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Stormarner Tageblatt

20. August 2017 | 21:26 Uhr

Hoisdorf : So schön: Rosen, Tulpen, Nelken

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Vom Poesiealbum zum Freundschaftsbuch: Eine Ausstellung im Stormarnschen Dorfmuseum lässt Erinnerungen aufleben

Marianne Lentz blättert gerne mal in ihrem alten Poesiealbum und schwelgt in Erinnerungen. Sie selbst hat noch das ihrer Großeltern in ihrem Besitz. „Das Poesiealbum entstand in einer Zeit, als man sich durch Briefe und Urkunden ausweisen musste, daraus entstanden Stammbücher und später die Poesiealben“, berichtet die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Stormarnschen Dorfmuseums Hoisdorf. Sie hat eine Ausstellung vorbereitet, die Einblick in die Wandlungen des Poesiealbums zum heutigen Freundschaftsbuch aufzeigt. Das älteste Exemplar kommt aus der Zeit um 1850.

Am Sonnabend 7. März, wird die Schau mit dem Titel „Rosen, Tulpen, Nelken – vom Poesiealbum zum Freundschaftsbuch“ um 14.30 Uhr im Dorfmuseum (Sprenger Weg 1) eröffnet.

Marianne Lentz weiß viel zu berichten: „Die Geschichte dieser Alben reicht bis in die Zeit vor dem 30-jährigen Krieg zurück. Damals mussten die Söhne des Adels, die an Turnieren teilnehmen wollten, ein Stammbuch vorlegen, mit dem sie ihre hochgeborene Abkunft nachweisen konnten. Diese Stammbücher waren prächtig gestaltet, mit vielfarbigen und mit Gold bemalten Wappen und Miniaturen und mit möglichst vielen Eintragungen bedeutender Zeitgenossen.“

Nach 1648 lag der Adel danieder, und der bürgerliche Stand gewann mehr und mehr an Einfluss. Jetzt befleißigten sich wohlhabende Handelsherren, Gelehrte, Professoren, Pastoren und Studenten dieser Sitte. Hatten sich wichtige Persönlichkeiten in dem Stammbuch verewigt, konnte das dazu beitragen, in dieser Gesellschaftsschicht Erfolg zu haben oder gar Fuß zu fassen. Ab etwa 1850 wurde das Stammbuch mehr und mehr zur Frauensache. Es wandelte sich zum Poesiealbum und verbreitete sich auch bei der ländlichen Bevölkerung, beim Kleinbürgertum und im Arbeitermilieu. Und hier setzt die Ausstellung im Stormarnschen Dorfmuseum ein.

„Unser ältestes Album datiert von 1850, das jüngste von 2013, ein Zeitfenster, in dem sich ein großer gesellschaftliche Wandel spiegelt. Erzählen die frühen Alben meist in blumigen Worten von Freundschaft und Glück verbunden mit der ausdrücklichen Bitte, die Schreiberin in guter Erinnerung zu behalten, so werden die späteren, die um 1900 bis 1925 datierten, in unserer Gegend zu Zeiten der Konfirmation herumgereicht“, erläutert Marianne Lentz. Mit diesem kirchlichen Fest ging das Ende der Jugendzeit einher, und die vielen religiösen Sprüche und Verse sollten den Empfänger stärken und helfen, den Weg in das Erwachsenenleben zu bewältigen. „Es schrieben Mädchen und Jungen gleichermaßen. Wir würden sagen: Die ganze Konfigruppe hat sich verewigt, und zwar ohne Bilder oder Schnörkel, nur der Text war üblich. Aus der Zeit des Nationalsozialismus liegen uns keine Bücher vor“, berichtet Marianne Lentz. Nach dem verlorenen Krieg wurden in fast allen Haushalten Zeugnisse jener Zeit vernichtet. Lediglich eine einzige Eintragung ist mit dem „Hitlergruß“ unterzeichnet. Die 50er Jahre sind gut vertreten. Damals wurden die Alben wieder als Erinnerungsbücher gestaltet, meist beim Schulwechsel. Marianne Lentz erzählt: „Mit schön geschriebenen Versen und sorgfältigen Zeichnungen tat man seine Wertschätzung für die Besitzerin kund. Die heutigen Freundschaftsbücher zeugen von unserer durch die Ökonomie geprägten Welt – hier vom ökonomischen Umgang mit Zeit. Die Texte sind vorgegeben, auch die Dekoration, und man braucht nur die Fragen zu beantworten. “ Nur die hübschen Kinderfotos – meist sind es Kinder im Kindergartenalter – erfreuen den Blick des Betrachters.

 



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