SPD-Frauen laufen zu den Piraten über

Sorgten für den ersten Knaller in der neuen Wahlperiode des Kreistages: die von der SPD zu den Piraten übergelaufenen Ilona Adamski (li.) und Susann Laatz mit dem bis kurz vor der Sitzung noch einzigen Piraten Dr. Siegfried Hansen. Ganz rechts: die neue Fraktion der Bürgerliste mit Martin Dethlefsen und Sven Baumann. Foto: Mehmel(3)
Sorgten für den ersten Knaller in der neuen Wahlperiode des Kreistages: die von der SPD zu den Piraten übergelaufenen Ilona Adamski (li.) und Susann Laatz mit dem bis kurz vor der Sitzung noch einzigen Piraten Dr. Siegfried Hansen. Ganz rechts: die neue Fraktion der Bürgerliste mit Martin Dethlefsen und Sven Baumann. Foto: Mehmel(3)

Steinburger Genossen reagieren geschockt und empört / Jusos fordern Adamski zum sofortigen Verzicht auf ihr Mandat auf

shz.de von
24. Juni 2013, 03:59 Uhr

Kreis Steinburg | Schockstarre in den Gesichtern der Steinburger Genossen: Erst wenige Minuten vor der konstituierenden Sitzung des Kreistages hatte die SPD-Fraktion um Rainer Naudiet erfahren, dass zwei ihrer bis dahin 13 Mitglieder klammheimlich zu den Piraten übergelaufen waren. Die Kremperheiderin Ilona Adamski und die Glückstädterin Susann Laatz erklärten per Pressemitteilung ihren Parteiaustritt. Gleichzeitig taten sie sich mit dem bisherigen Einzel-Abgeordneten Dr. Siegfried Hansen zu einer dreiköpfigen Fraktion zusammen. "Das ist wohl die schäbigste aller denkbaren Möglichkeiten", reagierte SPD-Abgeordneter und Kreisvorsitzender Rudolf Riep empört auf die Art und Weise, wie dieser Personalwechsel zustandegekommen war. Tatsächlich war offensichtlich der gesamte Kreistag nicht vorab informiert worden. Lediglich die Kreisverwaltung hatte einen Hinweis gekommen und mit Blick auf die künftige Sitzordnung im Kreistagssaal schon einmal Tische und Stühle neu sortiert.

Adamski und Laatz begründen ihren Schritt mit "unüberbrückbaren Differenzen mit der SPD-Fraktion". Sie betonen, dass es ihnen nicht leicht gefallen sei, nach so vielen Jahren ihre politische Heimat zu verlassen. Adamski: "Unter den vorherrschenden Bedingungen ging es einfach nicht mehr. Wir mussten die Reißleine ziehen." Was genau vorgefallen war, wurde zunächst nur hinter vorgehaltener Hand getuschelt. So sollen die beiden SPD-Frauen bei der Posten-Vergabe leer ausgegangen sein. Nach der Sitzung wurde Rudolf Riep dann deutlicher: "Dr. Hansen als erster Pirat, der immerhin für seine Partei auch gewählt wurde, hat sich zum Steigbügelhalter für zwei politische Wegelagerinnen gemacht - und guckt am Ende dumm aus der Wäsche." Riep spielte damit auf den Umstand an, dass Ilona Adamski bei der neuen Piraten-Fraktion auf Anhieb den Vorsitz übernommen hat. Da nun auch die Sitze in den Ausschüssen wegen der neuen Fraktions-Verteilung im Kreistag anders als ursprünglich geplant besetzt werden müssen, könnte Susann Laatz einen Platz im Hauptausschuss anstreben. Riep: "Das sind genau die Posten, für die beide in der SPD-Fraktion erfolglos kandidiert hatten." Riep macht aus seiner Empörung über den "perfiden Ablauf des Geschehens" keinen Hehl. Am Wochenende stimmten auch die Glückstädter Genossen in die Empörung ein. Ortsvor sitzender Michael Kühl: "Für mich steht hinter diesem Verhalten die Gier nach lukrativen Posten." Paul Roloff pflichtete dem bei: "Wir haben für Susann Wahlkampf gemacht. Dieses Verhalten finde ich unerhört."

Empörung auch bei den Steinburger Jungssozialisten: Arne Engelbrecht spricht von einer "Verzerrung des Wählerwillens". Er rechnet vor, dass nach den Ergebnissen der Kommunalwahl jeder Piraten-Abgeordnete jetzt gerade einmal 480 Wähler vertrete. Jeder der verbliebenen elf SPD-Abgeordneten könne hingegen 1339 Wähler hinter sich vereinen. Vor diesem Hintergrund fordern die Jusos die nur über die SPD-Liste in den Kreistag gekommene Ilona Adamski auf, ihr Mandat "unverzüglich niederzulegen und Platz für den rechtmäßigen SPD-Nachrücker, den Kollmaraner Dr. Klaus Kruse, zu machen.

Auf Antrag der SPD-Fraktion wurde die Besetzung sämtlicher Ausschüsse dann erst einmal auf Eis gelegt. Innerhalb der nächsten drei Monate muss der Kreistag aber darüber entscheiden. Bis dahin arbeiten die Ausschüsse in alter Besetzung weiter - auch wenn einige Abgeordnete inzwischen nicht einmal mehr dem Kreistag angehören.

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