Visionäre Freiheit für Ahrensburg : „Städtebau ist mehr als das Anhübschen von Räumen“

Über den Dächern der Stadt: Andrea Becker und Juliette Schickel.(re.) mit Bürgermeister Michael Sarach und Achim Keizer (li.).
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Über den Dächern der Stadt: Andrea Becker und Juliette Schickel.(re.) mit Bürgermeister Michael Sarach und Achim Keizer (li.).

Bei der über 15 Jahre angelegten Innenstadtentwickung sollen sich die Bürger einbringen können. Start der umfangreichen Rathaussanierung 2016.

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21. August 2015, 06:00 Uhr

Als steingewordener Zeitgeist und herausragendes architektonisches Beispiel einer einer ganzen Epoche kannte man das Ahrensburger Rathaus ja schon. Dass es auch die zweitgrößte Kolonie von Mauerseglern in Schleswig-Holstein beherbergt, ist neu. Die Hohlräume zwischen den Betonplatten scheinen optimale Heimat und Startplatz für die Vögel zu sein, die nicht gern vom Boden starten.

Festgestellt wurde das, so Ingenieur Achim Keizer aus dem Bauamt, bei den Voruntersuchungen zur Sanierung des Rathauses. Damit beginnt in Ahrensburg das Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ für das Gebiet zwischen Bahnhof und Marstall. Über einen Zeitraum von 15 Jahren sollen 21 Millionen Euro investiert werden, die von Stadt, Land und Bund kommen.

„Ich bin froh, dass wir die Chance ergriffen haben, die Stadt langfristig positiv zu entwickeln“, sagt Bürgermeister Michael Sarach. Mit dem für die Gartenschau. Bewerbung entwickelten Konzept Schloss-Aue-Innenstadt und dem Stadtentwicklungskonzept ISEK besaß Ahrensburg die Grundlagen, sich für das Förderprogramm zu bewerben.

Da die Rathaussanierung mit geschätzten von Kosten 6,5 Millionen Euro ohnehin anstand, lag es mehr als nahe, sich für ein Programm zu bewerben, das 4,4 Millionen für eine denkmalgerechte Sanierung verspricht. Wenn das Hochhaus im Frühjahr eingerüstet wird, werden außen Nistkästen für die Mauersegler angebracht. Das ist aber nicht das größte Problem bei einem Gebäude, in dem auch der Innenausbau konzeptionell erfolgte und noch fast alles im Originalzustand von 1970 erhalten ist. Nicht nur die Holzfenster bleiben (nur das Glas wird getauscht), auch die Heizkörper in Nischen hinter Verkleidungen. Vorher müssen sie aber für die Innendämmung demontiert werden, denn eine Halbierung des Energiebedarfs ist ebenfalls ein Ziel. Zurzeit müssen für Heizung und Strom rund 100  000 Euro im Jahr ausgegeben werden.

Während es bei der Rathaussanierung mehr um Technik geht – so soll die Fassade mit Trockeneis gereinigt werden – gibt es für die Innenstadt bislang allgemeine Ziele: Es geht um den barocken Stadtgrundriss, die fehlende Verbindung von Schloss und Innenstadt, funktionale Brüche und Missstände.

Im Frühsommer hatte es bereits so genannte Expertengespräche zu verschiedenen Themenbereichen gegeben. „Uns hat überrascht, dass auch Einzelhändler die parkenden Autos in der Großen Straße kritisch sehen“, sagt Stadtplanerin Andrea Becker.

Die Ahrensburger können sich erstmals am Dienstag, 8. September, einbringen. Die Auftaktveranstaltung um 19 Uhr im Marstall ist der Startschuss für die auch vom Gesetz geforderte Bürgerbeteiligung in dem Sanierungskonzept. „Es ist wichtig, dass es von einer breiten Mehrheit getragen wird“, betont Michael Sarach. Noch gebe es kein Konzept, dafür aber
„visionäre Freiheit“ für Vorschläge zum Beispiel zur Hamburger Straße, zum Alten Markt oder zu dem gesamten Komplex von Marstall, Gutshof, Schloss und Park – alles Bereiche, die eine neue Qualität erhalten sollen.

Dabei geht es nicht nur um Gestaltung, sondern vor allem um Funktion. „Städtebau ist mehr als das Anhübschen von Räumen“, so die Stadtplanerinnen Andrea Becker und Juliette Schickel.

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