottung erst wieder angesiedelten Feldsperlingen bis hin zu den Spatzen in Wien, die Pferdeäpfel als tierische Müsliriegel zu schätzen wissen. Er besucht die weltgrößte innerstädtische Spatzenkolonie in der Kirche Notre Dame in Paris und zeigt auch die wohl schwersten Bedingungen in der winterlichen Eiseskälte von Moskau, in der die Spatzen auf die Hilfe der tierlieben Moskauer Bürger hoffen, die aus eigener Erfahrung wissen, wie hart es ist, in der Millionenstadt über den Winter zu kommen. Der Regisseur schafft es, dass man nach wenigen Sekunden in die Perspektive des Vogels eintaucht und aus ihr heraus das Geschehen verfolgt.

Film 2 – Kleiner Langschläger hellwach - Die Haselmaus

Einen Naturfilm über die heimische Haselmaus zu drehen, ist ein ambitioniertes Unterfangen. Schließlich ist sie eigentlich gar keine Maus, sondern mit dem Siebenschläfer verwandt und somit durch den Winterschlaf für sieben Monate des Jahres überhaupt nicht außerhalb ihres gut gepolsterten Nestes zu sehen. Wenn sie dann erwacht ist, führt die Haselmaus ein nachtaktives und scheues, demzufolge auch kamerascheues Leben. Wer sie trotzdem dokumentieren möchte, der braucht drei Dinge: viel Geduld, viel Wissen und vor allem viel Erfahrung. All das haben Joachim Hinz und Beatrix Stoepel – und somit brachte ein Tier, das so klein ist wie ein Daumen, zwei wahre Größen des Naturfilms zusammen.

Vorteil des Duos: Mit Aukrug und Mölln liegen ihre Wohnsitze nicht nur nahe beieinander, sondern auch nahe am verstärkten Lebensraum der Haselmaus im östlichen Schleswig-Holstein. Fündig wurden beide in einem für die Haselmaus eher ungewohnten Terrain, nämlich auf einem Golfplatz. Die Kombination aus dichten heimischen Hecken und dem angrenzenden Waldgebiet ließ die Haselmaus hier sesshaft werden. Einen Sommer lang wurden die Naturfilmer zu Dauergästen auf dem Golfplatz – das Ergebnis der zwar häufigen aber oft auch sehr kurzen Begegnungen mit dem Tier ist ihr Film „Kleiner Langschläfer hellwach – Die Haselmaus“.

Der Zuschauer kann mitverfolgen, wie die Haselmaus in nur fünf aktiven Monaten ihren engen Terminplan vom Erwachen und anfänglichen Energietanken über das Bauen mehrerer Nester und Finden eines Partners bis hin zur Aufzucht der Jungen und den erneuten Vorbereitungen auf den Winterschlaf organisiert bekommt. Porträtiert wird dabei nicht nur die Haselmaus selbst, auch ihre tierischen Nachbarn werden von Joachim Hinz und Beatrix Stoepel ins rechte Licht gesetzt. Das Vorräte anlegende Eichhörnchen hat dabei ebenso seinen Auftritt wie der Eichelhäher und die für die Haselmaus gefährlichen Jäger in Form von Wiesel, Waldkauz oder Uhu.

Film 3 - Wildes Baltikum - Die Küste

Die Ostsee-Küsten des Baltikums sind ursprünglich, wild und menschenleer – und doch oder gerade deswegen sind sie Orte voller Leben und Begegnungsstätte von Bewohnern unterschiedlichster Regionen. Naturfilmer Christoph Hauschild hat sich für seinen Film „Wildes Baltikum – Die Küste“ bei verschiedensten Witterungsbedingungen in diese Abgeschiedenheit aufgemacht und dabei Tierarten aus dem Süden und dem Norden Europas angetroffen. Im Winter sind die Küsten von Estland, Lettland und Litauen Kinderstube für Polartiere, im Sommer Brutgebiet für südeuropäische Vogelarten. Zu jeder Jahreszeit sind die baltischen Küstenregionen eines: ein Paradies für seltene Tiere.

Die Reise des gebürtigen Ratzeburgers beginnt an der kurischen Nehrung in Litauen. Auf fast 100 Kilometern Länge verbinden sich bis zu 70 Meter hohe Sanddünen zu einem natürlichen Damm und formen eine Lagune, dreimal größer als der Bodensee, aber kaum sechs Meter tief. Junge Seeadler liefern sich im Streit um Nahrung einen erbitterten Kampf von tödlicher Gefahr.

Weiter nördlich beginnen die endlosen Sandstrände Lettlands, doch auch in dieser ansehnlichen Harmonie ist die Stimmung konfliktträchtig. Hinter dem Küstenwald, im Naturschutzgebiet Pape, geraten Konik-Wildpferde im Machtstreit um die passende Partnerin gefährlich aneinander. Innige Zweisamkeit herrscht dagegen bei der seltenen Blauracke, die im Frühjahr aus Ostafrika nach Lettland in ihr nördlichstes Brutgebiet fliegt – nur noch knapp 20 Paare gibt es im lettischen Raum.

Hauschild zieht weiter in Richtung Estland, dem Land der 1521 Inseln, in dem seine Reise entlang der baltischen Küsten endet. Im Vilsandi-Nationalpark beobachtet er Kegelrobben, die alte Wracks und kleine Felsbänke als Ruhezone für sich entdecken. Im eiskalten Winter filmt Hauschild eine Ringelrobbe, die ihr Junges nach einem Fall ins eisige Wasser gerade noch vor Schlimmerem bewahren kann. Alle drei Filme sind äußerst sehenswert.






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erstellt am 06.Aug.2014 | 10:54 Uhr

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