Ahrensburg : Sonnensaft in den Tank

Tanken mit Strom: Landrat Henning Görtz und Bürgermeister Michael Sarach an der „Zapfsäule“.
Tanken mit Strom: Landrat Henning Görtz und Bürgermeister Michael Sarach an der „Zapfsäule“.

Die Ladesäule im Ahrensburger Kornkamp mit Solaranlage und Batteriespeicher kostete 300 000 Euro.

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15. Mai 2018, 06:00 Uhr

Von den 50 Ladesäulen im Hamburger Umland im Rahmen des Projekts „HansE“ hat Stormarn nur drei – aber die innovativste. Gestern wurde im Kornkamp 10 beim Netzcenter Ahrensburg eine Schnell-Ladesäule in Betrieb genommen, die ihren Strom aus einem Solardach bezieht und über einen Pufferspeicher verfügt. Natürlich hat das auch seinen Preis: Die Anlage kostete 300 000 Euro.

Der Preis für die Ladestation selbst ist mit 35 000 Euro noch relativ bescheiden. Und klein gegenüber dem Technikraum mit der Steuerung, der Elektronik für die Solaranlage, den Batteriespeichern und dem Netzanschluss. Der muss natürlich ebenfalls vorhanden sein, weil das Laden mit Solarstrom zwar das Ideal ist, aber nur bedingt funktioniert.

Bis zu zwölf Kilowatt schaffen die Solarmodule pro Stunde in der Spitze. Das würde auch bei Sonnenschein gerade mal für eine elf kw/h-Wallbox reichen. Den Batteriespeicher füllt die Solaranlage in drei Stunden. Dessen Kapazität von gut 36 Kilowattstunden reicht allerdings auch nur für einen Ladevorgang eines modernen, nahezu entladenen E-Autos.

Deren Besitzer fahren nach Hamburger Erfahrungen allerdings äußerst selten mit leerer Batterie an die Säule. Die meisten Ladevorgänge in der Hansestadt würden im im Bereich von acht kw/h liegen, so Peter Lindlahr von der hy  Solutions GmbH, die die Hamburger Leitstelle für das vom Bundesverkehrsministerium geförderte Modellprojekt ist. Von den 3,4 Millionen Euro für HansE kommen 1,8 Millionen vom Bund. Weitere Projektpartner sind Eon, Hansewerk, die Metropolregion, Uniper und die Aachener Hochschule RWTH, die eine Standortanalyse für die Metropolregion machte.

Der Ahrensburger Kornkamp fiel wegen der Autobahnnähe und der Pendlerströme in die beste Kategorie, obwohl Schnell-Ladesäulen direkt an der Autobahn natürlich am besten aufgehoben wären. In der Praxis lässt sich das theoretische Ideal allerdings nicht immer umsetzen, erst recht nicht, wenn zur Ladesäule noch ein Technikhaus und das Solardach hinzukommen. „Es ist nicht einfach, Standorte mit einer Größe von elf mal neun Metern zu finden“, so Anna Günther von Hansewerk.

„Es war ein Glücksfall, dass wir es hier umsetzen konnten“, sagt Peter Lindlahr, „ich bin sicher, dass die Ladesäule ausgelastet sein wird.“ Noch kann der Strom dort kostenfrei gezapft werden. Ob das im Oktober, wenn das Förderproprojekt ausgelaufen ist, so bliebt, steht noch nicht fest. „Das hängt dann vom Betreiber ab, sagt Ulrike Thiessen aus der Geschäftsstelle der Metropolregion.

Nicht nur bei der Ahrensburger Ladesäule wird erfasst, wer wann wie viel Strom „tankt“. Die Daten sollen für die weitere Planung wissenschaftlich ausgewertet werden. Klar ist, dass man den Blick „systematisch auf Pendler richten“ wolle, so Lindlahr. Neben der Ladeinfrastruktur startet demnächst auch das Projekt „Pendlerströme unter Strom“, das im Rahmen des „Sofortprogramms Saubere Luft“ für eine Abgasminderung in belasteten Städten entwickelt wurde. 700 Pendler aus den Umlandkreisen können dann E-Autos zu günstigen Konditionen leasen. Auch bei diesem Förderprogramm über vier Millionen Euro ist hy-Solutions Projektpartner. Ob die Zuschüsse auf allen Ebenen für einen Umstieg auf E-Autos reichen, ist eine Glaubensfrage. Peter Lindlahr erwartet den „Turnaround“ in den Jahren 2020 bis 2022. Dann werde der Anteil der E-Autos auf 30 Prozent steigen, prophezeit er: „Die Hersteller bringen viele neue Modelle auf den Markt, und die Preise werden sinken.“ Noch sind die Zahlen bescheiden. In der gesamten Metropolregion sind 4500 E-Autos angemeldet.

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