Reinfeld : Stadt setzt ein Zeichen

Das Interesse an den Fairtrade-Produkten war groß. Fotos: fsh
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Das Interesse an den Fairtrade-Produkten war groß. Fotos: fsh

Fast 200 Gäste kamen zum Neujahrsempfang und der Urkundenübergabe für die neue „Fairtrade-Stadt“.

shz.de von
09. Januar 2018, 06:00 Uhr

Neuer Besucherrekord beim Neujahrsempfang. Lag es am Nachmittagstermin oder daran, dass die Karpfenstadt mit der Auszeichnung Fairtrade-Stadt geehrt wurde? Fast 200 Gäste aus Reinfeld und den Gemeinden Nordstormarns kamen in die Mensa der Immanuel-Kant-Schule, informierten sich an den Ständen der lokalen Fairtrade-Geschäfte, kamen miteinander ins Gespräch, lauschten der Musik der „Golden Sugar Birds“ oder machten in einem Grußwort auch mal ihrem Unmut Luft – wie SV-Preußen-Vorsitzender Adelbert Fritz, der monierte, dass der versprochene Kunstrasen für die maroden Sportplätze immer noch nicht in den Haushalt eingestellt sei. „Jetzt hakt es an der Umsetzung“, bedauerte er.

Albrecht Werner von der Initiative „Pro Asyl“ machte darauf aufmerksam, dass es zwar weniger Flüchtlinge in Reinfeld gebe, die Bedarfe aber nicht weniger geworden seien, sich jedoch auf Themen wie Ausbildung, Schule, Gesundheit und Arbeit verlagert hätten. Bürgermeister Heiko Gerstmann bedankte sich bei allen Ehrenamtlichen. Ohne sie sei die Stadt nicht so lebendig. Viele Reinfelder empfänden ihre Stadt als Heimat, in der sie sich wohlfühlten. „Das ist ein hohes Gut, das es zu bewahren gilt“, so der Bürgermeister. Nach der fehlenden Eröffnungsbilanz im vergangenen Jahr, der daraus resultierenden teilweisen Handlungsunfähigkeit von Verwaltung und Politik, einem spät verabschiedeten Haushalt 2017, der noch vom Kreis genehmigt werden müsse, hoffe er nun, dass alles schnell wieder zu einem gewohnten Rhythmus zurückfinde und in ein bis zwei Jahren eine „normale Haushaltsgenehmigung“ erteilt werden könne.

Höhepunkt war anschließend die Verleihung der Auszeichnung „Fairtrade-Stadt“ durch Ehrenbotschafter Manfred Holz. „So einen Titel bekommt man nicht geschenkt“, betonte der Botschafter, diverse Kriterien habe die Karpfenstadt erfüllen müssen, um die 21. Fairtrade-Stadt in Schleswig-Holstein zu werden. 522 gibt es in ganz Deutschland. „Wenn auf der Welt so viel geteilt würde wie auf Facebook, gebe es keine Armut“, so Holz. Das Engagement beginne bereits vor Ort. Diese Auszeichnung sei erst der Anfang Das Ziel sei, immer mehr Händler und Vereine für Fairtrade zu gewinnen. In zwei Jahren muss der Titel außerdem erneuert werden. Holz: „ Visionen ohne Aktionen bleiben nur Illusionen.“

Ines Knoop-Hille von den Grünen, von denen Anfang 2016 die Initiative ausging, erinnerte an die Anfänge. Es wurde eine Steuerungsgruppe gegründet, die mit Beharrlichkeit Vereine und Geschäfte in Reinfeld für den Gedanken Fairtrade gewinnen konnte. Zahlreiche Geschäfte führen inzwischen Produkte mit dem Fairtrade-Siegel, Vereine wie die Landfrauen Reinfeld machen ebenfalls mit, zwei Restaurants servieren Fairtrade-Kaffee, die Kirchengemeinden beteiligen sich mit Aktionen. „Diesen Titel gibt es nicht für lau. Reinfeld hat mit Bravour bestanden“, betonte der Botschafter und erntete für den Satz „Die Top-Nachricht zum Schluss: Reinfeld spielt jetzt neben London, Madrid und Brüssel in der Champions League“ viele Lacher und tosenden Applaus.

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