Bad Oldesloe : Startschuss für das Hospiz

So soll es werden (v. li.): Sabine Tiedtke, Birte Thelen, Katja Balkenhol und Angela Kross präsentieren das Modell.
So soll es werden (v. li.): Sabine Tiedtke, Birte Thelen, Katja Balkenhol und Angela Kross präsentieren das Modell.

Die Genehmigung liegt vor, die Finanzierung steht – und im September soll Baubeginn sein.

Andreas Olbertz. von
13. Juli 2018, 06:00 Uhr

Eine struppige Wiese ganz hinten im Wendehammer am Ende des Gewerbegebiets Sandkamp. Ein paar bunte Holzpflöcke deuten an, dass da demnächst etwas passieren wird. „Die Baugenehmigung ist jetzt da“, verrät Sabine Tiedtke und strahlt. In wenigen Jahren hat sie es geschafft, aus einer Vision ein konkretes, millionenschweres Projekt werden zu lassen. In der zweiten Septemberhälfte soll Baubeginn für das stationäre Hospiz des Vereins „Lebensweg“ sein.

300 000 Euro Zuschuss kommen von der Deutschen Fernsehlotterie. Auch beim Land wurde Geld aus einem Sondertopf für stationäre Hospize beantragt – Lebensweg ist erster Antragsteller. Pro Platz würde das Land maximal 30 000 Euro zuschießen. Zwölf Plätze sind am Sandkamp geplant. Bei geschätzten Baukosten von rund 3,5 Millionen Euro klafft unterm Strich noch ein gewaltiges Loch. Doch auch das hat der Lebensweg-Verein geregelt: Sparkassenstiftungen finanzieren das Projekt. Die Einrichtung und den späteren Betrieb übernehmen die Lebensweg-Stiftung, der Förderverein und eine gemeinnützige Gesellschaft. Geschätzt werden weitere Kosten von etwa 250 000 Euro.

Und das ist längst noch nicht alles. Von den Betriebskosten übernehmen die Krankenkassen nur 95 Prozent. Den Rest muss der jeweilige Träger selber aufbringen. „In der Realität sind das dann eher 15 bis 20 Prozent“, vermutet Sabine Tiedtke. Denn jeder Träger habe ja eigene Vorstellungen und Visionen, die nicht unbedingt vom Kostenträger anerkannt werden.

Als ein Beispiel nennt Sabine Tiedtke die eigene Küche: „Bei uns soll frisch gekocht werden. Bei uns soll es jeden Tag frischen Kuchen geben und dieser Geruch durchs Haus wabern – das ist Lebensqualität.“ Beim Lebensweg geht man davon aus, dass deshalb jedes Jahr 160 000 Euro an Spenden zusammen kommen müssen. Sabine Tiedtke: „Finden wir die Menschen, die das mit uns zusammen tragen?“ Zusammen mit ihren Vorstandskolleginnen ist sie zuversichtlich, das Geld aufbringen zu können. Die Erfahrung aus anderen Hospizen habe gezeigt, dass die Einrichtungen oft mit Erbschaften bedacht werden oder Angehörige für Beerdigungen anstelle von Blumen um eine Spende für das Hospiz bitten.

„Wir sind das einzige Hospiz ohne einen Wohlfahrtsverband im Hintergrund“, erklärt Katja Balkenhol: „Wir sind eine echte bürgerschaftliche Bewegung.“ Angela Kross ergänzt: „Viele Menschen sprechen tatsächlich von ‚unserem Hospiz‘. Das ist es, was uns beflügelt.“ Dieses Engagement sei bereits im Vorfeld mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht worden. So hat der Verein beispielsweise sehr früh ein Grundstück für den Bau des Hospizes geschenkt bekommen. Leider durfte es nicht bebaut werden, aber immerhin spülte der Verkauf Geld in die Kasse. Sabine Tiedtke ist überzeugt: „Da wird der symbolische Fördervereinsbaum mit seinem breiten Wurzel-Netzwerk ein großes Pfund für uns.“ Aktuell habe der Verein gut 230 Mitglieder. Wenn die Zahl relevant steige, nähmen alleine die Einnahmen durch Mitgliedsbeiträge deutlich zu.

Der Weg, bis das Grundstück gekauft war, war nicht einfach. Das Gelände gehört der WAS. Deren Ziel ist Wirtschaftsförderung und Schaffung von Arbeitsplätzen – nicht unbedingt das, was man mit einem Hospiz verbindet. Doch auch dafür fanden die Lebenswegler eine Lösung: Käufer des Grundstücks wird die gemeinnützige Lebensweg GmbH – an die durfte verkauft werden, weil sie im Hospiz später etwa 30 Arbeitsplätze schaffen wird. Besonders glücklich ist Sabine Tiedtke, dass gleich 1000 Quadratmeter auf Vorrat gekauft werden konnten. So steht einer möglichen Erweiterung nichts im Weg.

Ein Teil der jährlich benötigten Eigenmittel kann durch ehrenamtliche Arbeit erwirtschaftet werden. Dafür sucht der Verein „Lebensweg-Begleiter“. Am 18. September wird es zu der entsprechenden Ausbildung einen Informationsabend im Bad Oldesloer Bürgerhaus geben. „Bei uns macht jeder das, was er gerne macht – ohne überfordert zu werden“, stellen die Vereinsmitglieder heraus. Ziel der Lebensweg-Begleiter-Ausbildung soll sein, entsprechende Neigungen herauszufinden und in qualifizierte Bahnen zu lenken.

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