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Bad Oldesloe : St. Jürgen: Zimmer frei, aber kein Platz für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Stadtverwaltung sucht nach freien Wohnungen. Im St. Jürgen Stift stehen Zimmer frei. Doch bei der Heimaufsicht stößt sie angeblich auf Widerstand.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2015 | 17:02 Uhr

Das St. Jürgen-Stift am Oldesloer Kirchberg steckt in finanziellen Problemen. Gleichzeitig gibt es in der Pflegeeinrichtung noch freie Zimmer. Die Stadt Bad Oldesloe sucht derweil nach freien Wohnungen für Flüchtlinge. Das brachte die Bauausschussvorsitzende Maria Herrmann (SPD) zu dem Vorschlag, dass man prüfen sollte, ob die Flüchtlingsunterbringung in St. Jürgen nicht eine „Win- Win-Situation“ wäre.

Bürgermeister Tassilo von Bary beantwortete diese Anfrage: „Es wird nicht funktionieren. Mir wurde mitgeteilt, dass die Heimaufsicht protestieren würde.“ Eine Antwort, die Herrmann als ungenügend erachtete. Vor allem weil von Bary vage in seinen Aussagen blieb. „Meinte er die Heimleitung oder die Heimaufsicht? Er hat beide Begriffe benutzt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Heimleitung widersprechen würde, wenn der Vorstand das so beschließt“, so Hermann. Sie wolle daher eine schriftliche, konkrete Stellungnahme von St. Jürgen zu dem Thema. „Mit uns hat niemand aus der Verwaltung gesprochen. Ich kenne Herrn von Bary und Frau Herrmann nicht persönlich. Wenn der Vorstand das so beschließen würde, würden wir es so ausführen, wenn die Heimaufsicht es erlaubt. Wer behauptet, wir würden nicht helfen wollen, sagt die Unwahrheit. Allgemein hätte ich mir gewünscht, dass die Lokalpolitiker sich mal melden oder sich die Situation in der Einrichtung anschauen“, sagt Einrichtungsleiter Harald Krüchten.

„Ich habe einen Brief vom St. Jürgen-Vorstand bekommen. Mit wem der abgeklärt ist, kann ich nicht sagen. In ihm steht, dass es nicht möglich ist, Flüchtlinge unterzubringen. Sollte es passieren, werde es Widerspruch durch die Heimaufsicht geben“, so Bürgermeister von Bary. „Tatsächlich habe ich nicht mit der Heimleitung gesprochen. Das kann nur ein Missverständnis gewesen sein“, stellt er klar. Dass er jetzt noch eine schriftliche Begründung einholen soll, finde er „übertrieben“. Er habe wenig Verständnis dafür, dass „das Thema zum Politikum aufgeblasen wird.“

„Wir haben die Anfrage bekommen und uns – wie es bei uns im Vorstand üblich ist – seriös mit dem Thema beschäftigt“, stellt der Stiftungs-Vorstandsvorsitzende Rainer Fehrmann klar. „Ich bin bei der Heimaufsicht vorstellig geworden und man hat mir gesagt, dass wir auf Widerstand treffen würden. Der Zugang zu dem Wohntrakt ist nur durch den Pflegebereich möglich und das ist unzulässig“, so Fehrmann. „Es sind Zeiten, in denen man helfen muss, wenn man kann,. Ich finde es schade, dass nun unterstellt wird, dass wir nicht wollen. Aber momentan bekommen wir es ja bei jeder Gelegenheit sowieso von rechts und links“, führt er weiter aus. „Ich bin sehr verwundert, dass nur wir ins Gespräch gebracht werden. Was ist denn mit anderen Senioren- oder Pflegeheimen? Wird da nicht nachgefragt, ob Zimmer frei sind?“, sagt Fehrmann. „Wir sind als St. Jürgen autark in unseren Entscheidungen. Aber das wird offensichtlich nicht von allen akzeptiert“, so Fehrmann weiter. „Zusammengefasst kann man sagen, dass wir die Zimmer nicht zur Verfügung stellen können. Das ist das Ergebnis der Überprüfung. Wir hätten auch gar nicht auf diesen Wunsch der SPD eingehen müssen, aber das wäre nicht unser Stil“, sagt Fehrmann.

Maria Herrmann gibt sich indes mit der Antwort nicht zufrieden. „Wenn der Vorstand signalisiert hätte, dass er dafür ist und die richtigen Zeichen setzt, dann hätte vielleicht auch die Heimaufsicht sich anders verhalten. Das wäre dann eine Hürde, die man angreifen könnte“, sagt sie. „Ich bezweifle, dass wirklich der Wille besteht, dort Flüchtlinge unterzubringen. Und ich bleibe dabei, dass es eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten wäre. Auch die Begegnung mit den Senioren sehe ich eher als Gewinn, als als Problem.“  

 

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