Bad Oldesloe : St.-Jürgen-Vorstand hält an Verkaufsplänen fest

Der idyllisch gelegene Neubau macht der Stiftung heute Probleme.
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Der idyllisch gelegene Neubau macht der Stiftung heute Probleme.

„Vielversprechend aber nicht übertragbar“ – Ideen vom runden Tisch konnten Führungsgremium der Oldesloer Traditions-Stiftung nicht überzeugen.

Andreas Olbertz. von
25. Juli 2015, 06:00 Uhr

„Es ist traurig“, sagt Moderator Wulf Dau-Schmidt: „Da ist eine Chance drin. Da liegen ganz viele Möglichkeiten, die verpasst wurden.“ Angesichts der drohenden Pleite der St.-Jürgen-Stiftung (wir berichteten) ist er von der Stadt engagiert worden, um einen runden Tisch zu moderieren. Besonders die von Projektentwickler Dr. Tobias Behrens, Stattbau Hamburg, vorgestellten Ideen beispielsweise zu Wohnpflegegemeinschaften, überzeugten die Teilnehmer.

Da der Stiftungsvorstand an den Treffen nicht teilnimmt, gab es jetzt ein separates Gespräch mit dessen Mitgliedern. „Das war anregend und vielversprechend“, sagt Bürgerworthalter und Stiftungsvorstand Rainer Fehrmann: „Da waren gute Modelle dabei. Aber die sind in keinem Punkt auf St. Jürgen übertragbar.“ Die Hamburger Projekte hätten einen Vorlauf von fünf bis zehn Jahren gehabt, andere Größen, Fördermittel und nicht das Problem mit den Bewohnern. „Die Brandschutzauflagen sind unser Damoklesschwert“, macht Rainer Fehrmann zudem deutlich.

„Es war keine Bereitschaft da, das Fass noch mal aufzumachen“, formuliert es Dr. Behrens: „Ich habe nur mitbekommen, dass jedes Jahr Verluste gemacht werden. Die Stiftung schlägt sich seit Jahren, eigentlich Jahrzehnten, mit ihren Problemen herum und hat angeblich alles geprüft.“ Das müsse er akzeptieren. Ob es nicht doch Alternativen zu einem Verkauf gebe, könne er ohne detaillierten Blick in die Bücher nicht sagen. Ein „mittelfristiger Zeithorizont“, das ist unstrittig, sei selbstverständlich nötig.

„Die Stiftung sagt, sie steht mit dem Rücken zur Wand. Wir haben keinen Einblick, wie weit die Wand noch weg ist“, formuliert es Wulf Dau-Schmidt: „Eine Zukunftsplanung macht keinen Sinn, wenn man das Messer schon am Hals hat. Vor zehn Jahren ist schon mit dem Neubau eine Fehlentscheidung getroffen worden, als die gesamte Branche bereits wusste, dass solche Einrichtungen nicht lebensfähig sind.“

Der St-Jürgen-Betrieb verursacht jährlich 155  000 Euro Verlust, den die Stiftung decken muss. Die Erlöse aus ihrem Vermögen sind aber nur etwa halb so groß – ein sogenannter „Verzehr“ ist die Folge und das Ende damit lediglich eine Frage der Zeit. Obendrein würde die Umsetzung von Brandschutzauflagen rund 400  000 Euro kosten. Also bleibt doch nur ein Verkauf? Laut Rainer Fehrmann sollen in Kürze konkrete Verhandlungen mit einem Oldesloer Investor aufgenommen werden. „Wir verkaufen nicht die nackte Immobilie, sondern eine Immobilie plus Oldesloer Werte“, betont der Stiftungsvorstand: „Der größte Klotz dabei ist die Altersvorsorge.“ Knapp 1,5 Millionen Euro müssen dafür bereit gestellt werden. Wenn der Verkauf gelinge, „dann hat St. Jürgen eine gute Zukunft als Stiftung“, ist sich Fehrmann sicher.

Wulf Dau-Schmidt ist davon nicht überzeugt. „Das mit den Werten dauerhaft zu erreichen, wird eine der schwierigsten Angelegenheiten“, weiß er aus Erfahrung: „Küche und Wäscherei kommen als erste weg. Vielleicht hat es der Käufer dann ein bisschen einfacher.“ Auch Dr. Tobias Behrens äußert Zweifel: „Die Synergie-Effekte sind in meinen Augen nicht ausreichend.“

In der Konsequenz sind sich alle einig, dass entsprechende Vorkehrungen getroffen werden müssen. Rainer Fehrmann: „Wenn der Verkauf zweckentfremdet werden sollte, muss die Stadt jederzeit Zugriffsrecht haben.“ Und an einem weiteren Punkt herrscht Einigkeit: Der runde Tisch muss losgelöst von St. Jürgen fortgesetzt werden. Dort entwickelte Ideen könnten zum Beispiel für das VHS-Gebäude zum Tragen kommen.

Auf Seiten der Verwaltung werden Vorbereitungen getroffen, um im Verkaufsfall ein Vorkaufsrecht ausüben zu können. „Sobald mir was vorliegt, werden wir im Bauausschuss tätig“, kündigt Bürgermeister Tassilo von Bary an: „Das ist politischer Wille.“

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