Hamberge : Sie machen sich vom Acker

Diese Leute waren am späten Abend noch nicht abgeholt. Bürgermeister Beeck quartierte sie in der Sporthalle ein.  Fotos: rtn
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Diese Leute waren am späten Abend noch nicht abgeholt. Bürgermeister Beeck quartierte sie in der Sporthalle ein. Fotos: rtn

Beim Erdbeerhof Fennert wollten 30 Rumänen nach wenigen Tagen nicht mehr weiterarbeiten.

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14. Juni 2018, 06:00 Uhr

Stundenlang hielten sich am Dienstag mehr als 30 Rumänen an der Bushaltestelle in Hamberge auf. Sie waren vom Erdbeerhof Fennert gekommen, sprachen kein Deutsch und konnten nur mit Hilfe von Zeichnungen verständlich machen, dass sie auf einen Bus warteten, der sie abholen sollte. Die meisten wurden am Abend abgeholt, in der Nacht quartierte Bürgermeister Paul-Friedrich Beeck dann die restlichen zehn Personen in der Sporthalle ein.

„Heute Morgen kam der Bus“, so Beeck, der selbst Besitzer eines Spargelhofs ist und mit viel Erntehelfern arbeitet und die Probleme kennt. André Fennert hatte etwas Ähnliches bereits im vergangenen Jahr bei der Zucchini-Ernte erlebt, allerdings nicht in diesem Umfang. „Um 5.30 Uhr, zum Arbeitsbeginn, stand die Gruppe auf dem Hof, und die Leute sagten, dass sie keine Lust mehr hätten“, so Fennert. Zur Begründung fielen Worte wie „Familie“ und „Gurken“.

„Manche waren erst ein, zwei Tage oder eine Woche hier. Sie haben aber einen Vertrag bis zum Ende der Erbeersaison“, sagt Fennert, der sofort beim Zoll in Lübeck anrief, was er tun solle. „Wir hatten letztes Jahr eine Mindestlohnprüfung. Kein Betrieb kann es sich erlauben, Fehler zu machen. Die Leute sind bei der Krankenkasse und bei der Knappschaft angemeldet.“

Die Aussagen aus Lübeck halfen ihm allerdings auch nicht viel weiter. Natürlich könne jeder eher gehen, er sei dann aber nicht verpflichtet, eine Gehaltsabrechnung zu erstellen. „Da standen aber mehr als 30 Leute, die auch unseren anderen Erntehelfern bedroht haben und ständig bei uns an die Bürotür klopften. Meine Frau hat ganz schnell eine Abrechnung für jeden einzelnen gemacht.“

Zumindest für 27, denn die anderen fünf waren erst so kurz da, dass sie mehr Geld bekommen als verdient hatten. „Die Menschen kommen ja mit nichts zu uns. Die Busfahrer verlangen für den Transport aus Rumänien 120 bis 150 Euro pro Person, und jeder einzelne bekommt Geld für Lebensmittel, im Schnitt 50 Euro“, so Fennert, der vermutet, dass die Gruppe einen Anruf bekommen habe, dass sie nun woanders bei der Gurkenernte eingesetzt werden sollen.

Dafür spreche auch, dass sie so überhastet aufbrachen, dass „das Frühstücksei noch auf dem Tisch stand und die Kühlschränke in den Unterkünften voller Lebensmittel waren“, so André Fennert, der ziemlich sicher ist, dass es sich um ein abgekartetes Spiel handelt: Zwei der Kleinbusse, die die Helfer bei der Zucchini-Ernte abgeholt hatten, seien identisch gewesen.

„Normalerweise arbeiten wir nicht mit Organisationen zusammen“, sagt der Landwirt, bei dem in der Erdbeersaison fast 90 Helfer vor allem aus Polen arbeiten. Die Lücke kann er schließen: „Sie haben bei ihren Familien angerufen, dass wir Leute brauchen. Alle waren froh, als diese Gruppe weg war.“

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