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Grosskontrolle an Autobahnen : So geht die Polizei in SH gegen Einbrecher vor

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Erstmals versuchen Beamte an Landstraßen und Autobahnen nicht Verkehrssünder, sondern Ganoven zu erwischen. Auch Gefahrengebiete wurden eingerichtet.

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2015 | 01:45 Uhr

Reinbek | Schleswig-Holstein ist ein Paradies für Einbrecher. Mit 286 Taten pro 100.000 Einwohnern liegt Schleswig-Holstein deutlich über dem Bundesschnitt (185). Im Kreis Stormarn ist die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Einbruchs zu werden, noch höher: Es gibt 437 Einbrüche pro 100.000 Einwohner. Beute im Wert von fast 3,3 Millionen Euro haben sie dort zuletzt gemacht. Die Polizei hat deshalb eine in Schleswig-Holstein einzigartige Ermittlungsgruppe auf die Täter angesetzt, die jetzt zum Schlag ausholte.

Über 100 Beamte kontrollierten am Mittwoch die Fluchtwege der Täter. „Unser Ziel ist es, Dämmerungseinbrecher auf ihrem Weg zurück nach Hamburg zu schnappen“, sagte Einsatzleiter Jan Müller (34). Dazu wurden sechs feste Kontrollstellen auf Bundes- und Landesstraßen sowie A1 und A24 eingerichtet, außerdem zahlreiche Zivilwagen auf Streife geschickt.

Der größte Kontrollpunkt war der A1-Rastplatz Ellerbrook. Dieselgeneratoren sorgten für Flutlicht, Streifenwagen zogen verdächtige Fahrzeuge aus dem Verkehr. Einsatzleiter Müller: „Genutzt werden gerne Transporter, aber auch ältere Wagen, die billig angekauft und nicht umgemeldet werden.“ Außerdem im Visier: Fahrzeuge mit mehreren Insassen und Kennzeichen, die Zeugen bereits aufgefallen sind.

In Oststeinbek sperrte die Polizei die Möllner Landstraße in Richtung Hamburg komplett, kontrollierte jedes Fahrzeug.
In Oststeinbek sperrte die Polizei die Möllner Landstraße in Richtung Hamburg komplett, kontrollierte jedes Fahrzeug. Foto: Burmester
 

Der Hamburger Rand liegt seit Jahren im Fokus von Kriminellen, doch an die Zahlen von Stormarn reicht kein anderer Kreis heran: 1018 Einbrüche hat es dort 2013 gegeben. Die Zahlen für 2014 sind noch nicht öffentlich, laut Polizei liegen sie aber in vergleichbarer Größenordnung. Gehobene Einfamilienhäuser, schmucke Villen, die Menschen in Stormarn sind wohlhabend. „Und die Autobahnen sind ein idealer Fluchtweg“, erklärt Sonja Kurz, Sprecherin der Polizeidirektion Ratzeburg. „In unserem Bereich haben wir pro Woche 50 Einbrüche.“ Um die Entwicklung zu bremsen, hat die Polizei vor vier Monaten eine Präventions- und Ermittlungsgruppe (PEG) gegründet, die sich allein um Einbrüche kümmert. Neun Polizei- und vier Kripobeamte gehören zum Team. Alle haben noch einmal eine Qualifikation in Spurensicherung durchlaufen, außerdem sind zwei speziell ausgebildete Diensthunde im Einsatz.

Stationiert ist die PEG in Reinbek. Von dort lassen sich die stark betroffenen Orte Ahrensburg, Bargteheide, Barsbüttel und Bad Oldesloe ebenso gut erreichen wie die beliebten Einbruchsreviere im Nachbarkreis Herzogtum Lauenburg, wo Geesthacht, Aumühle und Wentorf besonders gebeutelt sind.

Welche Erfolge hat es bereits gegeben? „Uns ist es gelungen, einzelne Tätergruppen zu identifizieren“, sagt Einsatzleiter Jan Müller, zugleich stellvertretender Chef der PEG. „Auch mehrere Ermittlungsverfahren laufen.“ Bei den Tätern handele es sich meist um professionelle Banden, die europaweit agierten und sich in Hamburg organisierten. Aber auch minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, die in der Hansestadt bereits durch Straftaten aufgefallen sind, finden sich unter den Einbrechern. Meist reisen sie mit Bus und Bahn an.

Wie auch in den Wintermonaten der Vorjahre hat die Polizei in Stormarn und im Herzogtum Lauenburg wieder „Gefahrengebiete“ ausgewiesen, in denen Beamte Autos und Personen ohne konkreten Verdacht kontrollieren dürfen – was die Opposition im Landtag scharf kritisiert. Polizeisprecherin Sonja Kurz: „Das Landesverwaltungsgesetz erlaubt uns Anhalte- und Sichtkontrollen zur Bekämpfung von Straftaten.“

Der Einsatz lief bis in den späten Dienstagabend. Wie viele Täter gefasst wurden, will die Polizei noch mitteilen.

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