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So gut ist Bayern nicht, aber doch zu gut für Stormarn

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

In Passau werden zwei von drei Straftaten aufgeklärt, in Stormarn sind es nur vier von zehn Taten

von
erstellt am 23.Jun.2016 | 13:51 Uhr

Die Aufklärungsquoten von Bayern hätte der stellvertretende Leiter der Polizeidirektion, Holger Meincke, auch gerne in Stormarn. Der Kreis zwischen Hamburg und Lübeck landet in der bundesweiten Statistik allerdings nicht vorne, sondern auf dem 402. und damit auf dem letzten Platz aller Kreise und Städte.

41 von 100 Vergehen wurden 2015 aufgeklärt. In Passau sollen es fast alle sein: 96,2 Prozent sein. „Ich habe mir, als ich das gelesen habe, die Frage gestellt, wie man das hinbekommt“, so Meincke. Die Antwort ist in den Zahlen enthalten, die das Innenministerium für seine Antwort auf eine kleine Anfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Ekkehard Klug zusammengestellt hat

Danach steht nämlich Neumünster mit 77,2 Prozent wesentlich besser da als Stormarn. Der Grund ist das Aufnahmelager für Flüchtlinge. Von denen gilt jeder als ein Fall von illegaler Einreise, der mit der Erfassung auch gleich aufgeklärt ist. So erklärt sich auch die hohe Passauer Zahl. Ohne ausländerrechtliche Verstöße beträgt die Aufklärungsquote dort 67,5 Prozent. Auch das ist allerdings ein Wert, von dem Meincke nur träumen kann: „Seit Jahren sind die Zahlen aus Bayern generell besser als in anderen Bundesländern. Woran es liegt, vermag ich auch nicht zu sagen.“

Die schlechte Stormarner Quote hängt natürlich mit den Wohnungseinbrüchen zusammen. Deren Zahl war 2015 um 40 Prozent nach oben geschnellt. „Trotz dieses Anstiegs an Fällen haben wir es geschafft, die Aufklärungsquote insgesamt noch zu steigern. Das wird in diesem Zusammenhang aber leider nicht erwähnt“, sagt Meincke.

Wegen der hohen Zahl an Einbrüchen stehen Polizei und Innenministerium seit längerem in der Kritik. „Schleswig-Holstein steht bundesweit katastrophal schlecht da“, sagt Klug. Auf den letzten 40 Plätzen befinden sich neben Stormarn auch die Stadt Kiel sowie die Kreise Segeberg, Pinneberg, Plön und Herzogtum Lauenburg. Wohnungseinbruchdiebstähle würden das Sicherheitsgefühl der Bürger besonders beeinträchtigten, sagt Klug. Der Versuch der Koalitionsfraktionen, die Missstände durch den Verweis auf ähnlich hohe Zahlen in den 90er Jahren zu relativieren, seien grotesk und ein Hohn für die Opfer.

Dass sich die Aufklärungsquote im letzten Fünftel Deutschlands bewege und im vergangenen Jahr noch fast überall im Land gesunken sei, könne das Vertrauen der Menschen in den Rechtsstaat und dessen Handlungsfähigkeit weiter schwinden lassen, befürchtet der FDP-Politiker, der „akuten Handlungsbedarf“ sieht: „Die Antwort auf die alarmierende Entwicklung kann nur sein: Mehr Polizei in der Fläche, personenorientierte Ermittlungen und mehr Prävention.“

Wie passt das zur geplanten Schließung von Wachen in Stormarn? „Ein-Mann-Polizeistationen werden nichts an der Aufklärungsquote ändern. Das haben wir immer gesagt. Das hat aber nichts mit der Arbeit Kollegen zu tun, die dort tätig“, sagt Meincke. Zumal die Polizeibeamten bei der geplanten Strukturreform weiter in ihrem Zuständigkeitsbereich tätig bleiben sollen. Präsenz allein hält Meincke nicht für zielführend, aber „die normale Verstärkung kann im Aufklärungsbereich etwas bringen.“

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