Verschmutzungen durch Maisernte : Steinburger Bauern reagieren auf Kritik

Setzen auf freiwillige Lösungen und verbesserte Verkehrsabläufe (v.li.): Peter Mau-Hansen, Nico Hellerich und Peter Lüschow. Foto: Mehmel
Setzen auf freiwillige Lösungen und verbesserte Verkehrsabläufe (v.li.): Peter Mau-Hansen, Nico Hellerich und Peter Lüschow. Foto: Mehmel

Verschlammte Straßen und ruinierte Banketten nach der Ernte: Die Bauern im Kreis Steinburg geloben Besserung. Neue Verkehrsregelungen und eine Aufklärungskampagne sollen helfen.

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06. November 2011, 02:13 Uhr

Kreis Steinburg | Ruinierte Spurbahnen, Banketten als Kraterlandschaft, verschlammte Straßen, genervte Anlieger. Die Maisernte der vergangenen Wochen hat auch bei vielen Steinburgern zum Teil massive Kritik ausgelöst. Dem will der Bauernverband jetzt mit einer Aufklärungs- und Informationskampagne vor allem in den eigenen Reihen begegnen.
Kreisbauernvorsitzender Peter Lüschow, sein Vorstandskollege aus der Wilstermarsch, Nico Hellerich, und Bauerngeschäftsführer Peter Mau-Hansen wollen in den Wintermonaten die Auswirkungen der Maisernte zu einem Schwerpunktthema auf ihren Mitgliederversammlungen machen. Parallel dazu fordern sie die Lohnunternehmer auf, die kalte Jahreszeit für eine intensive Fahrerschulung zu nutzen.
30.000 Transporte innerhalb weniger Wochen
Rund 12.000 Hektar Fläche werden derzeit allein im Kreis Steinburg für den Anbau von Mais genutzt. Etwa die Hälfte dient als Tierfutter, die andere Hälfte wandert vor allem in Biogasanlagen. Bei einer Ernte von durchschnittlich 40 Tonnen pro Hektar kommen innerhalb nur weniger Wochen in guten Zeiten mehr als 30. 000 Transporte zusammen. Das Problem: Die Wege werden immer weiter und die Fahrzeuge immer größer.
Um die Situation auf den Straßen zu entschärfen, macht sich der Bauernverband denn auch für eine Freigabe von Kraftfahrstraßen wie im Raum Wilster und bei Kellinghusen stark. Hier dürfen die bis zu 40 Tonnen schweren Gespanne nicht fahren, müssen deshalb quer durch Innenstädte. Ein weiteres Mittel, um die Lage zu entspannen, sieht der Bauernverband in der verstärkten Einführung so genannter Ringverkehre. Damit soll die Begegnung von Mais-Kolossen auf engen Fahrbahnen minimiert werden. In Wilster, so Nico Hellerich, habe sich das schon bewährt. Unterm Strich müssten die Landwirte und Lohnunternehmer dabei nur geringe Mehrkilometer in Kauf nehmen.
Kleinere Transporte nicht sinnvoll
Keinen Zweifel lassen die Sprecher daran, dass die Zeit nicht mehr zurückgedreht werden könne. Lüschow: "Wir können die Maisernte nicht reduzieren und damit auch nicht auf die Transporte verzichten." Auch die Rückkehr zu kleineren Transporteinheiten sei nicht denkbar. "Da hat man am Ende nichts gewonnen", weist Peter Mau-Hansen daraufhin, dass dann noch mehr Touren zu fahren seien.
Für Nico Hellerich ist es ganz wichtig, dass das Erscheinungsbild bei der Maisernte insgesamt "sehr viel ruhiger abläuft". Er hofft dabei insbesondere auf mehr Rücksicht aller Beteiligten.
Wie sehr es mitunter auch auf kleine Gesten ankommt, macht er an einem Beispiel deutlich. So gebe es eine Gemeinde, da riefen Anwohner regelmäßig die Polizei, wenn ein Bauer mit seinem Güllewagen durchbrauste. Ein anderer Landwirt habe hingegen keinerlei Probleme. Das Geheimnis: Man spricht miteinander.
"Überall wird auf die Bauern geschimpft"
Auch in Peter Lüschows Heimatort Huje gibt es eine befriedende Regelung. Hier packen alle Bauern gemeinsam mit an, wenn Wege ausgebessert werden müssen. Generell will der Bauernverband auf rücksichtsvollere Fahrweise seiner Mitglieder und der Lohnunternehmer hinwirken. Dazu dient unter anderem die Kampagne "Freiwillig Tempo 30", die vor allem das ländliche Wegenetz besser schonen soll.
Wichtig ist dem Verband schließlich auch die Außenwirkung. Nico Hellerich: "Überall wird auf die Bauern geschimpft, weil scheinbar nichts passiert." Spätestens zur nächsten Ernte soll die Kritik abebben.

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