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Bad Oldesloe : Sozialkaufhäuser sind selbst in Not

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Hier dürfen alle Bedürftigen und Flüchtlinge günstig einkaufen. Doch jetzt benötigt das „Brawo“ im Hölk dringend neue Ware und ist deshalb auf Spender angewiesen.

shz.de von
erstellt am 23.Mär.2016 | 06:00 Uhr

„Gespendete Ware wird selten so sinnvoll genutzt, wie hier bei uns“, erläutert Bodo Krüger, Awo-Projektleiter „Bildung und Arbeit“ gemeinnützige GmbH. Seit vier Jahren können Bedürftige im Sozialkaufhaus „Brawo“ im Hölk Dinge des täglichen Bedarfs für wenig Geld einkaufen – von Kleidung und Haushaltsgeräten bis zu Spielsachen und Büchern. Einzige Bedingung für den äußerst preiswerten Einkauf in dem etwas anderen Kaufhaus ist, dass die Kunden bedürftig sind und hinsichtlich ihres Einkommens unter die so genannte Armuts-, Gefährdungs- oder Risikogrenze fallen. In der Regel betrifft das Bezieher von Hartz IV und Flüchtlinge. Doch jetzt werden Waren langsam knapp, was nicht zuletzt einer besonderen Gutschein-Aktion der Awo geschuldet ist.

„Als im vergangenen Jahr die vielen Flüchtlinge kamen, wollten wir ein Zeichen der Willkommenskultur setzen und haben eine Gutschein-Aktion gestartet“, erzählt Bodo Krüger. Jeder Flüchtling, auch Kinder, erhält landesweit über die Sozialämter einen personalisierten Gutschein für die 18 Awo-Sozialkaufhäuser in Höhe von 15 Euro. Hier können sie dann die Gutscheine eintauschen für Dinge, die sie am nötigsten brauchen, sei es eine Jacke oder ein Kochtopf. „Inzwischen haben wir landesweit rund 8000 Gutscheine verteilt, für Stormarn sind es rund 400“, sagt Dr. Dieter Kienitz, Awo-Pressesprecher „Bildung und Leben“.

Hier können Bedürftige nicht nur in Bad Oldesloe, sondern auch im Sozialkaufhaus in Glinde einkaufen. „Warme Kleidung, vor allem für Kinder, geht ganz schnell weg. Da benötigen wir dringend Nachschub“, betont Thorsten Ehlers, neuer Leiter des Oldesloer Brawo-Kaufhauses. Außerdem würden dringend Geschirr, Bettzeug und Möbel benötigt. „Wir richten nämlich auch Wohnungen für Asylbewerber ein und dafür wird alles gebraucht“, so Bodo Krüger.

Das Besondere an den Awo-Sozialkaufhäusern ist ein Projekt für Langzeitarbeitslose, die bis zu einem Jahr lang als so genannte „Teilnehmer“ in den Sozialkaufhäusern arbeiten und sich etwas Geld dazu verdienen dürfen. „So schlagen wir sogar drei Fliegen mit einer Klappe, denn die Waren, die wir verkaufen, landen nicht auf dem Müll, sondern werden sinnvoll wiederverwertet“, betont Dr. Dieter Kienitz. Im Brawo-Center arbeiten zurzeit 20 Langzeitarbeitslose, sei es an der Kasse, beim Transport der Waren, im Lager oder bei der Beratung der Kunden.

Thorsten Ehlers, der früher beim Abschleppdienst des ADAC seine Brötchen verdiente, freut sich über seine neue Stelle im Sozialkaufhaus. Hier ist der 47-Jährige für die Disposition und Anleitung der in der Regel ungelernten Arbeitskräfte zuständig. „Ich bin Ansprechpartner für alle Probleme“, erzählt Ehlers.

Rund 50 Kunden kommen pro Tag in das etwas andere Kaufhaus, darunter viele Flüchtlinge, die auch Sprachprobleme haben. Hier treffen sie andere Flüchtlinge sowie Landsleute und können sich bei einer Tasse Kaffee austauschen. Inzwischen aber sei die große Flüchtlingswelle doch spürbar abgeebbt, hat Bodo Krüger festgestellt. Nachschub für die teilweise leeren Regale werde aber ständig gebraucht.

Kleidungsspenden können in die knallroten Textilcontainer der Awo geworfen werden, die an acht Standorten im Oldesloer Stadtgebiet, außerdem in Bargteheide und Glinde stehen. Eine Liste der Standorte findet man auch im Internet unter www.awo-bildungsarbeit.de. Wer Möbel oder Hausrat spenden möchte, kann sich telefonisch unter (04531) 8040810 beim Sozialkaufhaus in Bad Oldesloe und unter (040) 63912324 in Glinde melden, die Spenden werden dann auch abgeholt. „Wir sind zurzeit in besonderem Maße auf die Spendenbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger angewiesen“, betont Bodo Krüger.

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