Sie sind das lebendige Gedächtnis der Stadt

Sichten, sortieren digitalisieren: Martha Thiesing, Henning Penther, Dorit Harder, Günther Heinrich  (v. l.) arbeiten im Archiv.  Foto: rob
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Sichten, sortieren digitalisieren: Martha Thiesing, Henning Penther, Dorit Harder, Günther Heinrich (v. l.) arbeiten im Archiv. Foto: rob

Ohne die ehrenamtlichen Mitarbeiter wäre das Ahrensburger Archiv nicht das, was es ist. In den neuen Räumen ist endlich Platz genug für alle.

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02. Oktober 2009, 09:53 Uhr

Ahrensburg | "Ich wusste gar nicht, dass wir so was Tolles haben", staunte selbst Bürgermeisterin Ursula Pepper über die Schätze des Ahrensburger Stadtarchivs. Das hat nach Jahren der Umzieherei endlich einen festen Platz im Rathaus gefunden. 42 Quadratmeter im ersten Stock sind nicht gerade riesig, aber mehr als je zuvor. Und dank maßgeschneiderter Möbel stehen zwei Büro- und fünf Nutzer-Arbeitsplätze zur Verfügung.

Für die Archivalien reicht der Platz im Obergeschoss natürlich nicht aus. Die lagern auf rund 125 Regalmetern im Keller. Der Umbau des kompletten Magazins ist schon länger geplant, kommt mit 280 000 Euro aber so teuer, dass die Politiker ihn aus dem Haushalt genommen hatten.

Urkunden, Publikationen, Akten, und Schriftstücke haben Dr. Angela Behrens und ihre ehrenamt lichen Mitstreiter zusammengetragen, sortiert, nummeriert, digitalisiert, vor allem die mehr als 30 000 Bilder, von denen ein großer Teil von zwei Stadtfotografen stammt, die ihren Fundus zu Verfügung gestellt haben. "Allein würde ich das alles überhaupt nicht schaffen. Ohne die anderen wäre das Ahrensburger Archiv nicht das, was es ist", so Angela Behrens.

Das trifft vor allem auf Martha Thiesing zu. Die 85-Jährige ist von Anfang an dabei, seit mittlerweile 25 Jahren. Die pensionierte Lehrerin kennt viele Ahrensburger persönlich und ist immer gefragt, wenn es darum geht, Person auf Bildern zuzuordnen. "Ihr Wissen ist von unschätzbarem Wert", so Angela Behrens. Darüber hinaus hat Martha Thiesing Biografien zu 300 Persönlichkeiten und Geschäften erstellt, hat die Personen oder deren Nachfahren interviewt.

Der pensionierte Kaufmann Henning Penther (72) betreut nicht das Zeitungsarchiv und die stadtgeschichtliche Dokumentation, er hat in der vergangenen zwölf Jahren auch die 30 000 Bilder aus dem Archivar fast komplett digitalisiert. Fast genauso lange ist Günther Heinrich (74) dabei. Der pensionierte Industriemeister widmet sich einmal in der Woche der Beschriftung der Archivalien, die ohne Kennzeichnung nicht auffindbar wären. Dorit Harder aus der Stadtverwaltung betreut seit einem Jahr ehrenamtlich die historische Bibliothek, die Leih- und die digitalen Bestände.

Über die Jahre sind dank dieser freiwilligen Mitarbeiter Dokumentationen und Sammelmappen zu zeitgeschichtlichen Themen, zu jedem Verein oder Festen entstanden. "Das ist wie googlen, aber das Ergebnis ist eine qualifizierte Auswahl", so Angela Behrens. Besonders stolz sind sie und ihre Mitstreiter auf das Dorfsippenbuch. Aus handschriftlichen Kirchenbüchern wurde eine komplette Genealogie der Ahrensburger Familien seit 1640 zusammengestellt. Martha Thiesing hat dort den Geburtsnamen ihrer Großmutter entdeckt. Und "manchmal kommen Familienforscher, die sich auf eine lange Recherche eingestellt haben und in kürzester Zeit fündig werden. Diese Verblüffung finden wir immer wieder gut", so Angela Behrens.

Das "lebendige Gedächtnis der Stadt" wird nicht nur von Hobby-Forschern und interessierten Ahrensburgern, sondern auch von Wissenschaftlern, Studenten und Schüler-Gruppen gern genutzt. Mit gut 500 Besuchern im Jahr wird das Ahrensburger zudem wesentlich stärker nachgefragt als die meisten anderen Archive. Anfragen kommen täglich, auch aus Übersee.

Nur eines fehlt: Die Unterlagen, Karten und Archivalien zum Schloss lagern in Schleswig, wo sie aufgearbeitet werden. "Ahrensburg hatte seinerzeit keinen Platz und keine Kapazitäten dafür. Aber von den wichtigsten Unterlagen haben wir Kopien", so Angela Behrens.

Das Ahrensburger Stadtarchiv ist mittwochs von 8 bis 12 und donnerstags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Anmeldung unter Tel. 04102/77140 ist nicht nötig, erspart aber Wartezeiten

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