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Stormarner Tageblatt

17. August 2017 | 04:07 Uhr

Ahrensburg : So faul, dass es sich auszahlt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Ahrensburger Klärwerk erzeugte im vergangenen Jahr erstmals mehr Strom als die Anlage verbrauchte.

Das Ahrensburger Klärwerk war schon immer etwas Besonderes. Wegen des Untergrunds hatte man sich seinerzeit dazu entschlossen, die Rohrleitungen nicht in die Erde zu legen, sondern „Hochkanäle“ zu bauen. Dafür wird viel Energie gebraucht, weil viel gepumpt werden muss. Aus der Not haben die Ahrensburger aber eine Tugend gemacht: 2014 hat die Kläranlage erstmals fast genauso viel Strom erzeugt wie verbraucht.

Das war ein langer Weg, den eine Energieanalyse vor mehr als zwölf Jahren aufzeigte. Gut drei Millionen Kilowattstunden brauchte die Anlage damals, heute sind es nur noch 2,25 Millionen kwh. „Das wurde nach und nach durch Optimierungen Modernisierungen und höhere Wirkungsgrade der Maschinen erreicht“, sagt Olaf Grönwald, Leiter der Kläranlage: „Man schmeißt natürlich keinen Motor weg, wenn er noch gut ist.“

Mit der Faulgas-Nutzung in einem Blockheizkraftwerk hatte Ahrensburg wie viele große Kläranlagen Anfang der 90er Jahre begonnen. Die drei kleinen BHKW mit einer Leistung von je 75 Kilowattstunden erzeugten knapp ein Drittel des Strombedarfs. Heute stehen zwei Module mit 150 und 180 kwh in dem Raum, die fast rund um die Uhr laufen und zwei Millionen Kilowattstunden elektrischer Leistung produzieren. Nur zu Spitzenzeiten muss noch Strom dazugekauft werden, die meiste Zeit geht es anders herum: Das Klärwerk kann Strom ins Netz einspeisen.

„Das ist aber nicht unserer Ziel, und das lohnt sich finanziell auch nicht“, sagt Henning Wachholz, der Leiter der Stadtbetriebe. Meist wird versucht, genau so viel Energie zu erzeugen, wie gerade benötigt wird. Auf 99 Prozent ist die Selbstversorgerquote beim Strom im vergangenen Jahr gestiegen. 2012 hatte sie noch bei 68 Prozent gelegen. In Kläranlagen vergleichbarer Größe sind es meistens 30 bis 40 Prozent.

In Ahrensburg wurde die Strom-Autonomie durch die Verwertung von Produkten aus der Fettabscheidung möglich. „Das lässt sich gut vergären“, sagt Grönwald. Und es ist ein mindestens doppeltes Geschäft: Die Entsorgung der Fette lässt sich das Klärwerk natürlich bezahlen, und für das BHKW gibt es nach dem Gesetz zur Kraft-Wärme-Kopplung über die Jahre insgesamt 240  000 Euro.

Für die Ahrensburger rechnet sich die Energie-Autonomie des Klärwerks. Die Gebühren konnten in den letzten Jahren von 2,09 auf 1,60 Euro je Kubikmeter Schmutzwasser gesenkt werden. „Das sind Einsparungen, die den Bürgern zugute kommen“, so Dr. Ernst Hoffmann (CDU), Vorsitzender des Werkauschusses.

Die Wärme aus dem Blockheizkraftwerk nutzt das Klärwerk natürlich auch. Sie wird vor allem benötigt, um den Klärschlamm auf Temperatur zu halten. „Die Bakterien brauchen um die 38 Grad“, sagt Grönwald. Dann produzieren sie am meisten Faulgas, seit einiger Zeit auch so viel, dass überschüssiges Gas manchmal abgefackelt werden muss, weil der 500 Kubikmeter große Gasspeicher schon voll ist. „Das hatten wir früher nicht. Ab und an rufen Ahrensburger an, dass die Kläranalage brennt“, so Grönwald. Polizei und Feuerwehr fahren mittlerweile aber nicht mehr raus. Grönwald: „Die wissen Bescheid und fragen erstmal bei uns nach.“

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