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Bad Oldesloe : Statt Garten das „Gefühl, auf Müllkippe zu sitzen“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Nachbarn einer Container-Anlage auf dem Parkplatz Wendum beschweren sich über Gestank, Müll und Ungeziefer. Hilfe ist nicht in Sicht.

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erstellt am 12.Apr.2017 | 06:00 Uhr

Der Garten sieht extrem gepflegt aus. Weißer Kies, kleine Wege, versteckte Beleuchtung, Springbrunnen, Feuerstelle, Sitzecke, Sträucher. Trotzdem haben Sabine und Timo Müschen keine Freude an dem Außenbereich des Eigenheims. Dem Ehepaar stinkt es nämlich gewaltig. Unmittelbar an die Rückseite ihres Grundstücks grenzt der Parkplatz Wendum mit einer ganzen Batterie an Recycling-Containern: Glas, Papier, Altkleider – das volle Programm, und das schon seit Jahren.

Ausgerechnet der Bereich ihres Gartens, der auch später am Nachmittag noch von der Sonne beschienen wird, liegt am dichtesten zu den Müllboxen. Müschens wollten dort eine Sitzgelegenheit anlegen, doch das Projekt musste gestrichen werden. „Dann habe ich ja das Gefühl, auf einer Müllkippe zu sitzen“, klagt Sabine Müschen.

Zwischen Garten und Containern verläuft ein schmaler Entwässerungsgraben. Die Grundstücksgrenze ist in der Grabenmitte. „Was ich da schon alles rausgeholt habe“, erzählt Timo Müschen: „Restmüll, Sperrmüll, Elektroschrott. Neulich sogar einen Elektrorollstuhl.“ Für die Entsorgung muss dann natürlich das Ehepaar Müschen sorgen.

Oder sie gehen einen anderen Weg, ein mittlerweile schon eingespieltes Prozedere. Sabine Müschen fotografiert den Unrat und schickt die Bilder per Mail ans städtische Ordnungsamt. Von dort werden sie dann an die zuständige Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) weitergeleitet. Timo Müschen: „Die schicken dann mitten in der der Nacht einen Trupp. Um 4 Uhr morgens wird mit viel Krach alles weggeräumt.“

Bei so viel Unrat bleibt Ungeziefer nicht aus. Mäuse flitzen durch den Garten, ertrinken im Springbrunnen, bei den Nachbarn hatten Ratten ihren Bau unter der Terrasse bezogen. Ein Kammerjäger musste kommen. Auch die AWSH wurde auf den Befall mit Schädlingen hingewiesen. Per Mail kam eine Antwort. Ratten und Mäuse würden in den Containern leider Nahrung finden, weil Gläser viel zu selten vor der Entsorgung ausgespült werden. „Hier wäre ein Mitwirken der Bürger, Gläser von Nahrungsresten zu befreien, von großer Hilfe. ... Sollten wir konkrete Hinweise erhalten, wer den Restabfall dort ablegt, können wir entsprechend handeln.“

Kürzlich hat sich Sabine Müschen mal wieder bei der Stadt beschwert. Kurz darauf rückte ein Trupp vom Bauhof an. „Ich dachte schon, jetzt machen sie sauber, aber ne, die haben alles abgeholzt, auch auf meiner Seite des Grabens“, erzählt die Oldesloerin: „Jetzt sehe ich den Schandfleck erst richtig.“ Also hat sie Pergola-Elemente als Sichtschutz aufgestellt.

Wer Recycling will, muss Container dafür aufstellen, das ist auch den beiden klar. Sie plädieren für eine Verlegung um wenigen Meter an die Straße Wendum, parallel zum Friedhof – keine Anlieger, die gestört werden und voll einsehbare Stellplätze. Vielleicht könne so die illegale Müllentsorgung eingedämmt werden. Alternativ regen sie eine Videoüberwachung an, um Übeltäter zu überführen.

Doch da winkt Bürgermeister Jörg Lembke sofort ab. „Eine Super-Idee, aber völlig ausgeschlossen. Sowas ist im öffentlichen Raum nicht zugelassen“, erklärt der Verwaltungs-Chef: „Keiner will die Container vor seiner Tür haben. Wenn wir sie 100 Meter weiter stellen, sind andere nicht amüsiert.“ Regelverstöße könnten, wenn überhaupt, nur hinterher geahndet werden. Lembke: „Wir können da leider nicht proaktiv tätig werden.“

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