Bad Oldesloe : Stadtmarketing - ohne Herzblut!

Björn Wahnfried: '215 000 Euro für Granittreppen,  für das Geld bauen andere ein ganzes Einfamilienhaus.'
Björn Wahnfried: "215 000 Euro für Granittreppen, für das Geld bauen andere ein ganzes Einfamilienhaus."

"Mittelpunkt zwischen den Metropolen" einstimmig zur neuen Marke gewählt / Erneute Kritik an Ina Weber

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29. Oktober 2011, 07:19 Uhr

Bad Oldesloe | Die Oldes loer Kommunalpolitiker und die städtische Fachfrau für Stadtmarketing - das wird wohl keine große Liebe mehr. Schon im Vorfeld der Hauptausschusssitzung hatte es wieder deutliche Kritik an Ina Weber gegeben. "Ich fand, dass die Mitglieder des Ausschusses sehr lieb mit unserer Marketingexpertin umgegangen sind", fasst Karl-Reinhold Wurch, Vorsitzender der FDP-Fraktion, den Sitzungsverlauf ironisch zusammen. Die Unzufriedenheit zieht sich durch alle Fraktionen. Birgit Reichardt-Mewes (CDU): "Ich hatte erwartet, dass ein Gewitter los geht, aber ich glaube, sie tat allen leid."

Ina Weber hatte im August vom Hauptausschuss einen klaren Auftrag bekommen. Sie soll ein Markenprofil entwickeln. Auch die Basis war vom Ausschuss vorgegeben: kurze Wege, gute Infrastruktur, breites Naherholungs angebot, zentrale Lage zwischen Hamburg und Lübeck sowie die kurze Entfernung zur Ostsee. Heraus kamen drei Vorschläge: Kompakt und Bequem, Naherholung sowie als drittes Mittelpunkt zwischen den Metropolen und nah an der Ostsee. Dazu hatte sie dann gleich jeweils einige Sloganvorschläge gemacht. "Alles da, alles nah", oder "kleine Wege, große Vielfalt", "die grüne Insel", "Leben und Arbeiten an einem Ort"...

Da gab es für die Ausschussmitglieder nicht viel zu diskutieren, der "Mittelpunkt zwischen den Metropolen" soll es als Marke sein. Auch wenn Wilfried Janson von den Grünen bemängelte: "Die Vorschläge waren wenig aufbereitet, das war mager, da hätte man mehr erwartet." Alle anderen stimmten dafür, er enthielt sich. "Mir hätte eine mehr ökologische Ausrichtung zugesagt", begründet er seine Haltung. "Ich hatte das Gefühl, dass sie sich nicht genug vom Vorhandenen lösen kann. Ihr fehlt der Mut zu neuem Denken", kritisierte die SPD-Fraktionsvorsitzende Maria Herrmann.

Mit der Festlegung auf die Marke ist die Arbeit natürlich nicht getan. "Das muss Ina Weber jetzt ordentlich unterfüttern", stellt CDU-Fraktions-Chef Horst Möller klar. Stadtmarketing soll zukünftig jeden Monat auf der Hauptausschuss-Tagesordnung stehen

Die von der Politik beschlossene Marke, da waren sich alle einig, scheint nicht der Favorit der Marketingexpertin gewesen zu sein. Maria Herrmann: "Es ging ihr nicht darum, was am besten für Bad Oldesloe ist, sondern was sich am leichtesten vermarkten lässt." Birgit Reichardt-Mewes sieht es ähnlich: "Da ist kein Herzblut drin. Aber gerade das macht doch Marketing aus. Es soll Gefühle ansprechen. Auf die Art und Weise kommen wir nicht voran."

Ausschussvorsitzender Björn Wahnfried verbreitet Zuversicht: "Wir sind auf dem Weg, der langsam ein Ziel erkennen lässt. Das hätte ich vor zwei Sitzungen nicht erwartet." Die Politiker beschlossen, dass zu Jahresbeginn konkrete Vorschläge präsentiert werden, wie die neue Marke genutzt werden könnte. Im Frühjahr soll dann mit der Umsetzung begonnen werden. Zusätzlich soll ein Angebot eingeholt werden, wie viel eine Begleitung durch eine externe Beraterfirma kosten würde.

"Wir waren uns alle einig, die Arbeit der Verwaltung fördern zu wollen", formulierte es Karl-Reinhold Wurch salomonisch. Horst Möller: "Wir wollen da alle ran, deshalb ist Geld in gewissen Grenzen erst mal zweitrangig."

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