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Stormarner Tageblatt

21. Oktober 2017 | 20:21 Uhr

Bad Oldesloe : St.-Jürgen-Verkauf steht bevor

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Heimbetreiber Mike Pitz ist erstaunt, dass der Stiftungsvorstand nur mit Riedel über den Kauf des Altenheims verhandelt. Die Stadt stellt der Stiftung zukünftig die Leistungen der Kämmerin in Rechnung.

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erstellt am 19.Nov.2015 | 18:38 Uhr

Wird heute alles unter Dach und Fach gebracht? Bekanntlich steckt das St.-Jürgen-Pflegeheim am Kirchberg in finanziellen Problemen, hat mit kostspieligen Brandschutzauflagen zu kämpfen. Da ein wirtschaftlicher Betrieb der kleinen Einrichtung nicht möglich ist, plant der Stiftungsvorstand den Verkauf. Die Pflegeheime Riedel GmbH ist der Wunschpartner. Heute geht es in die zweite konkrete Verhandlungsrunde – Vertragsabschluss nicht ausgeschlossen.

Als Übergabetermin wird das zweite Quartal 2016 angepeilt. „Wir sind über den Berg“, erklärt Stiftungsvorsitzender Bürgerworthalter Rainer Fehrmann. Der größte Knoten sei die Altersversorgung des Personals. Fehrmann: „Das ist sehr kompliziert, aber wir haben das vertraglich hinbekommen. Der Punkt ist gelöst.“

Vom Pferdemarkt aus beobachtet Mike Pitz die Verhandlungen gespannt. Der Chef der Haus Ingrid-Gruppe (HI) hatte ebenfalls Interesse an einer Übernahme von St. Jürgen bekundet. „Anfang März habe ich eine Interessensbekundung abgeschickt, aber nichts mehr davon gehört“, sagt Pitz: „Ich bin Vollblutunternehmer, ich habe eine Kaufmannsehre. Wenn ich einen Brief nicht beantwortet bekomme, treibt mir das Fragezeichen auf die Stirn.“ Also hakte er nach, doch auch darauf kam lange keine Antwort. Für den Geschäftsmann ist klar: „Eigentlich müsste die Stiftung das doch meistbietend verkaufen.“ Offensichtlich ist das nicht gewollt.

Rainer Fehrmann bestätigt: „Herr Pitz hat wie viele andere auch Interesse angemeldet. Aber er hat kein konkretes Angebot abgegeben.“ Der Vorstand habe eine Reihenfolge festgelegt, nach der Gespräche geführt werden. „Weil wir wussten, es werden nicht-alltägliche Verhandlungen“, so Fehrmann.

Um sich konkret äußern zu können, hätte Mike Pitz Zahlen von der Stiftung erwartet. „Brandschutz kann ein Fass ohne Boden werden. Ich brauche Gebäudezeichnungen, prüffähige Unterlagen der vergangenen drei bis fünf Jahre, wie sind die Verbindlichkeiten? Ich weiß, dass die hohe Pflegesätze haben. Die sind relativ teuer.“

Immer wieder hatte der Stiftungs-Chef in der Vergangenheit betont, dass es nicht in erster Linie ums Geld gehe, vielmehr spielen die „Oldesloer Werte“ eine wichtige Rolle. Das verärgert Mitbewerber Mike Pitz erst recht: „Wenn jemand sagt, er legt Wert auf Oldesloer Werte und nur mit einem regionalen Betreiber Gespräche führt, da kann ich mich schon düpiert fühlen.“ Im Klartext bedeutet das nämlich: Die Stiftung sieht nicht, dass die HI-Gruppe für Oldesloer Werte stehen kann. Mike Pitz betrachtet es mittlerweile sportlich: „Das Rennen läuft, ich gucke nur zu. Die Riedel-Gruppe macht seriöse, gute Arbeit.“

Der Hauptausschuss musste sich jetzt auch wieder mit dem Thema St. Jürgen befassen. Die Grünen beantragten, dass die Stadt keine kostenlosen Verwaltungsleistungen für die Stiftung mehr zur Verfügung stellt – immerhin belasten die Tätigkeiten der Kämmerin und ihres Vertreters den Haushalt mit 60  000 Euro jährlich. Bürgermeister Tassilo von Bary hatte bereits angekündigt, dass er städtisches Personal von der Stiftung abziehen wolle, jetzt musste er einen Rückzieher machen. „Ich habe mich rechtlich beraten lassen und kann das nicht halten“, erklärte er. Die Tätigkeit der Kämmerin sei in der Satzung festgeschrieben. Die könne die Stadt nicht einseitig ändern, sondern nur im Einvernehmen mit der Stiftung. Aber er sei „positiver Dinge, dass wir da was zu Wege bringen“.

Mit deutlicher Mehrheit wurde die Verwaltung aufgefordert, entsprechende Verhandlungen aufzunehmen. Ab nächstem Jahr sollen die städtischen Leistungen der Stiftung in Rechnung gestellt werden. Wie Rainer Fehrmann bestätigte, sei auch der Stiftung an einer Satzungsänderung gelegen, zur Zeit genieße der Verkauf aber Priorität.

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