Stehende Ovationen zum Abschied

Startete als Pionierin und hinterlässt große Fußspuren: Angelika Knies: Hier bedankt sie sich für die Hommage.  Fotos: jpm
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Startete als Pionierin und hinterlässt große Fußspuren: Angelika Knies: Hier bedankt sie sich für die Hommage. Fotos: jpm

Anne-Frank-Schulleiterin Angelika Knies geht und stellt ihren Nachfolger Marcel Fell vor

shz.de von
22. Juni 2018, 10:24 Uhr

Mit einer würdigen Feier wurde Angelika Knies gestern herzlich verabschiedet. Die Leiterin der Bargteheider Anne-Frank-Schule stellte dabei auch ihren Nachfolger vor. Marcel Fell wird neuer Leiter der Gemeinschaftsschule. Zuvor bereiteten Schüler, Lehrer und Eltern ein buntes Potpourri für alle zu.

„Eine Schule ohne Vision ist eine tote Anstalt“, zitierte Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht die scheidende Schulleiterin. Nach einem von manchen spöttisch betrachteten Start 1992 sei dieser pädagogischen Arbeit mit der Verleihung des deutschen Schulpreises die Krone aufgesetzt worden: „Es ist eine Schule, die die Schüler dazu bringt mehr zu wagen als sie sich zutrauen.“ Angelika Knies sei als Pionierin gestartet und hinterlasse große Fußspuren. Der Start der sowjetischen Raumsonde Sputnik habe zum Umdenken im Westen geführt, so der Schüler Jan Ole: „Da spürte der Westen, dass mehr für die Bildung getan werden muss.“ Mit Zähigkeit habe sich Knies für die Verbesserung der deutschen Schullandschaft eingesetzt. Das reiche von der Einführung einer anerkannten Ganztagsbetreuung bis zum Start eines Jugendarbeitsteams.

Rainer Wiegard erinnerte an die Kontroversen vor dem Start der Schule: „Meine Frau hat als SPD-Stadtvertreterin massiv auf die Gründung gedrungen.“ Er sei damals dagegen gewesen. Man habe sich gefetzt, aber das sei lange her: „Heute kommen wir gut miteinander aus.“ Knies habe sich mit Kopf, Herz und Seele für ihre Schule eingesetzt. Dieser Lebensleistung zolle er Respekt und Hochachtung.

Für die Schülervertretung sprachen Leonie und Laura: „Sie hatten immer ein offenes Ohr für uns, auch in schwierigen Situationen.“ Die Schule biete großartige Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentfaltung und -entwicklung. Auch Sven Arne Werner aus dem ersten Jahrgang erinnerte an die Konflikte zur Gründungszeit. „Es gab Demos gegen uns, ein Lehrer einer Nachbarschule rief aus dem Fenster, es stinkt hier nach Gesamtschülern“, so der Abiturient von 1999. Er sei an der Anne-Frank-Schule immer auf Augenhöhe auf das Leben vorbereitet worden: „Es war ein tolles Projekt, das Lernen zu lernen.“

Dörte Nowitzki vom Bildungsministerium lobte die konsequente Orientierung an den Stärken der Schüler: „Es ist wirklich eine herausragende Schule.“ Angelika Knies lobte das Engagement der Eltern für die Schule: „Ihre Initiative hat sich durchgesetzt, sie sind bis heute eine Stütze für uns.“ Der Start in Containern sei mühsam gewesen, erst nach drei Jahren sei der heutige Standort gefunden worden. „Bis dahin waren wir ungeliebte Gäste in anderen Schulen.“ Die Pisa-Studie habe immer wieder bestätigt, dass sie auf dem richtigen Weg seien. „Es geht auch um den Spagat zwischen lernschwachen und hochbegabten Schülern.“ Grundlage für Bildung sei die Beziehung untereinander.

Zum Schluss stellte sich ihr Nachfolger Marcel Fell vor. Von Angelika Knies erhielt er einen Stein und ein Sandpapier. Das ist eine ungewöhnliche Deutung der Fabel vom Sisyphos. „Der war bekanntlich von den Göttern verurteilt worden, immer wieder einen Felsen auf einen Berg zu rollen. „Aber der Stein schleift sich dabei ab“, so Marcel Fell.

Der Chor der Weggefährten verabschiedete sie schließlich mit dem Song „I did it my way“. Treffender hätten sie es kaum formulieren können. Mit stehenden Ovationen feierten die Besucher Angelika Knies. Sie bleibt keineswegs untätig. Ab dem kommenden September übernimmt sie eine Lehrtätigkeit an der deutschen Schulleiterakademie.




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