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Ahrensburg : Stadt kauft Speicher: Millionengrab oder Zukunftsprojekt?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der reine Kaufpreis ist ein Schnäppchen. Aber das dicke Ende wird vermutlich in Form von Folgekosten noch kommen.

Nun also doch: Die Stadt nimmt die Rückkaufoption für den „Alten Speicher“ hinter dem Marstall in Anspruch. Finanz- und Bauausschuss hatte den Kauf wegen fehlender Nutzungskonzepte und unklarer Folgekosten abgelehnt, die Stadtverordneten entschieden sich nach langer Diskussion und in namentlicher Abstimmung mit 15 Ja- (SPD, Grüne und WAB) gegen elf Neinstimmen (CDU und FDP) dafür.

Von den rund 570  000 Euro muss die Stadt nur 180  000 Euro übernehmen, 390  000 Euro kommen aus dem Städtebauförderungs-Programm, in das die Stadt aufgenommen wurde. Das 120 Jahre alte, als erhaltenswert eingestufte Gebäude hatte die Stadt 1999 für eine Million Mark an das Parkhotel verkauft. Die geplante Hotelerweiterung wurde jedoch nie realisiert. Weil die Frist für einen B-Plan auslief, vereinbarten Eigentümer und Stadt 2005 eine zehnjährige Rückkaufoption, die in zwei Wochen ausgelaufen wäre.

„Mit dem Speicher bietet sich die Chance für ein neues städtebauliches Ambiente“, hatte Peter Egan (WAB) die überraschende Kehrtwendung seiner Fraktion begründet. „Die Entwicklungsmöglichkeiten sind größer als das Risiko“, so Egan, „wenn wir nicht kaufen, gerät das gesamte Städtebauförderungs-Programm in Schieflage.“

Die CDU sprach sich vor dem Hintergrund gesunkener Gewerbesteuern und einer notwendigen Kreditaufnahme im kommenden Jahr klar gegen den Rückkauf aus. „Wenn wir so weiterarbeiten, besteht die Gefahr, dass wir andere Einrichtungen schließen müssen“, warnte Christian Conring vor einem „potenziellen Millionengrab“. Auch die FDP lehnt einen Kauf ab. „Das kommt für uns nicht in Frage. Wenn es nur der städtische Anteil von 180  000 Euro wäre – na gut. Aber niemand kennt die Folgekosten“, mahnte Thomas Bellizzi.

Jörg Hansen (Grüne) hielt dagegen: „Das Schlossensemble unterscheidet Ahrensburg von anderen Städten. Aus städtebaulicher und denkmalpflegerischer Sicht sollten wir uns diese Chance nicht entgehen lassen.“ Auf das erhaltenswerte gesamte Ambiente des Gutshof wies Hartmut Möller (SPD) hin, betonte aber zugleich, dass der Speicher nicht ständig am städtischen Tropf hängen dürfe. „Es muss eine Nutzung gefunden werden, die sich selbst trägt.“

Auch bei den Kosten für Sanierung, Um- und Ausbau tappten die Politiker im Dunkeln. In der Debatte wurden Summen zwischen 2,5 und vier Millionen Euro genannt, die im besten Fall zu zwei Dritteln durch die Städtebauförderung finanziert werden können. Mit ihrer Zustimmung haben die Stadtverordneten jedenfalls im Sinne der Ahrensburger votiert – bei der Bürgerwerkstatt im November gab es eine große Mehrheit für den Erhalt des Speichers.

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