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Stormarner Tageblatt

19. August 2017 | 22:48 Uhr

SPD-Fraktion wirft Hedwig Wieczorreck raus

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Gemeindevertreterin war anstelle der von der Fraktion favorisierten Kandidatin zur Ortsbeiratsvorsitzenden gewählt worden

In den 90er Jahren war Barsbüttels SPD für Zank und Streit bekannt. Erst als der heutige Landtagsabgeordnete Martin Habersaat 2001 den Vorsitz übernahm, kam wieder Ruhe in Ortsverein und Fraktion. Damit ist es jetzt wieder vorbei. Die Fraktion hat Hedwig Wieczorreck ausgeschlossen und auch ein Parteiausschlussverfahren in Gang gesetzt.

Grund für den Rauswurf: Hedwig Wieczorreck hatte sich als Vorsitzende des Ortsbeirats Willinghusen wiederwählen lassen. Dabei hatte sich die Fraktion für Martina Sönnichsen entschieden. Die wohnte in dem Ortsteil, gehört dem Ortsvorstand an, verpasste aber den Sprung in die Gemeindevertretung.

Hedwig Wieczorreck, die überhaupt erst durch ihre Tätigkeit im Ortsbeirat in die Politik gekommen war, teilte der Fraktion mit, nicht selbst kandidieren zu wollen, sich aber wählen zu lassen, wenn sie vorgeschlagen würde. Das tat die Grünen-Vertreterin, und mit deren sowie zwei CDU-Stimmen wurde die Lehrerin wiedergewählt. Das war im September, und seitdem grummelte es in der SPD. „Das schwelt schon lange, wurde aber nicht offen ausgesprochen. Es wurde immer nur nebulös geredet und Druck ausgeübt“, sagt die Willinghusenerin, die „enttäuscht“ ist über „ihre“ Genossen.

Die werfen ihr grundsätzlich zu viel eigenmächtiges Handeln vor. „Der Fraktionsvorsitzende Hermann Hanser machte Frau Wieczorreck gegenüber wiederholt deutlich, dass ihre Kandidatur ein Verstoß gegen die Richtlinien der Fraktion darstelle und in der Konsequenz zu einem Ausschluss aus der Fraktion und der Partei führen könnte“, heißt es in der Mitteilung der SPD.

In der Vergangenheit habe sie sich schon „mehrfach gegen Beschlüsse der Fraktion gestellt, ohne sich an die Richtlinien der Fraktion zu halten.“ Danach dürften Fraktionsmitglieder „natürlich“ abweichende Haltungen einnehmen, seien aber gehalten, diese frühzeitig mitzuteilen, um eine Diskussion zu ermöglichen. „Anders kann Politik nicht funktionieren“, sagt Hanser: „Parteien müssen verlässlich sein. Da kann nicht jeder spontan machen, was er will.“

„Elf Jahre bin ich in der Gemeindevertretung und habe kein mal anders abgestimmt“, sagt Wieczorreck, schränkt aber gleich ein: „Als Vorsitzende des Ortsbeirats habe ich dessen Position vertreten, zu Anfang aber nicht darauf hingewiesen, dass ich nun für den Beirat spreche.“ Beim Thema Spielplatz Willinghusen, der laut Fraktionsbeschluss verkauft werden soll, hatte Hedwig Wieczorreck, sich an die Richtlinien gehalten und angekündigt, in der Gemeindevertretersitzung am 27. Februar dagegen zu stimmen.

An der soll sie nach SPD-Meinung nicht mehr teilnehmen. „Wir appellieren an Frau Wieczorreck, ihr Mandat an die Partei zurückzugeben“, sagt Hermann Hanser. Sie habe zwar direkt gewonnen, die Wähler hätten aber „in erster Linie die SPD gewählt“, so Hanser.

„Es gab leider keine andere Lösung“, kommentiert Martin Habersaat den Ausschluss. Er hatte gemeinsam mit der Kreisvorsitzenden Susanne Danhier aus Bargteheide ebenfalls mit Hedwig Wieczorreck gesprochen. „Bei öffentlichen Ämtern sieht das Organisationsstatut der SPD ein Parteiordnungsverfahren bis zum Parteiausschluss vor, wenn man gegen jemanden kandidiert, der bereits nominiert ist“, erklärt Ortsvereinsvorsitzender Sebastian Bernt.

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erstellt am 12.Feb.2014 | 10:56 Uhr

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