Stormarner Wochenschau : So wird das alles nix

 Karikatur: Wiedenroth
Karikatur: Wiedenroth

Zu laut, nicht verschwiegen genug, nicht sicher genug ... wo soll das alles noch hinführen?

Andreas Olbertz. von
23. Mai 2015, 08:00 Uhr

Lautsprecher

Mein Gott, da plustert er sich auf wie ein Gockel in der Balz, da schwillt ihm der Kamm, die Stimme von Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary wird lauter. Mal wieder wurde ehrenamtlichen Kommunalpolitikern jetzt im Hauptausschuss mit Strafverfolgung und Bußgeld gedroht … alles große Show, um vom eigenen Versagen abzulenken.

Es war schon mehr als dreist, was da im öffentlichen Teil der Bauausschusssitzung im Februar ablief. Den alarmierten Anliegern wurde etwas von 50 Grundstücken erzählt, die hinter ihren Häusern erschlossen werden sollten. In Wahrheit, und das kam erst im nichtöffentlichen Teil auf den Tisch, gibt es längst Pläne, hinterm Tegel ein Vielfaches an Grundstücken zu erschließen. Diese vertraulichen Unterlagen waren an die Anlieger durchgesickert und diese verständlicherweise auf der Zinne. Der Begriff „Verarschung“ ist für derartiges Vorgehen noch viel zu harmlos. So wird jegliches Vertrauen und Verständnis verspielt.

In der Sache ist eine Stadt die ihre Entwicklung in der eigenen Hand haben möchte natürlich gut beraten, sich mit potenziellem Bauland oder Ausgleichsflächen zu bevorraten. Gar keine Frage. Aber seien wird doch mal ehrlich: Oldesloe hat doch überhaupt keine Vision, wo es hin will und wie dieses Ziel erreicht werden soll. Da darüber jeglicher Konsens fehlt, sind Politik und Verwaltung der Kreisstadt investorengetrieben. Und damit sind die Möglichkeiten, an irgendwelchen Stellschrauben zu drehen, extrem klein.

Besserwisser

Was für eine verfahrene Kiste. Pitz, Riedel, Forsthaus und wie die Pflegeheime alle heißen, geht es gut, nur St. Jürgen treibt die Stiftung, der es gehört, in den Ruin. Man könnte spotten, das kommt davon, wenn Amateure millionenschwere unternehmerische Entscheidungen treffen. Der aktuelle Vorstand, der an der Misere nur bedingt Schuld hat, bevorzugt die Sprachregelung, dass die Stiftung eben die Oldesloer Werte hoch halte. Wie auch immer. Fakt ist: Heim und Stiftung stehen vor der Pleite. Bei der Stadt sollten logischerweise alle Alarmglocken schrillen, denn es geht nicht nur um Arbeitsplätze und den Verbleib einiger alter Menschen, sondern auch um Grundstücke in allerbester Innenstadtlage mit zum Teil historischer Bausubstanz. Wenn man da etwas gestalten oder Fehlentwicklungen verhindern möchte, sollte man tunlichst einen Plan in der Schublade haben, um im Fall der Fälle handeln zu können. Aber was ist? Der Bürgermeister sitzt den Beschluss zur Gründung eines runden Tisches aus. Der Stiftungsvorstand hat diese Woche bekannt gegeben, dass er sich eigentlich nicht beteiligen will, und die CDU schweigt lieber, zu tief sind ihre beiden Granden Fehrmann und Möller involviert. Da bleibt nicht mehr viel Spielraum. Spätestens an der Stelle wird überdeutlich, welch verfahrenes Konstrukt die Stiftungssatzung ist. Den Vorstand bilden Stadtverordnete, die sich irgendwann eventuell entscheiden müssen, ob sie zum Wohle der Stadt oder zum Wohle der Stiftung entscheiden. Ein klarer Fall von Befangenheit und Interessenskonflikt. Wenn alle anderen Vorstandsmitglieder zurückträten bliebe noch der Bürgerworthalter, der Kraft Amtes Vorstandsvorsitzender ist. Alleine wäre er aber auch nicht mehr handlungsfähig. Ein unhaltbarer Zustand.

Freund und Helfer

Die Forderung ist vermutlich schon fast so alt wie das Polizeiwesen überhaupt: Mehr Beamte auf Streife in die Innenstadt! Der fraktionslose Oldesloer Abgeordnete Wolfgang Schmidt hat sie jetzt noch mal wiederholt. Für die „gefühlte Sicherheit“ mag das sinnvoll sein, faktisch bringt es aber nichts – wie auch unser Karikaturist Götz Wiedenroth findet. Jeder Beamte, der durch die Fußgängerzone bummelt, fehlt logischerweise irgendwo anders, womöglich dort, wo er wirklich gebraucht würde. Natürlich könnte der Schupo den einen oder anderen Radfahrer schnappen, Lieferanten bestrafen ... aber mal ganz ehrlich: Bringt es das? Diese Forderung ist also Blödsinn. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Polizeipräsenz in der Region deutlich nachgelassen hat. Es gibt zu wenig Personal. Nicht umsonst spotten Beamte hinter vorgehaltener Hand, es sei wahrscheinlicher, dass ein Einbrecher auf einen anderen Einbrecher stoße als auf eine Polizeistreife. Da liegt das wirkliche Problem.

Anders Laut

Lärm ist einen emotionales und individuelles Thema. Was für den einen Musik ist, ist für den anderen unerträglicher Krach. Was den einen senkrecht im Bett stehen lässt, lässt einen anderen weiterträumen. Und wer nicht einschlafen kann, weiß, wie man geradezu auf das nächste Schnarchen des Bettnachbarn „wartet“.

So ist das auch mit Fluglärm. Es gab fast keine Beschwerden, bis das Thema über die Initiative der Walddörfer nach Stormarn schwappte. Nun spitzte man die Ohren und bekam mit, was man vorher fast überhört hatte. Empfindlicher gegen Lärm ist die Gesellschaft, jeder einzelne in einer immer lauteren Welt ohnehin schon geworden. Neben der Sensibilisierung gibt es aber auch eine tatsächliche Zunahme der Flugbewegungen. Auf Druck der Hamburger Initiative schwenken mehr Flugzeuge bei zehn nautischen Meilen und damit über Stormarn auf den Fuhlsbütteler Leitstrahl ein. Das trifft vor allem Elmenhorst, wo sich eine Bürgerinitiative gegen Fluglärm gegründet hat. Ob es objektiv tatsächlich so laut ist, wie es subjektiv empfunden wird, wenn vorbeifahrende Lkw die gleichen dB-Werte erzeugen, ist eine offene, vermutlich auch individuelle Frage. Interessanter dürften die Ergebnisse aus den Walddörfern sein. Ob die Flugzeuge bei zehn oder sieben Meilen in den Sinkflug gehen, macht für Duvenstedt und vor allem Poppenbüttel kaum einen Unterschied. Wenn der Standard-Anflug aus zehn nautischen Meilen nur für mehr Lärm in Stormarn sorgt, aber in Hamburg nichts leiser wird, sollte man zur alten Regelung zurückkehren. Nötig ist eine ehrliche Analyse, so schwer das auch fallen mag.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen