Bilanz : SSC-Coach Schmal: „Abstieg war vermeidbar“

War nach seinem Kreubandriss nicht zu ersetzen: Hagens Innenverteidiger Christopher Lindenau.
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War nach seinem Kreubandriss nicht zu ersetzen: Hagens Innenverteidiger Christopher Lindenau.

Michael Schmal, Trainer des SSC Hagen Ahrensburg, begründet schwache Saison in der Fußball-SH-Liga mit falscher Kaderplanung und Verletzungen.

shz.de von
28. Juni 2014, 08:00 Uhr

Eine ungeschriebene Regel lautet: Die zweite Saison in einer Fußball-Spielklasse nach dem Aufstieg ist die schwerste. Dies musste in der abgelaufenen SH-Liga-Spielzeit auch der SSC Hagen Ahrensburg erfahren, der als Tabellen-16. (29 Punkte, 38:74 Tore) den Gang zurück in die Verbandsliga antreten musste. Im Gespräch erläutert Trainer Michael Schmal, der im Oktober 2013 Cheftrainer Jan Jakobsen beerbt hat, die Gründe für den Abstieg, welche positiven Aspekte er dennoch mitgenommen hat und wie es beim SSC weitergeht.

Michael Schmal, Sie haben im Oktober Jan Jakobsen abgelöst, als das Team schon tief im Tabellenkeller steckte – war das letztlich doch zu spät, um Ihre Philosophie von Fußball mit der Mannschaft umzusetzen und den Abstieg zu verhindern?

Ach, das hört sich immer so romantisch an. Natürlich hat man als Trainer eine gewisse Vorstellung davon, wie man spielen lassen will, aber letztlich ist man darauf angewiesen, welche Spieler man zur Verfügung hat. So habe auch ich dazugelernt. Vielleicht hätte ich das Team das ein oder andere Mal nicht so tief beginnen, sondern offensiver spielen lassen sollen. Der Abstieg war vermeidbar, aber der Kader war insgesamt nicht ausgeglichen genug besetzt.

Inwiefern war das dann ausschlaggebend für den Abstieg?

Ein Teil des Genickbruchs für uns war einfach, dass nach meinem Amtsantritt mit Daniel Scharf, Niko Leptien, Hauke Iwersen und Christopher Lindenau vier Stammspieler mit Muskelbündelriss oder Kreuzbandrissen langfristig ausgefallen sind. Die konnten wir nicht adäquat ersetzen. Genauso, dass uns in der Rückrunde Victor Janelt verlassen hat und auch Robert Scheel aufgrund seines Studiums in Heidelberg nicht mehr zur Verfügung stand. So kam dann eines zum anderen, die Qualität war nicht mehr da. Uns hat die Substanz gefehlt, auf bestimmte Situationen reagieren zu können.

Sie haben unter der Saison bereits angemerkt, dass einige Spieler sich ihrer Stammplätze zu sicher waren.

Vielleicht haben einige im Training aber nicht mehr die letzten Prozent herausgekitzelt, was sich dann auch auf das Spiel übertragen hat. Aber klar ist auch: Die Einstellung der Spieler war immer gut. Es kam nur hinzu, dass wir zwar Chancen kreiert, aber zu wenige Tore geschossen haben.

Zwischenzeitlich hatte Ihre Mannschaft aber wieder alles in der eigenen Hand – und hat im Endspurt die nötigen Punkte nicht mehr eingefahren. War der Druck zu groß?

In den letzten Spielen war einfach irgendwie die Luft raus, das ist dumm gelaufen.

Ab welchem Zeitpunkt haben Sie sich denn mit der Verbandsliga beschäftigt?

Als Trainer muss man ja immer zweigleisig planen in so einer Situation. Aber der Fokus lag natürlich auf dem Klassenerhalt. Wir haben in der Rückrunde schließlich gute Leistungen gezeigt, den PSV Neumünster geschlagen. Allerdings haben wir da auch unser hässliches Gesicht gezeigt, zum Beispiel gegen Altenholz.

Da Sie es schon ansprechen: Welche positiven Aspekte nehmen Sie denn aus dieser insgesamt enttäuschenden Saison mit?

Dass wir mit unserer Philosophie auch in der Oberliga mithalten können. Wie junge Spieler wie der A-Jugendliche Tom Gottlob und Dren Hoti in der Innenverteidigung oder Spieler aus der zweiten Mannschaft wie Paul Kappner aufgetreten sind, war vielversprechend. Der Verein ist mit der SH-Liga gewachsen und enger zusammengerückt. Der Abstieg hat uns auch ein Stück weit nach vorn gebracht. Der Zusammenhalt ist größer geworden, wir sind als Verein offener für neue Dinge und uns bewusst geworden, was den Verein ausmacht: Identifikation, Spieler, die aus der eigenen Jugend nachrücken.

Wie geht es nun weiter beim SSC? Kommt der komplette Neuaufbau?

Es wird einen kompletten Neuaufbau geben mit dem Wissen und der Erkenntnis, wie interessant die SH-Liga für uns ist. Dass uns mit Robert Block, Hamed Moklis oder Vincent Janelt zum Beispiel wichtige Spieler verlassen, ist normal. Spieler orientieren sich nach einem Abstieg nunmal manchmal neu. Deshalb brechen wir nicht auseinander. Wir wissen, was gut war und was es noch zu verbessern gibt.

Wie lautet denn die Zielsetzung für die kommende Saison?

Wir müssen Geduld beweisen. Wer die nicht mitbringt, ist Fehl am Platze. Wir wollen die Basis legen, ein Team formen, das den Sprung in die SH-Liga schaffen kann. Aber auch, wenn wir oben mitspielen ohne aufzusteigen, ist das positiv. Der Aufstieg wird nicht die Messlatte sein, die zu überspringen ist. Wir wollen lieber gesund wachsen. Ganz klar: Wir wollen wieder zurück in die SH-Liga. Die Frage ist halt, wann das geling.


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