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Betriebsgeheimnisse gefährdet : Spione kommen aus dem Netz

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Datenklau via Internet ist ein zunehmendes Risiko für Unternehmen. Laut IHK zu Lübeck ist jedes dritte Unternehmen im Norden bereits betroffen. Mittelständler besonders bedroht.

Die Spione kommen heute anders daher als noch zu Zeiten des Kalten Krieges: Nicht im Trenchcoat und Schlapphut, sondern als Computer-Fachleute. Sie greifen vermehrt Firmennetzwerke an, kopieren Daten und „hinterlassen im Netz regelmäßig keinerlei Spuren“, sagt Thomas Balk vom Bereich Standortpolitik der IHK Kiel. Auch für Lübecker Unternehmen sei oftmals nicht offensichtlich, ob bei Hacker-Angriffen über das Internet Konkurrenzfirmen oder ausländische Geheimdienste dahinterstecken. „Die Gefahr der lautlosen Angriffe und die eigene Betroffenheit wird zu gering eingeschätzt.“ Große Konzerne schützen in der Regel ihr Wissen besser als Mittelständler, so Balk.

Zu Details über konkrete Maßnahmen äußern sich die Lübecker Unternehmen generell gar nicht – wie im Fall des Labordiagnostika-Herstellers Euroimmun – oder nur zurückhaltend wie bei Dräger. „Wir nehmen unsere Verantwortung ernst, die Informationen und Innovationen unseres Unternehmens zu schützen“, sagt Pressesprecherin Melanie Kamann. Deshalb werde „viel Arbeit und Geld“ investiert, um ein Risikomanagementsystem zu etablieren, das bereits die Früherkennung von Geschäftsrisiken umfasse. Auch beim Technikzentrum Lübeck (TZL) sieht man sich gut aufgestellt. „Cyber-Angriffe hat es bei uns noch nicht gegeben“, sagt Geschäftsführer Dr. Raimund Mildner. Alle Unternehmen unter dem Dach des TZL würden sich untereinander gut kennen und jeweils eigene Server verwenden, so Mildner.

Vieles findet im Verborgenen statt. „Man muss die Schwachstellen im Unternehmen erkennen“, sagt IHK-Experte Thomas Balk.

Nur jedes fünfte Unternehmen in Deutschland, das Ziel eines Spionage-Angriffs wurde, zeigt den Vorfall überhaupt an, fand der Dienstleister Corporate Trust in einer Studie heraus. Die Firmen fürchten Imageschäden und Regressforderungen ihrer Kunden. Dabei ist bereits jedes dritte Unternehmen in Norddeutschland Opfer von Cyberattacken, so eine IHK-Unternehmensbefragung. Die Studie macht zudem deutlich, dass das Anzeigeverhalten der Unternehmen bei Cyberattacken sehr zurückhaltend ist. Die Hauptgründe dafür sind laut der Befragung der zu hohe Anzeigeaufwand, die Zweifel am Ermittlungserfolg der Behörden und schlichtweg Unkenntnis über die richtigen Ansprechpartner. „Man sollte aber keine Scheu haben und zur Polizei oder dem Landeskriminalamt gehen“, sagt Balk.

Die erfolgreichsten Wirtschaftsspione sind aber laut Bundesverfassungsschutz frustrierte Mitarbeiter oder Gäste aus Fernost. „Neben IT-Angriffen auf Netzwerke, Computer und Handys ist der Faktor Mensch nicht zu unterschätzen“, sagt Hans-Georg Maaßen, Chef des Inlandsgeheimdienstes.

 

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erstellt am 09.Sep.2013 | 13:00 Uhr

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