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Stormarner Tageblatt

18. Dezember 2017 | 20:07 Uhr

„Sie sind unser Feind geworden“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Bürgerwindpark Bargteheide: Wortgefecht um Denkmalschutz-Gutachten

Wieder eine Sitzung zum geplanten Bürgerwindpark in Bargteheide. Und wieder schlugen die Gefühle hoch. Diesmal wurde das Gutachten zum Denkmalschutz vorgestellt, das Dr. Geerd Dahms im Auftrag der Stadt erstellt hat. Beschlüsse dazu wurden im Bauausschuss nicht gefasst.

Diesmal gab es aber nicht nur Beifall und Zwischenrufe aus dem Publikum im Bauausschuss. Auch in der Ausschussrunde selbst wurde heftig gestritten. Norbert Muras (WfB) warf Dahms vor, die Fotos bewusst durch ein Weitwinkelobjektiv manipuliert zu haben. „Dadurch werden die Anlagen viel zu klein dargestellt, die Fotos sind vollkommen unbrauchbar.“ Er präsentierte eigene Fotos in einer fünfseitigen Dokumentation. Muras hatte den Radius der Rotoren darin als Scheibe dargestellt, der Gutachter als Strichzeichnung. Die Größe der Anlagen auf den Fotos betrage nur 40 Prozent dessen, was mit freiem Auge sichtbar sei. Dahms sei es vermutlich darum gegangen, sie optisch zu verharmlosen.

„Die Fotos stammen nicht von mir, sondern von einem Ingenieurbüro“, antwortete Dahms. Eine falsche Visualisierung habe er noch nie erlebt: „Ich habe sie nicht beauftragt und muss von der fachlichen Richtigkeit ausgehen.“ Es entspann sich ein heftiges Wortgefecht, in das sich auch die etwa 25 Zuhörer einmischten. „Die Bilder zeigen die Anlagen nur ein Drittel so groß wie in unserem Gegengutachten“, sagte Prof. Henning Müller zum Hagen von der Initiative Gegenwind. Sie hatte mit Dr. Helmut Behrens ebenfalls einen Gutachter zum Denkmalschutz beauftragt.

Hitzig beschuldigte Dahms schließlich Muras in einer persönlichen Erklärung, ihn schriftlich bedroht zu haben: „Sie haben mich in einer E-Mail beschimpft und der Manipulation beschuldigt.“ Muras habe ihm gedroht, für die Aberkennung seiner Bestellung als Gutachter zu sorgen. Umgekehrt hatte Dahms seinem Kontrahenten vorgeworfen, er könne wohl nicht lesen. „Das schafft genau die Stimmung, die aufs Publikum überschlägt“, so Muras. „Wir werden unter Druck gesetzt“, kritisierte Ausschussmitglied Friedrich Westerworth (CDU). Fraktionskollege Torsten Frehe forderte die Vorsitzende Renate Mascher auf, sie möge dafür sorgen, „dass sich die Zuschauer vernünftig benehmen.“ Hartmut Scheffler warf dem Gutachter vor, den ebenfalls denkmalgeschützten Eiskeller vergessen zu ha-ben. „Wir haben nichts bewusst außen vor gelassen“, entgegnete Bauamtsleiter Jürgen Engfer. Die Untersuchung sei mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt worden. „Sie sind unser Feind geworden“, so Scheffler, „weil sie versuchen, uns mit ihrem Gutachten auszuhebeln.“ Es tue ihm aber leid, wenn ein Zuschauer mal „entgleise“.

Im Gutachten wurden die Sichtachsen von der Jersbeker Allee, der Bargteheider Kirche und vom Barockpark untersucht. Von der Kirche aus sei nur eine Rotorspitze zu sehen. „Dreh- und Angelpunkt ist der Barockpark“, sagte Dahms, und hier besonders die „Zwölf Apostel“. Von diesem Punkt aus sei die Sichtachse beeinträchtigt. Auch von der Querallee sei die Hälfte von zwei Anlagen zu sehen. „Das ist eine Beeinträchtigung, aber sie ist nicht erheblich“, so Dahms. Wichtigster Punkt für den Denkmalschutz seien die Spitzen der Rotorblätter. Sie sollen keine Blinklichter zur Flugsicherheit erhalten. „Die Befeuerung erfolgt stattdessen am 48 Meter niedriger liegenden Maschinenhaus“, sagte Dahms.



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