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Bad Oldesloe : St. Jürgen-Heim: Verkauf in letzter Sekunde geplatzt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Haus Riedel schickte kurz vor Vertragsunterzeichnung eine E-Mail mit der Absage. Nun läuft der Stiftung die Zeit weg

von
erstellt am 07.Mär.2016 | 05:45 Uhr

Der Verkauf des Alten- und Pflegeheims St.-Jürgen ist kurz der Ziellinie gescheitert. Eigentlich wollte der Vorstand der Stiftung St.-Jürgen-Hospital Anfang März die Nachricht verkünden, dass die Verträge unterzeichnet sind und das Haus Riedel die Einrichtung am Oldesloer Kirchberg zum 1. Mai übernimmt. Zwei Tage vor dem zweiten Notartermin kam dann eine E-Mail aus dem Haus Riedel an, dass man St. Jürgen doch nicht übernehmen werde. „Dass ist unfassbar“, sagt ein immer noch erschütterter Rainer Fehrmann. Oldesloer Bürgerworthalter und damit automatisch Vorsitzender der St. Jürgen-Stiftung.

„Wir sind fassungslos. Es hat nie den Anschein gegeben, dass es nicht klappen könnte“, sagt Fehrmann. Mehr als ein Jahr sei in harmonischer Atmosphäre einvernehmlich und zielgerichtet verhandelt und ein ruhiger und fairer Eigentümerwechsel vorbereitet worden. Immer wieder sei von beiden Seiten festgestellt, St. Jürgen trotz und wegen seiner Besonderheiten sowie unter Beibehaltung des traditionellen Charakters weiterführen zu wollen.

Die 700 Jahre alte Stiftung mit dem historischen Gebäuden von 1877 und dem Neubau von 2004 am Kirchberg war in den letzten Jahren ins Minus gerutscht. In dem zwei Millionen Euro teuren Neubau gibt es neben 37 Pflegeplätzen auch 13 altengerechte Appartements, von denen aber nur die Hälfte vermietet ist. Der Betrieb insgesamt verursacht ein jährliches Minus von über 150  000 Euro, das die Stiftung decken muss. Die Erlöse aus dem Vermögen sind aber nur etwa halb so groß, so dass das finanzielle Aus nur eine Frage der Zeit ist.

Das ist aber noch nicht alles. Hinzu kommen ein Investitionsstau von bis zu 300  000 Euro und Brandschutzauflagen, die seit Jahren nicht umgesetzt werden, weil man sich die kalkulierten 400  000 Euro nicht leisten kann. Mit dem Verkauf wollte sich die Stiftung ihrer Schulden und Verpflichtungen entledigen, um sich wieder auf die historische Kernaufgabe zu konzentrieren: Bezuschussung von alten und pflegebedürftigen Oldesloern.

Ein Grund für die Defizite war und ist allerdings auch die Bezahlung des Personals nach den Tarifen und zu den Bedingungen des öffentlichen Dienstes. Die Übernahme des Personals zu den jetzigen Konditionen machte man zu einer Bedingung für einen Verkauf. Größter Klotz bei den Verhandlungen war die Altersvorsorge. Für die Rentenverpflichtungen muss ein Investor rund 1,5 Millionen Euro „mitbringen“. Im November schien alles in trockenen Tüchern. Man habe das Problem gelöst, sagte Fehrmann vor drei Monaten: „Wir sind über den Berg.“

Durch die überraschende Absage steht der Stiftungsvorstand jetzt vor einem Scherbenhaufen. „Am schwierigsten war des, diese Nachricht den 32 Mitarbeitern zu überbringen, die sich immer loyal verhalten haben.“ Zwar hatte es zwei weitere Kaufinteressenten gegeben, gesprochen hatte man aber nur mit dem Haus Riedel. „Innerhalb kürzester Frist“ will der Vorstand jetzt neue Verkaufsgespräche mit „ein oder zwei Interessenten“ aufnehmen. Die Chancen, die so genannten „Oldesloer Werte“ in neuen Verhandlungen durchzusetzen, dürften jetzt aber wesentlich gesunken sein, denn die Stiftung steht unter Zeitdruck. „Vielleicht noch zwei bis drei Monate“ habe man Zeit, sagt Fehrmann. Bevor man in die Insolvenz rutsche, gebe es zwar noch „zwei oder drei Rückfallebenen, aber die wollen wir alle nicht.“

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