Bad Oldesloe : „Sieg der Bürger gegen Blödsinn“

Enttäuschung bei Linken, SPD und Grünen über das Ergebnis.
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Enttäuschung bei Linken, SPD und Grünen über das Ergebnis.

85 Prozent gegen Umbenennung der Hindenburgstraße. Enttäuschung bei Linken, SPD und Grünen, Freude bei der CDU.

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28. Juni 2015, 20:38 Uhr

Angespannte Gesichter herrschten in den Reihen der rund 50 neugierigen Politiker und Mitbürger vor, als im Stadthaus nach und nach die Ergebnisse des Bürgervotums zum Thema „Umbenennung der Hindenburgstraße“ eintrudelten. Auf den Gesichtern von Uwe Rädisch und Horst Möller machte sich schnell ein Grinsen breit. Die Christdemokraten hatten sich klar gegen eine Umbenennung ausgesprochen. Sie und ihre Anhänger sollten nun auch klar triumphieren.

Nach den ersten Wahlbezirken hatten fast 90 Prozent der Wähler gegen eine Namensänderung in Lange Straße gestimmt, wie die Straße bis 1933 hieß. Am Ende blieb es nach der Auszählung aller 17 Wahlbezirke bei überwältigenden 85,2 Prozent der 6286 Wähler (31,3 Prozent Beteiligung) die gegen eine Umbenennung votierten.

„Es ist deutlicher und schöner, als ich es mir vorgestellt habe. Endlich hat diese Farce ein Ende. Wir hätten uns das sparen können“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Möller. „Es ist kein Sieg der CDU, es ist ein Sieg der Bürger gegen den Blödsinn“, fügte er an. Sein Parteikollege Rädisch ergänzte: „SPD, Linke und Grüne werden diese Klatsche hoffentlich richtig einordnen und uns in Zukunft mit solchen Ideen verschonen.“

Bürgerworthalter Rainer Fehrmann blieb neutraler. „Ich freue mich, dass wir dieses demokratische Forum bieten konnten und dass es fast ein Drittel der Wahlberechtigten genutzt hat. Und ich freue mich selbstverständlich, dass dieses Ergebnis genau das Stimmungsbild der Einwohnerversammlung widerspiegelt.“

Betroffene Gesichter waren natürlich bei den Befürwortern der Namensänderung zu sehen. „Ich stehe komplett unter Schock. Das einzig Gute ist, dass es eine demokratische Entscheidung war, und da muss man dann auch Niederlagen eingestehen. Die Demokratie siegt“, so DGB-Gewerkschafter Walter Albrecht.

„Soll ich mich etwa freuen, oder was soll ich sagen?“, zeigte sich Maria Herrmann (SPD) etwas emotionaler. „Wir werden dieses demokratische Ergebnis akzeptieren. Es hat sich aber gezeigt, dass ein großes Interesse an dem Thema besteht, und wir denken, dass es die Aufgabe ist, Aufklärung zum Thema Hindenburg und zur Zeitgeschichte in der Stadt voranzutreiben. Ganz klar: Die Entscheidung ist gefallen, der Bildungsauftrag bleibt“, so Herrmann.

„Ich hatte damit gerechnet, dass sich die Gegner einer Namensänderung durchsetzen. Das lag auch an der starken Emotionalisierung und wie mobilisiert wurde. Wir haben versucht, seriös zu informieren. An unseren Infoständen habe ich in den Augen mancher Menschen aber gesehen, dass sie uns am liebsten geschlagen hätten“, sagt Hartmut Jokisch von den Grünen: „Für uns ist die Diskussion damit abgeschlossen. Es gibt ein demokratisches Votum. Wir werden aber weiter rund um dieses Thema informieren.“

„Polemische Emotionalisierung“ beklagte Björn Wahnfried. „Wir haben keine Falschinformationen gestreut über angebliche Kosten und sind nicht ins Persönliche abgerutscht. Die politischen Gegner haben oft durch Falschinformation und Polemik eine heftige und nicht mehr sachliche Stimmung erzeugt“, so der SPD–Stadtverordnete.

Hendrik Holtz (Linke) kündigt an, dass seine Partei weiter für die Umbenennung kämpfen werde. „Wir akzeptieren zunächst das demokratische Ergebnis, werden aber weiter für eine Umbenennung kämpfen. Diese Straße kann und wird nicht für immer Hindenburgstraße heißen. Wir werden auch daran arbeiten, dass ein besseres Geschichtsbewusstsein entstehen kann“, so Holtz. Ein starkes Signal sei der Bürgerentscheid nicht. Schließlich hätten fast 70 Prozent der Oldesloer gar nicht abgestimmt. Holtz: „Es ist uns nicht gelungen, die zu erreichen. Das müssen wir uns anlasten. Wir kämpfen weiter.“

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