„Sie tischen uns hier Lügen auf“

Zwei Männer wegen schwerer räuberischer Erpressung vor Gericht / Anklage contra Verteidigung

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13. Juni 2018, 13:20 Uhr

Mit einer Konfrontation zwischen Staatsanwältin und der Verteidigung endete der dritte Verhandlungstag der VII. Großen Strafkammer beim Landgericht in Lübeck. Angeklagt sind zwei 34 und 35 Jahre alte Männer. Sie sollen einen Barsbütteler bedroht und erpresst haben (wir berichteten). Der sagte gestern als Zeuge erneut aus und blieb dabei einsilbig und widersprüchlich.

„Sie tischen uns hier Lügen auf. Ich glaube ihnen kein Wort mehr“, warf ein Anwalt dem Barsbütteler vor. Er werde deshalb keine Fragen mehr stellen und Beweisanträge stellen. Er forderte weitere Zeugen zu vernehmen und auch die Ermittlungsakten der Telefonüberwachung beizuziehen. Fast jeder zweite Satz sei gelogen, sagte auch der zweite Anwalt. „Wegen ihrer Lügen sitze ich in Untersuchungshaft und meine Kinder sind allein“, klagte ein Angeklagter. „Ich bekomme Mitteilungen wie ‚ich weiß wo du bist‘“, entgegnete der Zeuge.

Die Vorwürfe stützen sich auf Zeugenaussagen und die Protokolle der Telefonüberwachung. „Es gibt kein anderes Verfahren, auf das wir uns stützen“, so die Staatsanwältin, „die beiden Angeklagten sitzen völlig zu Recht in Haft.“ Beim Streit mit dem Geschädigten ging es um Bohrmaschinen, die der Zeuge den Angeklagten im Tausch gegen eine Kamera angeboten hatte. Die Kamera entpuppte sich als gestohlen und wurde bei den Angeklagten beschlagnahmt. Sie sollen deshalb 2000 Euro und weitere 20 000 Euro gefordert und den Barsbütteler mit Pistole und Messer bedroht haben.

Er legte Handy-Fotos von Aufnahmen der Überwachungskamera vor, die am Tatort installiert war. Das Handy müsse beschlagnahmt werden, damit die Fotos nicht gelöscht würden, forderte ein Anwalt. Sie seien nicht in den Akten enthalten.

Andere Zeugen hatten berichtet, dass der Barsbütteler 22 Autos sein eigen nenne. Die seien inzwischen verkauft oder verschrottet, sagt er aus. Er besitze noch fünf, die alle auf den Namen seiner geschiedenen Frau zugelassen seien. Welche Fahrzeuge das seien, wollte ein Anwalt wissen. „Ich habe keine Erinnerung“, so der Zeuge. „Jetzt werden sie bockig“, mahnt die Vorsitzende Richterin, „das lassen wir nicht zu.“

Bei dem Streit mit den Angeklagten habe er sich bedroht gefühlt, so der Barsbütteler und seufzt: „Ich habe mir danach eine schuss- und stichsichere Weste gekauft.“ Er sei gewarnt worden, mit den Angeklagten sei nicht zu spaßen. In der Bedrohungssituation sei er mit einem Angeklagten um die Ecke gegangen, wo es keine Videoüberwachung gab: „Ich hatte das Gefühl, dort könnte ich liegen.“ Der 2. Angeklagte habe die Situation deeskaliert. Ein späteres Treffen zur Geldübergabe habe er nicht wahrgenommen: „Ich hatte kein Geld und wusste auch nicht, wofür ich zahlen sollte.“ So bleiben viele Fragen offen.


>Die Verhandlung wird kommenden Montag ab 9 Uhr fortgesetzt.




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