Bad Oldesloe : Sie helfen Asylbewerbern

Sie zeigen, woher sie kommen: Shirin Moghaddam, Hazzal von Ciminski und Ganna Benke.
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Sie zeigen, woher sie kommen: Shirin Moghaddam, Hazzal von Ciminski und Ganna Benke.

Der Kreisstartet ein neues Projekt: Im Nordkreis kümmern sich zwei Frauen und ein Mann um Neuankömmlinge.

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29. Januar 2015, 06:00 Uhr

350 Asylbewerber waren waren Ende 2013, im Dezember waren es rund 1000, und die Zahlen steigen weiter. Zurzeit kommen die Menschen aus der Unterkunft in Neumünster dienstags in Stormarn an, 21 waren es in dieser Woche, 28 sind für nächsten Dienstag angekündigt. In den 90er Jahren waren die Zahl ähnlich hoch. Damals gab es aber sechs Gemeinschaftsunterkünfte im Kreis, jetzt gibt es noch eine in Bad Oldesloe.

Die dezentrale Unterbringung ist erwünscht und sinnvoll, stellt die Kommunen aber vor große Probleme. 62 Euro zahlt das Land für jeden Flüchtling – im Quartal. Ein Tropfen auf den heißen Stein, trotzdem Geld, das die Kommunen gerne hätten. Der Kreis hatte sich 2014 anders entschieden. Mit der Pauschale und 116  000 Euro aus der Kreiskasse sollten 2,2 Stellen geschaffen werden, Vermittler, die die Gemeinden entlasten sollten.

Von den Bürgermeistern handelte man sich mehr Kritik als Zustimmung ein. Sie habe Verständnis dafür, dass die Kommunen lieber das Geld hätten, sagt Margot Sinning (SPD), die Vorsitzende des Sozial- und Gesundheitsausschusses, „aber wir brauchen Ansprechpartner, und wir brauchen fachliche Berater.“ Zudem mache es keinen Sinn, an einem Projekt herumzumäkeln, das im Januar erst angelaufen ist. „Wir haben mit den Bürgermeistern vereinbart, dass wir uns im August anschauen und entscheiden, wie es weitergehen soll.“ Das Land hat angekündigt, die Pauschale ab Februar auf 95 Euro zu erhöhen. Dieses Geld könne der Kreis ja an die Städte und Gemeinden weiterleiten, auch wenn es nicht viel sei, so Sinning.

In Südstormarn ist die Awo Träger des Projekts, im Nordkreis, der von Nordstormarn über Bad Oldesloe und Bargteheide bis Tangstedt und Ammersbek reicht, die Diakonie. Shirin Moghaddam, Hazzal von Ciminski und Ganna Benke teilen sich die 1,1 Stelle. Shirin Moghaddam kam vor 34 Jahren aus dem Iran nach Deutschland, um einen Onkel zu besuchen und Urlaub zu machen. Dann brach der Iran-Irak-Krieg aus. Als klar war, dass sie so schnell nicht zurück konnte, studierte sie in Göttingen, wo sie ihren späteren Mann kennenlernte. Seit zehn Jahren lebt die Familie in Reinfeld.

Hazzal von Ciminski war als 23-Jähriger allein aus Syrien geflohen. Er wurde adoptiert und war Luftsicherheitsassistent, bis er den Beruf wegen eines Rückenleidens nichts mehr ausüben konnte. Er wie auch Shirin Moghaddam waren zuvor bereits ehrenamtlich als Dolmetscher in der Migrationsberatung tätig.

Ganna Benke studierte Germanistik in der Ukraine und begann 2003 in Lüneburg ein kulturwissenschaftliches Studium. „Ich habe eine Aufgabe gesucht und wollte Menschen helfen, die das Gleiche erlebt haben wie meine Eltern“, sagt sie. Infolge der Ukraine-Krise hatte die Familie nach Kiew flüchten müssen.

Auch wenn sie noch nicht mal vier Wochen im Amt sind, fällt ihr erste Eindruck positiv aus. „Die Menschen, die kommen, sind sehr erschöpft und aufgeregt. Manchmal liegen die Nerven blank. Wenn sie ihre Sprache hören, wirkt das sehr beruhigend und schafft Vertrauen.“ sagt Shirin Moghaddam. „Die Leute sind sehr froh, dass jemand mit ihnen sprechen kann“, sagt Hazzal von Ciminski, „man muss ihnen erklären, wie es hier läuft. Es gibt welche, die nichts wollen, und es gibt die, die gleich einen Sprachkurs machen wollen“.

Auch die Mittel für die Sprachkurse sollen deutlich erhöht werden, Anspruch darauf haben bislang aber nur anerkannte Asylbewerber. Die Kurse der Migrationssozialberatung werden aus Spenden finanziert, zudem haben sich in Stormarn fast flächendeckend Unterstützer- und Freundeskreise gebildet. Margot Sinning: „Das Engagement der Ehrenamtlichen ist sehr wertvoll, aber auch sie brauchen Unterstützung. Und man darf sich nicht mit Dingen belasten, die sie überfordern.“

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